http://www.faz.net/-gpf-73gbs

Klaus Regling : Der Euro-Retter

Euro-Experte: Klaus Regling widmete sich auch in seiner Diplomarbeit dem optimalen Währungsgebiet. Bild: dpa

Der Direktor des provisorischen Rettungsschirms EFSF wird auch Direktor des neugegründeten ESM: Klaus Regling hat nun die Möglichkeit, sein Lebenswerk zu retten. Er selbst ist dabei zuversichtlich.

          Klaus Regling, der Geschäftsführende Direktor des am Montag offiziell aus der Taufe gehobenen dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM, trinkt gern Kaffee. Die Kaffeemaschine, mit der der gebürtige Lübecker im Juli 2010 in sein Büro als Direktor des provisorischen Rettungsschirms EFSF in Luxemburg einzog, ist längst Legende. Damals fing Regling mit zwölf Mitarbeitern und eben der Kaffeemaschine an. Geplant war, dass sich der Deutsche und mit ihm die EFSF 2013 überflüssig machen sollten. Auch er selbst war fest davon überzeugt, dass mit der Gründung des vorläufigen Rettungsschirms das Ende der Euro-Krise eingeleitet worden sei.

          Hendrik  Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Schnell wurde indes klar, dass die Euro-Krise zu tief war, um sie mit einem nur vorläufigen Rettungsschirm zu bewältigen. Der am 3. Oktober 62 Jahre alt gewordene Regling musste dennoch lange warten, bis feststand, dass der dauerhafte Rettungsschirm auch für ihn einen dauerhaften Aufenthalt in Luxemburg nach sich ziehen würde. Die Eurostaaten konnten sich nicht einigen, den in öffentlichen wie privaten Ämtern - im Internationalen Währungsfonds wie in der EU-Kommission - erfahrenen Deutschen auch zum Direktor des ESM zu berufen. Schließlich wurde zur gleichen Zeit debattiert, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble Chef der Eurogruppe werden könne. Zwei Deutsche auf zwei zentralen Positionen wären für die anderen Eurostaaten des Guten zu viel gewesen.

          Der Umgang mit Geld: Zwischen Tischlerei und Hedge-Fonds

          Nun kann Regling mit der Rettung seines Lebenswerks loslegen. Schließlich hat der Euro sein Leben begleitet. 1973 schrieb der Ökonom seine Diplomarbeit über die „Theorie des optimalen Währungsgebietes“. Später hat er im Bundesfinanzministerium maßgeblich den 1996 von den EU-Staats- und Regierungschefs verabschiedeten Stabilitäts- und Wachstumspakt mitgestaltet. 2003 bereitete er, inzwischen Generaldirektor in der EU-Kommission, ein Verfahren gegen Deutschland vor, da es sich nicht an den Pakt hielt. Vernünftig mit Geld umzugehen, habe er in der Tischlerei des Vaters gelernt, sagt er. Einen etwas anderen Umgang mit Geld lernte er viele Jahre später als Hedgefonds-Manager kennen. Auch das hilft - jetzt, da er seinen Beitrag zur Bewältigung der Euro-Krise leisten soll.

          Dass die EU heute auf dem besten Weg ist, die Krise zu überwinden, davon ist Regling, der sich in Hinterzimmern wohler fühlt als im Rampenlicht, inzwischen wieder fest überzeugt. Die Staaten seien auf dem Weg der Haushaltskonsolidierung viel weiter als 2010, sagt er. In lockerer Runde fragt er seine Gesprächspartner, ob sie Kinder haben. Dann erklärt der Vater erwachsener Kinder, dass sich Euro und Kinder sehr ähnelten. Das erste Jahrzehnt mit ihnen sei einfach, das zweite wegen der Pubertät schwierig, dann werde alles besser. Regling muss also nur noch den Euro durch die Pubertät bringen. 60 Mitarbeiter hat er heute, bis Jahresende sollen es 75 sein. Deshalb wird der ESM bald umziehen, von einem Bürobau auf dem Luxemburger Kirchberg in den nächsten. Die Kaffeemaschine immer dabei.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          CDU wartet auf Entscheidung der SPD Video-Seite öffnen

          Große Koalition : CDU wartet auf Entscheidung der SPD

          Der CDU Vorstand ist zu Verhandlungen für eine Große Koalition bereit. Aber noch hat sich die SPD nicht dafür entschieden. CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler fasst die Position seiner Partei zusammen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Die provisorische Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlages auf dem Breitscheidplatz in Berlin.

          Behördenversagen : Attentäter Amri stärker überwacht als bekannt

          Neue Hinweise zeigen, wie viel die Behörden dank umfassender Überwachung schon mehr als ein Jahr vor seinem Weihnachtsmarkt-Anschlag über Anis Amri wussten. Warum wurde er nicht festgenommen? Auch dazu gibt es Vermutungen.
          Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner Mitte Dezember in Berlin.

          Sonntagsfrage : FDP und Union verlieren an Zustimmung

          Der Jamaika-Abbruch tat offenbar weder den Liberalen noch der Union gut – zumindest in der jüngsten Umfrage. Von Zweistelligkeit wäre Christian Lindners Partei derzeit ein gutes Stück entfernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.