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Herman Van Rompuy Ratspräsident mit Talent zur Vermittlung

19.11.2009 ·  Es ist noch kein Jahr her, dass Herman Van Rompuy die belgische Regierung übernommen hat. Früher als seinen Landsleuten zugesagt verlässt er sie nun schon wieder. Das bewahrt ihn davor, ein kniffliges Versprechen wahrzumachen.

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Es ist noch kein Jahr her, dass Herman Van Rompuy die belgische Regierung übernommen hat. Eineinhalb Jahre früher als seinen Landsleuten versprochen verlässt er sie nun schon wieder, um der erste ständige Präsident des Europäischen Rates zu werden.

Der 62 Jahre alte Christliche Demokrat aus Flandern hat sich in dem Amt des Ministerpräsidenten gut behauptet, das wegen des Dauerstreits zwischen den Landesteilen unbequemer denn je ist. Sein Talent zur Vermittlung dürfte vor allem jene Staats- und Regierungschefs in der EU für ihn eingenommen haben, die nicht einen berühmten Staatsmann zur Durchsetzung europäischer Interessen in der Welt, sondern einen effizienten Moderator des Europäischen Rats suchten.

Außen- und Europapolitik als neues Feld

1993 hatte der damalige belgische Ministerpräsident Jean-Luc Dehaene van Rompuy in sein Kabinett berufen. Er wurde Haushaltsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Van Rompuy blieb im Kabinett, bis seine Partei 1999 abgewählt wurde. Anders als Dehaene tat er sich allerdings nie in der Außen- und Europapolitik hervor; das Führungsmitglied der damaligen Christlichen Volkspartei (CVP) beschränkte sich auf Finanz- und Wirtschaftsthemen.

Nach dem Philosophiestudium in Leuven hatte van Rompuy 1971 noch einen Master-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht und sodann in der Belgischen Nationalbank zu arbeiten begonnen. Er wurde Regierungsberater und Lehrbeauftragter. Der Vater von drei inzwischen erwachsenen Kindern behielt aber auch sein Interesse für Literatur und Poesie bei.

Vor seiner Berufung zum Ministerpräsidenten nach dem Rücktritt von Yves Leterme im Dezember 2008 war van Rompuy Parlamentspräsident gewesen - und allgemein war erwartet worden, er stehe am Ende seiner politischen Karriere. Doch dann verstand er es, die wacklige Fünfparteienkoalition im politisch instabilsten Staat Westeuropas auf einen Stufenplan zu verpflichten, der alle Beteiligten zur Mäßigung zwang.

Der Wechsel zur EU bewahrt van Rompuy davor, sein Versprechen wahrzumachen und das wohl kniffligste politische Problem im belgischen Mehrvölkerstaat zu lösen: den Streit über die Spaltung des Wahl- und Gerichtsbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde.

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