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Griechenland Guter Papakonstantinou, böser Papakonstantinou

Der frühere griechische Finanzminister galt als besonders eifriger Reformer. Jetzt wird er beschuldigt, Verwandte von einer Liste möglicher Steuerhinterzieher entfernt zu haben.

© REUTERS Vergrößern Damals war noch alles gut: Giorgios Papakonstantinou in Athen im April 2012

Im Oktober 2009 trat Giorgios Papakonstantinou die schwerste Reise seines Lebens an. Er war es, der im Auftrag der zwei Wochen zuvor gewählten Athener Regierung den Finanzministern der Eurozone in Luxemburg die Nachricht überbringen musste, dass das Haushaltsdefizit seines Landes in jenem Jahr wahrscheinlich nicht, wie noch von der Vorgängerregierung gemeldet, bei etwa sechs Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegen, sondern eine Idee höher ausfallen werde. Genaugenommen mehr als doppelt so hoch. Papakonstantinous Reise nach Luxemburg ist so etwas wie der inoffizielle Beginn der griechischen Schuldenkrise. Seit jenem Herbsttag vor drei Jahren (das endgültige Defizit für 2009 betrug dann 15,6 Prozent) kommt das Land aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus.

Michael Martens Folgen:    

Da man im zivilisierten Europa den Überbringer schlechter Nachrichten nicht mehr erschlägt und Papakonstantinou überzeugend verkündete, dass Athen fortan alles anders machen werde, gewann er jedoch das Vertrauen der europäischen Finanzminister. Europäische Diplomaten, Ökonomen oder Repräsentanten der mit der Beaufsichtigung von Griechenlands Finanzen betrauten Troika äußerten sich in Hintergrundgesprächen in höchsten Tönen über Papakonstantinou. Der Finanzminister sei das beste Pferd im Stall des (damaligen) Ministerpräsidenten Giorgios Papandreou, hieß es sinngemäß. Einer, der anpacke und das Land tatsächlich reformieren wolle. Ausländische Zeitungen, auch diese Zeitung, schlossen sich dem Urteil der Fachleute an.

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Als Papandreou im Juni 2011 sein Kabinett umbildete und seinen wichtigsten Mann auf das Ressort für Umwelt und Energie abschob, war die Skepsis bei Griechenlands Geldgebern daher groß. Die Ablösung des Finanzministers, der für eine entschlossene Reformpolitik gestanden habe, sei kein gutes Zeichen, hieß es in Brüssel und beim Internationalen Währungsfonds. Andererseits brachte man Verständnis für Papandreou auf, denn in dessen Partei, der damals noch mutterseelenallein regierenden Panhellenischen Sozialistischen Bewegung, kurz Pasok, rumorte es. Die Basis schimpfte immer lauter über den Sparkurs der Regierung, und die Parlamentsfraktion war vom Zerfall bedroht. Im Hintergrund zückten die Renegaten bereits ihre Dolche, um sie dem Pasok-Chef Papandreou bei nächster Gelegenheit in den Rücken zu stoßen. In dieser Lage hoffte Papandreou, durch eine Absetzung seines Finanzministers eine Atempause zu gewinnen, denn Papakonstantinous Popularität im Ausland entsprach seiner Unbeliebtheit im Inland.

Eineinhalb Jahre später sieht Papakonstantinous Rolle anders aus. Inzwischen wird Papandreous einstiger Topreformer verdächtigt, als Finanzminister die Namen von drei Verwandten aus einer Liste mutmaßlicher Steuerhinterzieher entfernt zu haben. Noch ist nichts bewiesen, hat Papakonstantinou also als unschuldig zu gelten. Für Griechenland lässt sich nur hoffen, dass er seine Unschuld wird beweisen können. Sollte sich nämlich herausstellen, dass selbst der einstige Vorzeigereformer des Kabinetts Papandreou, der in markigen Äußerungen einen kompromisslosen Kampf gegen die Steuerhinterziehung verkündet hatte, Wasser gepredigt und Wein getrunken hat, wäre das ein neuer Schlag gegen die ohnehin schon rosinenhaft geschrumpelte Glaubwürdigkeit der Athener Elite.

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