01.03.2007 · Ich gehöre einer Generation von Europäern an, die Glück hat; einer Generation, die nur ein geeintes Westeuropa kennt, das angespornt durch den Willen wird, engere Bindungen zu schaffen, Wunden zu schließen und seine demokratischen Werte zu verbreiten.
Ich gehöre einer Generation von Europäern an, die Glück hat; einer Generation, die nur ein geeintes Westeuropa kennt, das angespornt durch den Willen wird, engere Bindungen zu schaffen, Wunden zu schließen und seine demokratischen Werte zu verbreiten. Ich bin ein spanischer und europäischer Bürger, für den die Europäische Union der Bezugspunkt für das Wertvollste ist, was wir haben: Frieden sowie sozialer und territorialer Zusammenhalt. Die Gründungsväter sahen voraus, dass die Wirtschaftsunion nur der Anfang, der notwendige Grundstein für dieses große politische Projekt war.
Während der dunklen Jahre der Franco-Diktatur war die Union für mein Land ein unerreichbarer Traum. Über die Pyrenäen wehte ein Wind des Fortschritts, der Freiheit und der Versöhnung, der unser Wesen formte. Während all der Jahrzehnte der Repression war Europa das zentrale Streben unseres inneren und äußeren Exils. Vielleicht ist Spanien deshalb dermaßen gut und schnell vorangekommen, seit es dem "Klub" 1986 beitrat.
Die Solidarität unserer europäischen Partner war entscheidend für die Schnelligkeit eines unvergleichlichen Konvergenzprozesses. Unser Pro-Kopf-Einkommen ist in etwas mehr als 20 Jahren von 71 Prozent des EU-Durchschnitts auf fast 100 Prozent gestiegen. Wie waren Musterschüler bei der Einführung des Euro und haben auf allen Ebenen Reformen in Angriff genommen, die Spanien auch zum bevorzugten Beschäftigungsstandort gemacht hat. Wir stehen unter den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt an achter Stelle. Außerdem schaffen wir Beschäftigung und leisten maßgeblich Entwicklungshilfe. Wir haben einen neuen Stellenwert, vom dem aus wir unseren tiefen Europäismus ausbauen können.
Ich gehöre einer Generation von glücklichen Spaniern an, die den fünfzigsten Jahrestag dieses Projekts mit Freude feiern können. Es handelt sich um ein Projekt, das die Eingliederung der osteuropäischen Länder und die ersehnte Wiedervereinigung auf friedvolle Weise vollbracht hat. Wieder ist es die Freiheit, die die Menschen frei macht. Deshalb haben wir einen Raum der Toleranz ohne Grenzen geschaffen, welcher der Demokratie, der guten Nachbarschaft und der Zusammenarbeit verpflichtet ist. Die Europäische Union ist letztlich das erfolgreichste zivilisatorische Projekt der Welt. Und der spanische Fortschritt ist ein guter Beweis dafür.
Der Verfassungsvertrag, den zwei Gründungsmitglieder explizit abgelehnt haben, gibt einige der Antworten, die die Union benötigt, um im 21. Jahrhundert weiter voranschreiten zu können. Deshalb will Spanien, das den Verfassungsvertrag schon ratifiziert hat, mit der deutschen Präsidentschaft eng zusammenarbeiten, um neue Energien für ein neues Europa zu erschließen, das in Bezug auf sich selbst und seiner Zukunft optimistisch ist.
Dieser Optimismus spiegelt sich im Veranstaltungsort des Festes zur Erinnerung an den 25. März 1957 wider: Berlin, eine ehemals geteilte Stadt, die heute als Symbol für Begegnung und Fortschritt steht.
Ministerpräsident des Königreichs Spanien