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Kampf gegen den IS : Eine syrische Exilarmee - warum nicht?

Will syrischen Flüchtlingen helfen eine Armee aufzubauen: Polens Außenminster Witold Waszczykowski Bild: dpa

Polens Außenminister kriegte aufs Dach, weil er Bodentruppen aus syrischen Flüchtlingen forderte. Der Vorschlag wurde als abwegig abgetan - zu Unrecht. Der Mann hat recht.

          Die Beziehungen zwischen Moskau und Berlin sind seit Jahren alles andere als gut, aber es gab Zeiten, da hatten Deutschland und Russland durchaus gemeinsame Interessen. Polen zum Beispiel. Niemand weiß das besser als die Polen, deren neuer Außenminister dieser Tage verspottet wurde, weil er den Fehler beging, etwas Selbstverständliches zu früh zu sagen. Witold Waszczykowski (der Name wird gesprochen, wie man ihn schreibt, allerdings nur in Polen) hat vorgeschlagen, die in den vergangenen Monaten nach Europa gekommenen Syrer beim Aufbau einer Exilarmee zu unterstützen. „Mit unserer Hilfe könnten sie zurückgehen, um ihr Land zu befreien“, sagte der Minister.

          Die Infanterie des deutschen Willkommensjournalismus, die sich von Polen und anderen Osteuropäern in Fragen von Weltpolitik und Moral ungern belehren lässt, war mit Häme rasch zur Stelle („wirr“, „dummes Zeug“, „Gequassel“). Kundigere Köpfe wiesen auf den Zusammenhang hin, in dem eine solche Aussage in Polen steht. Die über lange Strecken ihrer Geschichte von Habsburgern, Russen und Borussen geteilten, gedrittelten und auf alle möglichen Arten kujonierten Polen könnten schließlich aus ihrer nationalen Überlieferung heraus besser als ihre Nachbarn verstehen, wie es ist, vom Exil aus für die Befreiung der Heimat kämpfen zu müssen.

          Aus deutscher Erfahrung ließe sich ein anderes Beispiel anführen: In den riesigen deutschen Flüchtlingstrecks von 1945 gab es kaum wehrdiensttaugliche Männer, weil die einen im Westen einen sinnlosen Kampf gegen die Amerikaner, die anderen im Osten einen durchaus sinnvollen zur Rettung Hunderttausender deutscher Zivilisten vor General Schukows Soldaten führen mussten.

          Kampf gegen IS kann nur mit lokaler Bevölkerung gelingen

          Gewiss, historische Vergleiche sind angreifbar. Demokratien können nicht Flüchtlinge als Soldaten in einen Krieg zurückschicken, vor dem sie geflohen sind. Aber Polens Chefdiplomat hat, wenn auch in einer zu sarkastischen Reaktionen einladenden Form, etwas ausgesprochen, was Europa noch beschäftigen wird. Es müsse verhindert werden, sagte der Minister, „dass wir unsere Soldaten in den Kampf nach Syrien schicken, während Hunderttausende Syrer Unter den Linden ihren Kaffee trinken“.

          Nun mag die erste Person Plural in diesem Fall übertrieben sein, denn weder hat jemand die Polen gebeten, Soldaten zu schicken, noch hat sich das Land bisher durch die Bereitschaft hervorgetan, einen seiner Leistungsfähigkeit entsprechenden Anteil der nach Deutschland und Schweden strömenden Fremden aufzunehmen. Außerdem würden die Syrer Unter den Linden ja nicht ihren Kaffee trinken, sondern unseren.

          Aber so abwegig, wie manch ein deutscher Leitartikler behauptet, ist die Aussage des polnischen Ministers nicht, aus mindestens drei Gründen: Erstens versichern Militärfachleute, dass eine Befriedung des Staates, der einst Syrien war, ohne Bodentruppen wenig aussichtsreich sei. Zweitens warnt der amerikanische Präsident aus guten Gründen, der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ könne nur gelingen, wenn die lokale Bevölkerung ihn stütze und billige. Sonst wäre ein militärischer Sieg ausländischer Truppen nach deren Abzug sofort wieder in Frage gestellt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

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