Home
http://www.faz.net/-gq4-760io
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Griechenland Europarat fordert Hilfe für Flüchtlinge

Eine Million Migranten leben in Griechenland, viele unter unmenschlichen Bedingungen. Der Europarat ruft den Kontinent zur Solidarität auf und fordert finanzielle Unterstützung.

© picture alliance / dpa Vergrößern Flüchtlinge in einem Auffanglager in Griechenland

Der Europarat hat angesichts des stark wachsenden Einwanderungsdrucks in Griechenland und der Türkei die solidarische Hilfe der Europäer angemahnt. Besonders sollte man mehr Geld für eine menschenwürdige Unterbringung und medizinische Versorgung der Flüchtlinge geben, heißt es in einer Entschließung, die die parlamentarische Versammlung der Staatenorganisation am Donnerstag mit großer Mehrheit verabschiedete.

Die Migranten aus Nahost oder Afrika sollten nicht mehr in Gefängnissen festgehalten werden. „Flüchtlinge und Asylanten haben in Gefängnissen nichts zu suchen“ sagte der österreichische Sozialdemokrat Stefan Schennach in der Debatte der Abgeordneten aus den 47 Europaratsländern.

Griechenland habe zur Zeit 6000 Abschiebe-Zentren, bald sollten es 10.000 werden, sagte die Berichterstatterin der Versammlung, die niederländische Sozialdemokratin Tineke Strik. Dort herrschten unmenschliche Bedingungen. „70 Personen sind in einer Zelle von 100 Quadratmetern untergebracht, ohne Wasser, Heizung oder Licht“, sagte sie über eines dieser Zentren an der Grenze zur Türkei.

Griechenland ist das Haupt-Einfallstor

Strik hat mit einer Europaratsdelegation die Abschiebe-Gefängnisse in Griechenland Mitte Januar besucht. „Die Menschen werden wie Verbrecher behandelt, nur weil sie ein besseres Leben wollen oder Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen“. In der Diskussion überwog Verständnis für Griechenland, das mit der Dimension des Problems überfordert sei. „Was Griechenland erleben muss, könnte auch kein anderes Land in Europa im Alleingang meistern“, sagte die Liberale Doris Fiala aus der Schweiz.

In Griechenland leben nach Schätzungen etwa eine Million Migranten. Das Land ist wegen seiner geografischen Lage zum Haupt-Einfallstor für illegale Migrationsströme in die EU geworden, die Türkei das wichtigste Transitland.

Die Deutsche Annette Groth von der Partei „Die Linke“ forderte die EU-Innenminister auf, diese Abschiebe-Gefängnisse zu besuchen. „Wir geben 200 Millionen Euro für die Sicherung der EU-Außengrenzen aus und nur schlappe vier Millionen Euros für die Unterbringung von Flüchtlingen“, sagte sie.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nordrhein-Westfalen 46 Millionen Euro mehr für Flüchtlinge

Nordrhein-Westfalen zieht nach dem Misshandlungsskandal Konsequenzen. Die Kommunen bekommen 25 Prozent mehr Geld für die Unterbringung von Flüchtlingen. Aber auch der Bund soll etwas leisten. Mehr

20.10.2014, 23:14 Uhr | Politik
Türkei Flüchtlinge hoffen auf das Ende der Kämpfe

Flüchtlinge aus Kobane schauen von der Türkei auf ihre Heimat und sehnen sich zurück. Mehr

23.10.2014, 15:38 Uhr | Gesellschaft
Flüchtlingspolitik Von Gipfel zu Gipfel

Nach dem Misshandlungsskandal in Asylbewerberheimen versucht Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen mit einem Flüchtlingsgipfel aus der Defensive zu kommen. Aus Duisburg kommen vorab gute Nachrichten. Mehr Von Reiner Burger, Düsseldorf

20.10.2014, 14:37 Uhr | Politik
Syrien Flüchtlinge fürchten den Winter

Fast die Hälfte der syrischen Bevölkerung ist vor den Gräueln des blutigen Bürgerkriegs auf der Flucht. Von Millionen Flüchtlingen sind tausende im Flüchtlingslager Bab al-Salam nahe der Grenze zur Türkei untergekommen. Sie führen ein Leben voller Entbehrungen - und der nahende Winter droht ihre Lage noch zu verschärfen. Mehr

23.10.2014, 15:45 Uhr | Gesellschaft
Syrien-Flüchtlinge Es geht ums nackte Überleben

Bei neun Millionen syrischen Flüchtlingen ist die Aufnahme von weiteren 500.000 Syrern in Europa dringend geboten. Aber die EU setzt weiter auf Abwehr. Sie zwingt Menschen auf immer gefährlichere Wege. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Simone Peter

26.10.2014, 17:14 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.01.2013, 15:46 Uhr

Anarchie oder Diktatur

Von Rainer Hermann

Der „Arabische Frühling“ ist gescheitert. Der Nahe Osten ist entgegen aller Hoffnung weder demokratisch noch stabil. Die Möglichkeiten lauten nun Anarchie oder Diktatur. Mehr 31 31