09.03.2007 · Das Klima ist zu einem der wichtigsten Programmpunkte der EU aufgestiegen. Ratspräsidentin Merkel sprüht vor Ehrgeiz. Doch worum geht es wirklich: Um den bestmöglichen Klimaschutz oder um die Durchsetzung alternativer Techniken mit dem Brecheisen? Von Stefan Dietrich.
Von Stefan DietrichDer Klimaschutz ist in der EU so etwas wie das Mondfahrtprogramm des einstigen amerikanischen Präsidenten Kennedy geworden - ein Ziel, für das sich nicht nur Politiker begeistern, sondern auch große Teile der europäischen Bevölkerung. Diese Rakete hat so viel populäre Schubkraft, dass sie sogar noch den am Boden zerstörten europäischen Verfassungsvertrag als Nutzlast mitnehmen könnte.
Für dieses zweite Ziel hat die Ratspräsidentin Merkel sogar ihre eigenen energiepolitischen Überzeugungen hintangestellt. Noch vor kurzem verlangte sie von der SPD den Nachweis, dass die Klimaschutzziele der Koalition auch ohne Atom erfüllbar seien. Den hat unterdessen nicht einmal der Haus-und-Hof-Gutachter des früheren Umweltministers Trittin liefern können, den Gabriel darum gebeten hatte.
„Ehrgeizigstes Klimaschutzprogramm der Welt“
Obwohl also Deutschland selbst das CO2-Minderungsziel (zwanzig Prozent bis 2020) ohne Kernkraft verfehlen wird, ging Frau Merkel in die Brüsseler Verhandlung mit der Forderung, auch andere Länder dürften sich ihre emissionsarme Kernkraft nicht auf dieses Minderungsziel anrechnen lassen. Das richtete sich vor allem gegen das Atomstromland Frankreich, das die Klima-Klimmzüge der übrigen EU-Mitglieder seit langem mit heiterer Gelassenheit betrachtet.
Doch Frau Merkels Ehrgeiz fand so so viel Beifall, dass Chirac, der wohl als (vermutlich) scheidender Präsident seinen Abgang nicht mit einem europapolitischen Eklat besiegeln wollte, den Weg zum Gipfel-Erfolg freimachte. Offenbar gibt es aber auch neben der Tür, die zum „ehrgeizigsten Klimaschutzprogramm der Welt“ aufgestoßen wurde, wie Kommissionspräsident Barroso jubelte, noch einen Seitenausgang für Franzosen.
Atomstrom im Erntefaktor besser als Windstrom
Warum auch nicht? Wenn der Reduzierung des Kohlendioxids wirklich die absolute Priorität gilt, dann ist es schlicht inkonsequent, die derzeit stärkste emissionsarme Kraftquelle, die Nuklearenergie, beiseitezuschieben. Das sollte die Physikerin Merkel endlich dem SPD-Vorsitzenden Beck beibringen, der sich in der irrigen Meinung verfangen hat, die CO2-Bilanz der Kernkraftwerke sei schlechter als die von Braunkohle.
Tatsächlich ist sie bei europäischen Kraftwerken - unter Einbeziehung der Brennstoffgewinnung - um weit mehr als den Faktor hundert besser als diese; sie liegt etwa gleichauf mit der von Windkraftanlagen. Bei der Energieausbeute, dem sogenannten Erntefaktor, schneidet Atomstrom sogar besser ab als Windstrom und erheblich besser als die gegenwärtig verfügbare Photovoltaik. Worum also geht es wirklich: Um den bestmöglichen Klimaschutz oder um die Durchsetzung alternativer Techniken mit dem Brecheisen?
Techischer Fortschritt, ja bitte!
Ivo Huber (jimmycarter1)
- 09.03.2007, 21:57 Uhr
Umwelt und Technologie...
Hayri Ergun (DrErgun)
- 09.03.2007, 23:02 Uhr
Umweltfeuerwerk steigt steil und zerfällt flach.
norbert doerre (ndoerre)
- 09.03.2007, 23:52 Uhr
Keine, also fragwürdige Quellen...
Mathias Müller (Van_Cleef)
- 10.03.2007, 00:51 Uhr
Zusatz
Felix Hauser (felix.hauser.stud)
- 10.03.2007, 03:02 Uhr