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Leserbrief Die Wurzel - das Modell der Zukunft

20.06.2007 ·  Zum Artikel "Quadratwurzelbehandlung für die EU" (F.A.Z. vom 15. Juni): Kein Land hat sich so intensiv für den EU-Beitritt Polens eingesetzt wie die Bundesrepublik. Die aktuelle polnische Regierung hat immer wieder Anlässe gefunden, ihre Dankbarkeit hierfür auf ihre ganz eigene Art auszudrücken.

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Zum Artikel "Quadratwurzelbehandlung für die EU" (F.A.Z. vom 15. Juni): Kein Land hat sich so intensiv für den EU-Beitritt Polens eingesetzt wie die Bundesrepublik. Die aktuelle polnische Regierung hat immer wieder Anlässe gefunden, ihre Dankbarkeit hierfür auf ihre ganz eigene Art auszudrücken. Der neueste Versuch ist der Vorschlag, das Stimmengewicht im EU-Ministerrat nach der Quadratwurzel der Bevölkerungszahlen zu gewichten. Demnach hätte ein Land, das viermal so groß ist wie ein anderes, im Rat nur doppelt so viele Stimmen. Als vorbildliche Europäer sollten sich die Deutschen nicht nur diesen Vorschlag zueigen machen, sondern ihn auch auf andere Bereiche der EU ausdehnen: Wenn auch die Mitgliedsbeiträge an die EU nicht mehr direkt an das Bruttoinlandsprodukt gekoppelt würden, sondern an dessen Quadratwurzel, hätte Deutschland, dessen Bruttoinlandsprodukt etwa fünfmal so groß ist wie das polnische, zukünftig nur gut den doppelten anstatt des fünffachen Beitrags zu zahlen. Also sollten wir die Kaczynski-Aussage: "Quadratwurzel oder Tod" nicht länger als typisch polnischen Egoismus abqualifizieren, sondern sie vielmehr als das Zukunftsmodell der EU propagieren.

Der Nebeneffekt, dass damit Deutschland möglicherweise seine Rolle als größter Nettozahler verlieren würde, wäre zwar schmerzlich für uns überzeugte Europäer, würde von unseren Nachbarn mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden aber sicherlich großzügig akzeptiert.

Dr. Florian Schilling, Dreieich

Quelle: F.A.Z., 21.06.2007, Nr. 141 / Seite 8
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