http://www.faz.net/-gpf-764ej

Königin Beatrix dankt ab : Übergabe nach dreiunddreißig Jahren

Blues für Oranje: Beatrix mit Sohn und Thronfolger Willem-Alexander Bild: dpa

Nur drei Minuten brauchte Königin Beatrix, um ihrem Volk die eigene Abdankung nach 33 Jahren Regentschaft zu erklären. Auch im Abschied bleib sie sich treu, auf ihre Weise hat sie sich die Zuneigung der Niederländer erarbeitet.

          Dreiunddreißig Jahre wird Königin Beatrix die Niederlande regiert haben, wenn sie in drei Monaten zugunsten ihres Sohnes Prinz Willem-Alexander abdanken wird. Und nur drei Minuten hat sie benötigt, um diese Entscheidung dem Volk mitzuteilen. Ihrem Stil blieb Beatrix in der aufgezeichneten Ansprache treu: sachlich, stolz und doch demütig gegenüber dem Volk.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Weil sie am Donnerstag ihren fünfundsiebzigsten Geburtstag feiere und das Königreich in diesem Jahr seinen zweihundertsten, sei der Moment gekommen, die Krone an den Prinzen von Oranien weiterzureichen - „nicht, weil mir das Amt zu schwer fiele, sondern aus der Überzeugung, dass die Verantwortung für unser Land nun einer neuen Generation anvertraut werden muss“. Nur die Andeutung eines Lächelns erlaubte sie sich am Ende. Da dankte sie den Niederländern für das Vertrauen „in den vielen schönen Jahren, in denen ich Ihre Königin sein durfte“.

          Beatrix während ihrer Fernsehansprache am Montagabend Bilderstrecke
          Beatrix während ihrer Fernsehansprache am Montagabend :

          Die ersten Stunden der Regentschaft 1980 hatten zu den weniger schönen Momenten dieser Zeit gezählt. Die Feier in Amsterdam wurde gestört von jungen Demonstranten, die kein Königshaus mehr dulden mochten. Doch da war Beatrix längst im Kampf gegen die öffentliche Meinung gestählt. Denn als die Prinzessin im Jahr 1966, gut 20 Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Besatzung, ausgerechnet den deutschen Diplomaten Claus von Arnsberg geheiratet hatte, war das halbe Land in Aufruhr geraten.

          Sosehr niederländische Intellektuelle oft Mühe haben, ihren republikanischen Geist zu unterdrücken, so unangefochten ist das Königshaus unter Beatrix doch wieder geworden. Hatte sie zu Anfang im Schatten ihrer Mutter Juliane gestanden, neben der sie steif und ungelenk wirkte, rühmen viele Niederländer heute gerade ihre Selbstdisziplin, zu der sich durchaus ein gewisses Faible für das Bad in der Menge gesellt hat. Je turbulenter die politische Kultur seit dem plötzlichen Aufstieg und der Ermordung des Populisten Pim Fortuyn im Jahr 2002 wurde, desto mehr Gehör fand die Monarchin mit ihren Mahnungen für Toleranz.

          „Mit dem größten Vertrauen“

          Politisch ist der Einfluss der Königin in kleinen Schritten immer weiter beschnitten worden: So kümmert sich das Parlament erst seit dem vorigem Jahr nach Wahlen selbst um die Regierungsbildung. Bis dahin hatte die Königin sondieren lassen, welchem Politiker sie den Auftrag erteilte. Doch auch Willem-Alexander wird als König den Ministerpräsidenten zum wöchentlichen Rapport erwarten.

          Willem-Alexander ist in der Öffentlichkeit zunehmend als ernsthafter Vertreter des Königshauses aufgetreten. Fast vergessen sind die Schlagzeilen über „Prins Pilsje“ aus längst vergangenen Jahren. Auch der Ärger über seine Eheschließung mit der Argentinierin Máxima Zorreguieta, deren Vater Minister in der Diktatur gewesen war, ist verraucht. „Mit dem größten Vertrauen“, hat Beatrix verkündet, „übertrage ich am 30. April dieses Jahres die Königswürde meinem Sohn.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          70 Jahre Ehe Video-Seite öffnen

          Die Queen und Prinz Philip : 70 Jahre Ehe

          Zum 70. Hochzeitstag von Queen Elizabeth und Prinz Philip am Montag wird gefeiert. In London werden für die beiden ab Mittag die Glocken der Westminster Abbey lange läuten. Dort haben sie geheiratet.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Koalitionspoker : Zweifel am guten Willen

          Vor dem Gespräch mit der SPD an diesem Mittwoch gibt sich die CDU ungewohnt mild, die CSU hingegen eher scharf. Besonders in Bayern freuen sich nicht alle auf die vierte große Koalition.

          Vergewaltigung als Kriegswaffe : Das Ende der Ignoranz

          Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Angelina Jolie wollen Frauen vor sexueller Gewalt im Krieg schützen. Ihre Initiative stellt der Nato nachträglich ein Armutszeugnis aus.

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Heuchelei als Geschäftsmodell

          Abbau von Arbeitsplätzen bei Siemens, miserable Arbeitsbedingungen von Paketzustellern: Bei Frank Plasberg werden Konzerne als vaterlandslose Gesellen beschimpft. Es geht aber auch um die Verantwortung der Konsumenten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.