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Jugendarbeitslosigkeit in der EU Gar keine Arbeit ist auch keine Lösung

Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise steigen die Arbeitslosenzahlen in aller Welt. Besonders betroffen sind junge Leute, die nur schwer eine Stelle finden. Vor allem in den Krisenländern des Euroraums ist die Lage finster.

© F.A.Z. Vergrößern 59,1 Prozent der Jugendlichen in Griechenland hatten im Januar keine Arbeit

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, hat zuletzt eindringlich gewarnt: „Die Langzeitfolgen der hohen Jugendarbeitslosigkeit werden noch in Jahrzehnten zu spüren sein“, wenn nicht bald entschieden gegengesteuert werde. Denn die Arbeitslosigkeit demotiviere und dequalifiziere ganze Generationen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach ILO-Schätzungen sind derzeit mehr als 73 Millionen junge Menschen unter 25 Jahren offiziell arbeitslos, was einen Anstieg seit 2007 um 3,5 Millionen bedeutet. Die Arbeitslosenquote beträgt 12,6 Prozent. Am Schlimmsten ist die Situation im Nahen Osten (28,3), am besten in Südostasien (9,3). Bedenklich ist die Entwicklung in den klassischen Industriestaaten. Hier legte der Durchschnitt bis 2012 um ein Viertel auf 18 Prozent zu. Deutschland gehört zu den sechs Industrienationen mit einer Quote unterhalb von 10 Prozent.

Düstere Grundtendenz im Süden Europas

Deutschland nimmt in Sachen Jugendarbeitslosigkeit gemeinsam mit Österreich die Spitzenposition innerhalb Europas ein. Im März betrug die Quote nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat gerade einmal 7,6 Prozent. Der Durchschnitt in der Eurozone und der gesamten Union beträgt schon gut 24 Prozent. Und hinter dem Mittel verbergen sich noch weitaus dramatischere Zahlen einzelner Mitgliedstaaten In Griechenland wies die Statistik schon im Januar - neuere Zahlen liegen nicht vor - mehr als 59 Prozent aus, in Spanien waren es im März knapp 56 Prozent, in Portugal und Italien jeweils mehr als 38 Prozent. Und auch Länder wie Frankreich und Schweden liegen oberhalb des EU-Durchschnitts.

Das bedeutet zwar nicht, wie vielfach behauptet, dass in Griechenland oder Spanien mehr als jeder Zweite unter 25 Jahren arbeitslos ist. Denn in der Statistik aufgeführt sind nur Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wer etwa noch die Schule oder die Universität besucht, wird deshalb nicht erfasst. An der düsteren Grundtendenz ändert dies jedoch nichts, da viele Kandidaten mangels Perspektiven am Arbeitsmarkt schlichtweg länger die Schulbank drücken.

In all diesen Ländern tragen die jungen Leute besonders schwer an der wirtschaftlichen Misere. Zum einen sind sie häufiger von Kündigungen oder befristeten Arbeitsverhältnissen betroffen. Viel entscheidender aber ist, dass Unternehmen ihr Personal seltener aufstocken und frei werdende Stellen oft nicht wieder besetzen. Jugendliche bekommen also schwerer einen Fuß in die Tür der Unternehmen. Zudem kommt der Umstand, dass fast überall der Anteil der - schwer vermittelbaren - geringqualifizierten Arbeitslosen überdurchschnittlich hoch ist.

In Spanien brachen während des Immobilienbooms der vergangenen Jahre besonders viele junge Männer die Schule ab, um in der Bauwirtschaft Geld zu verdienen. Mit dem Platzen der Blase verloren sie ihre Arbeit und fanden nichts Neues.

Das Duale System als Vorbild

Weil der politische Druck in vielen Ländern wächst, schauen deren Regierungen aufmerksam nach Deutschland. Zwar hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung gerade in einer Studie ein Ergebnis veröffentlicht, wonach vor allem die demografisch bedingte Knappheit an jungen Leuten dazu geführt habe, dass hierzulande die Jugendarbeitslosigkeit derart gesunken ist.

Allgemein wird jedoch das Duale Berufsausbildungssystem als entscheidender Grund für die positive Entwicklung ausgemacht. Italien und Spanien führen schon mit deutscher Unterstützung dieses System in vielen Unternehmen ein. Weitere Länder zeigen ebenfalls reges Interesse. Vielerorts wird die Berufsausbildung in praktischen und theoretischen Blöcken nacheinander durchlaufen. Das deutsche Modell - Unterricht und Unternehmenserfahrung gleichzeitig - ist erst in einigen Ländern wie Österreich verbreitet. Bildungsexperten warnen jedoch davor, das Modell mit zu hohen Erwartungen zu überfrachten. Für einen Erfolg brauche es unter anderem qualifizierte Ausbilder und eine entsprechende Unternehmenskultur. Zudem könnten erst kommende Generationen von dem System profitieren. Den derzeit arbeitslosen Jugendlichen helfe es wenig.

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Quelle: F.A.Z.

 
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