30.06.2011 · Die englischen Lehrer und Angestellte des öffentlichen Dienstes sind wegen einer geplanten Rentenreform in einen eintätigen Streik getreten. Auch an den Flughäfen kam es zu Verzögerungen. Die Regierung will unter anderem das Renteneintrittsalter erhöhen.
Aus Protest gegen die geplante Rentenreform in Großbritannien haben am Donnerstag Tausende Lehrer und Angestellte des öffentlichen Dienstes die Arbeit niedergelegt. Nach Berichten englischer Medien sollen zwei Drittel der Schulen betroffen sein. Viele Eltern nahmen ihre Kinder mit zur Arbeit. Auch Gerichte, Finanzämter und Arbeitsagenturen werden bestreikt. Reisende mit Ziel Großbritannien müssen wegen der Streiks am Donnerstag mit Verzögerungen bei der Einreise rechnen. Die Betreibergesellschaft der Londoner Flughäfen Heathrow und Stansted sowie von Edinburgh, Glasgow, Aberdeen und Southampton erklärte am Mittwoch, wegen des Ausstands der Grenzbeamten müssten Reisende sich auf längere Wartezeiten einstellen.
Insgesamt könnten bis zu 750.000 Staatsbedienstete dem Aufruf der Gewerkschaften folgen, die eine ganze Serie von Streiks angedroht haben. Es wären die größten Proteste gegen die Regierung Camerons, seitdem sie im Mai 2010 die Regierungsgeschäfte übernahm. Nach einer von englischen Medien zitierten Umfrage unterstützen nur 40 Prozent der Briten den Streik des öffentlichen Sektors, 49 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Cameron: Streiks unverantwortlich
Angesichts klammer Kassen will die Regierung das Renteneintrittsalter erhöhen und den Beitragszahlern mehr abverlangen: Alle Beamten sollen künftig bis zu ihrem 65. Lebensjahr arbeiten und einen höheren Beitrag von 3,2 Prozent ihres Gehaltes zu ihrer eigenen Staatsrente beisteuern. Der Anstieg ihrer Pension wird im Alter an die Inflation und nicht mehr den Preissteigerungsindex gekoppelt. Damit bleiben steigende Immobilienpreise und Hypothekenzinsen bei der Rentenanpassung künftig unberücksichtigt.
Ministerpräsident David Cameron bezeichnete die Streiks am Donnerstag als unverantwortlich. Die Verhandlungen über die Rentenreform seien noch nicht abgeschlossen. Die Lehrer-Gewerkschaft ATL erklärte dagegen, diese Darstellung sei irreführend. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, die Kosten für die durch Banken ausgelöste Finanzkrise auf ihre Mitglieder abwälzen zu wollen.
Die unpopulären Rentenpläne sind ein weiterer Schritt im Konsolidierungskurs der Regierung, die bis 2015 das Haushaltsdefizit praktisch ganz ausgleichen will. Eine Rentenreform hält sie angesichts einer höheren Lebenserwartung für unausweichlich. Viele Briten sind mit den Vorhaben nicht einverstanden. Die Regierung plant bereits einen Gehaltsstopp und der Abbau von mehr als 300.000 Arbeitsplätzen. Der Ausstand in Großbritannien folgt Protesten gegen drastische Sparmaßnahmen in anderen Ländern Europas - wie vor allem in Griechenland.