Home
http://www.faz.net/-gq4-75ulu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Martin Schulz Die EU ist auf dem Weg in eine Depression

Der Europaparlamentspräsident, Martin Schulz, bezeichnete das Verhalten Großbritanniens in der EU als „selbstsüchtig“. Deutschland sieht er hingegen als „stabilen Anker, an dem die EU hängt“.

© dpa Vergrößern Martin Schulz

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sieht die EU auf dem Weg in eine „Depression“. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Schulz, die EU sei auf dem Weg „in eine Depression, in eine Teilnahmslosigkeit, eine Egal-Stimmung. Das ist gefährlich. Denn diese Stimmung überlagert die großen Erfolge der EU, für die sie gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist. 90 Prozent der Bürger teilen die faszinierende Idee gemeinsamer Institutionen über Staatsgrenzen hinweg.“

Schulz kritisierte die Briten für die Überlegungen aus bestimmten Bereichen der EU auszusteigen: „Das ist geradezu selbstsüchtig. Großbritannien profitiert stark vom Binnenmarkt, ist aber nicht bereit, den politischen Preis dafür zu zahlen. Sie halten sich schon jetzt aus vielen Bereichen in der EU heraus – dem Euro, Schengen und Teilen der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit – haben gleichwohl ein schwaches Wachstum und eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Briten würden ohne die EU eine deutliche schwächere Rolle spielen.“, so Schulz in der F.A.Z.

Deutschland sieht Schulz als „stabilen Anker, an dem die EU hängt.“ Er fügte hinzu: „Unser Land geht enorme Risiken ein. Wir sind ein solidarisches Volk. Wir stehen zu unserer Verantwortung. Aber wir müssen auch sagen, dass wir das in unserem nationalen Interesse tun, weil wir am meisten von einer stabilen Eurozone profitieren.“

Der Sozialdemokrat äußerte, er habe das Ziel eines europäischen Bundesstaates nicht aufgegeben: „Ich weiß aber nach bald 20 Jahren im Europaparlament: Ich werde aus Deutschen keine Franzosen machen – und umgekehrt. Nationale Identitäten wirken stark, und das ist auch gut so. Der Nationalstaat bleibt. Aber da, wo er an seine Grenzen stößt, muss Europa hinzu kommen, sonst werden wir im 21. Jahrhundert in der Bedeutungslosigkeit verschwinden“, sagte Schulz der F.A.Z.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 Freie Fahrt für Rosberg und Hamilton

Für den Crash von Spa übernimmt Nico Rosberg die Verantwortung. Daher verzichtet Mercedes auf eine Teamorder im WM-Zweikampf des Deutschen mit Lewis Hamilton. Eine Bedingung aber stellt der Formel-1-Rennstall. Mehr

29.08.2014, 14:27 Uhr | Sport
Beachvolleyball Punkte fürs „Fremdgehen“

Eine überraschende Sport-Partnerschaft beschert Julia Sude eine neue Chance. Mit Beach-Queen Laura Ludwig greift die Tochter von „Mister Volleyball“ Burkhard Sude nach der Meisterkrone. Mehr

29.08.2014, 19:40 Uhr | Sport
Spezialist für Krisenintervention und Traumatherapie „Arbeit kann die Seele retten“

Jeden kann es treffen: Ein dramatischer Unfall oder der Tod eines geliebten Menschen. Wie kann die Rückkehr in den Beruf aus extremen Lebenslagen dennoch gelingen? Gespräch mit einem Experten. Mehr

21.08.2014, 16:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 17:03 Uhr

Ukrainische Dynamik

Von Nikolas Busse

Der Konflikt, den Russland so kaltschnäuzig wie unüberlegt in Gang gesetzt hat, entfaltet inzwischen eine eigene Dynamik: Von einer „strategischen Partnerschaft“ mit der Europäischen Union kann längst nicht mehr die Rede sein. Mehr 13