Home
http://www.faz.net/-gpf-75wtd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gastbeitrag Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Paris und Berlin müssen gemeinsam einer Erosion in der EU entgegenwirken, schreiben die Außenminister Frankreichs und Deutschlands in einem gemeinsamen Beitrag für die F.A.Z.. Europa sei nicht das Problem, sondern müsse die Lösung für die Herausforderungen der Zukunft sein.

© AFP Standfest, einig und höflich: Die Verteidigungs- und Außenminister Frankreichs und Deutschlands.

Für Jahrhunderte standen sich unsere Länder als Rivalen, Gegner, gar als sogenannte „Erzfeinde“ gegenüber. Die beiden Weltkriege, besonders die Verbrechen der Nazi-Diktatur, waren die furchtbaren Tiefpunkte. Macht man sich diese historische Dimension bewusst, zeigt sich ganz besonders klar der Mut, ja die Kühnheit von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, als sie am 22. Januar 1963 den Elysée-Vertrag unterzeichneten. Der Vertragstext ist kurz und kompakt, sein Inhalt aber war geradezu revolutionär: Deutschland und Frankreich bekennen sich darin zu nicht mehr und nicht weniger als in allen wesentlichen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen „so weit wie möglich zu einer gleichgerichteten Haltung“ zu gelangen. Der Vertrag ist - auch nach 50 Jahren - immer noch aktuell. Die Kernbegriffe seiner Präambel: Versöhnung, Jugend, Solidarität und Europa beschreiben das Wesen unserer Partnerschaft. Der Vertrag hat im Laufe der Jahre jenseits aller Widrigkeiten des Alltags eine Nähe und Freundschaft geschaffen, wie sie nur wenige Völker kennen.

Aus Jahrhunderte währender Feindschaft kann tiefe Freundschaft entstehen - das ist die Botschaft des Elysée-Vertrages, mit weltweiter Strahlkraft. Die Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen ist geglückt. Aktuelle Umfragen belegen, dass in beiden Ländern mehr als 85 Prozent unserer Bürger ein gutes oder sogar sehr gutes Bild vom Nachbarn haben. Wir haben ein gemeinsames Geschichtsbuch, eine Deutsch-Französische Brigade, den zweisprachigen Fernsehkanal Arte und zahlreiche andere Institutionen des Dialogs und der Integration. Hinzu kommen die engen Verbindungen der Menschen auf beiden Seiten des Rheins. Heute gibt es über 2000 Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Städten. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag für unseren intensiven kulturellen und gesellschaftlichen Austausch. Unsere Volkswirtschaften sind eng miteinander verzahnt.

Jugend als Schlüssel zur gemeinsamen Zukunft

Wir dürfen aber nicht der Illusion der Selbstverständlichkeit erliegen. Was damals galt, gilt auch heute: Die Jugend ist der Schlüssel zur gemeinsamen Zukunft. Unsere Aufgabe bleibt, den jungen Menschen in beiden Ländern zu vermitteln, wie spannend und wichtig die Hinwendung zum Nachbarn ist. Dass es vielmillionenfach geglückt ist, junge Franzosen und Deutsche zusammenzubringen, ist das besondere Verdienst des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Das werden wir fortsetzen.

Unsere Freundschaft ruht auf dem festen Fundament gemeinsamer Werte. Zu Hause und in der Welt setzen wir uns ein für Freiheit, Toleranz, Hilfe für die Schwachen und kulturelle Vielfalt. Gleichwohl hatten Deutschland und Frankreich in den vergangenen 50 Jahren mitunter unterschiedliche Vorstellungen, wenn es wichtige Fragen gemeinsamen Belangs zu lösen galt. Aber unsere Fähigkeit zum Verständnis für die Haltung des anderen, unsere Bereitschaft zu einer für beide Seiten tragfähigen Lösung haben wir ein ums andere Mal unter Beweis gestellt. Deutschland und Frankreich wollen auch in Zukunft gemeinsam Lösungen für die großen Herausforderungen der Zeit finden: bei der Sicherung von Wachstum und Wohlstand, bei der Förderung von Innovation und Bildung, im Umweltschutz und der Versorgung mit sicherer und nachhaltiger Energie, auch bei den neuen Fragen des Informationszeitalters, nicht zuletzt auch bei unserem Engagement für Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Welt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Antideutsche Ressentiments Was erlaubt sich Allemagne!

In Frankreich blühen zur Griechen-Krise die tollsten antideutschen Ressentiments. Gemäßigte Kreise loben zwar Merkel, radikale empfehlen aber einen Germexit. Mehr Von Jürg Altwegg

25.07.2015, 11:46 Uhr | Feuilleton
Kampf gegen IS Angriff vom Flugzeugträger Charles de Gaulle

Im Kampf gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat setzt Frankreich auch einen Flugzeugträger ein. Jagdflugzeuge fliegen von der Charles de Gaulle Angriffe gegen die Islamisten im Irak. Mehr

02.03.2015, 11:19 Uhr | Politik
Aufbau der Bundeswehr Der Knobelbecher knallt doch viel besser

Der Band über den Bundestagsausschuss für Verteidigung versammelt viele handfest-anschauliche Aussagen über den neuen Soldaten als Staatsbürger in Uniform- im Vergleich mit der früheren Wehrmacht ist eigentlich kein Stück geblieben, nicht einmal die Wäsche, sagte Adolf Heusinger. Mehr Von Daniel Koerfer

27.07.2015, 09:50 Uhr | Politik
Agrarwirtschaft Ende der Milchquote - Chance und Herausforderung

Um die Überproduktion von Milch und ihren Erzeugnissen zu senken, führte die damalige Europäische Gemeinschaft 1984 die Milchquoten ein - nun läuft die Regelung aus, vor allem wegen der gestiegenen Nachfrage außerhalb der Europäischen Union. Für die Bauern auch in Deutschland ist das eine Herausforderung und eine unternehmerische Chance zugleich. Mehr

31.03.2015, 10:35 Uhr | Wirtschaft
Fabius in Teheran Paris vollzieht Kehrtwende gegenüber Iran

Der französische Außenminister Laurent Fabius hat bei einem Besuch in Teheran den iranischen Präsidenten nach Paris eingeladen. Dabei war Frankreich in den Atomverhandlungen immer der härteste Widersacher Irans. Mehr Von Rainer Hermann

29.07.2015, 17:35 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 22.01.2013, 11:30 Uhr

Athener Machtfrage

Von Nikolas Busse

Der Bruch in Tsipras` Partei ist deutlich zu Tage getreten. Es ist besser, wenn er klärt, ob sie noch regierungsfähig ist. Wieder einmal zeigt sich, dass die politische Klasse das größte Problem des Landes ist. Mehr 4 13