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Gabriele Pauli Türkenfreundin und Türkenfeind

19.01.2007 ·  Die türkische Presse feiert Gabriele Pauli, weil sie den unverbesserlichen „Türkenfeind“ Stoiber gestürzt habe, der gegen die EU-Mitgliedschaft des Landes sei. Dessen angekündigter Rücktritt wird nun bejubelt.

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Die Heldin des Tages war für die türkische Presse Gabriele Pauli. Das Massenblatt „Hürriyet“ widmete ihr auf der Titelseite eine Spalte und schrieb: „Die Landrätin, die Stoiber an die Kandare nahm, erweist sich als Freundin der Türkei.“ Sie habe den bayerischen Ministerpräsidenten gestürzt, der gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei gewesen sei. Als ständiger und unverbesserlicher „Türkenfeind“ galt Edmund Stoiber, dessen angekündigter Rücktritt in der Türkei nun entsprechend bejubelt wird.

An Stoiber interessierte fast nur, dass er ein entschiedener Gegner des EU-Beitritts der Türkei war. Daher wird Frau Pauli jetzt von Zeitungen wie „Hürriyet“ und „Milliyet“, die der einflussreichen Dogan-Mediengruppe angehören, beinahe überschwenglich gefeiert. Da Stoiber unter anderem über sie stürzte, ist sie automatisch zur Heldin für die Türken geworden.

Man hebt hervor, dass sie mehrfach Urlaub in der Türkei gemacht habe und vielleicht in diesem Jahr wieder dorthin fahren werde. Die „Milliyet“ zitiert sie mit den Worten: „Ein tolles Land. Wenn ich dieses Jahr Zeit habe, werde ich wieder Ferien dort machen.“ Falls ihre Tochter, die 19 Jahre alt ist, einen Türken heiraten wolle, hätte sie nichts dagegen einzuwenden, schreibt die „Hürriyet“: „Warum sollte ich dagegen sein, wenn meine Tochter glücklich ist?“

Beckstein beliebter

Stoibers designierter Nachfolger Günther Beckstein ist in der Türkei weniger unbeliebt als Stoiber. Auch er hat die Türkei besucht und sich lobend über die unter Ministerpräsident Erdogan angeregten Reformen geäußert. Zum „Freund“ wird man ihn so schnell auch nicht erklären, hat er als Innenminister Bayerns doch nach türkischer, wie überhaupt „liberaler“ Lesart zu sehr die Sicherheitsinteressen verfolgt. Da helfen auch Besuche bei türkischen Gemeinden zum Fastenbrechen im Ramadan nicht besonders viel.

In der Türkei kann man freilich rasch zum Freund, aber ebenso rasch zum Feind erklärt werden. Kaum ein bekannter deutscher Politiker ist in den vergangenen Jahren der stereotypen Einordnung als „Türkenfreund“ (Türk dostu) oder „Türkenfeind“ (Türk düsmani) entgangen. Tertium non datur. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gilt schon lange als „Feind“ der Türkei, weil er in seinen Büchern und Vorträgen eine Aufnahme Ankaras in die Europäische Union (EU) als Vollmitglied aus historischen und kulturellen Gründen eher negativ beurteilt hat.

Kein Ohr für Argumente?

Der ehemalige Verteidigungsminister der Türkei Haluk Bayülken sagte im privaten Gespräch dazu schon vor etlichen Jahren, er fühle sich durch Schmidts Meinung „persönlich beleidigt“. Diese Auffassung ist recht verbreitet. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth wurde schon mehrfach zur Feindin, dann wieder zur Freundin der Türken. Wenn sie Menschenrechtsverletzungen, Folter oder die Todesstrafe anprangerte, wurde sie zur Feindin, wenn sie die EU-Aufnahme forderte, sofort wieder zur Freundin.

Die CSU - Heldin Pauli hin oder her - wird eine EU-Mitgliedschaft Ankaras freilich weiterhin ablehnen, wie andere europäische Parteien und Persönlichkeiten auch. Die begründeten Argumente werden in der Türkei oft gar nicht gehört, sondern häufig einer individuellen Böswilligkeit zugeschrieben.

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