François Hollande ist ohne konkrete Ergebnisse von seinem ersten informellen EU-Gipfel aus Brüssel zurückkehrt, aber erntet dennoch viel Lob in Paris. Der französische Präsident habe bei dem Abendessen der 27 den Ton angegeben, seit langer Zeit sei es wieder Frankreich gewesen, das die Themen bestimmt habe, hieß es in der französischen Presse am Donnerstag. Mit der Forderung nach Eurobonds „sofort“ habe Hollande das Hauptgesprächsthema der Runde gesetzt.
Auf eine parlamentarische Nachlese des Gipfels müssen die Franzosen verzichten, denn die Nationalversammlung tritt vor den Wahlen am 10. und 17. Juni nicht mehr zusammen. Kritik am Auftritt Hollandes von der Opposition wurde kaum hörbar; die UMP hat seit der Niederlage Nicolas Sarkozys mit einem Führungsstreit zu kämpfen.
Am Donnerstag beschäftigte der Machtkampf zwischen Parteichef Jean-François Copé und dem früheren Premierminister François Fillon die UMP weit mehr als das EU-Treffen in Brüssel. So konnte Hollande ungestört die Meinungsführerschaft beanspruchen.
Hollande habe erfolgreich für seine Vorstellung geworben, dass zur europäischen Wachstumsagenda auch „die Perspektive“ von europäischen Anleihen gehöre, so „Le Monde“. So sei zu erwarten, dass beim nächsten regulären EU-Gipfel am 28. und 29. Juni Eurobonds auf der Tagesordnung ständen.
In Radio und Fernsehen wurde am Donnerstag das Standvermögen des neuen Präsidenten gelobt, der anders als sein Vorgänger nicht vor der Bundeskanzlerin einknicke. Sarkozy hatte zu Beginn seiner Amtszeit europäische Gemeinschaftsanleihen gut geheißen, später seine Position aber revidiert. „Hollande hält stand bei den Eurobonds“, titelte die Zeitschrift „L’Express“.
Die Zeitschrift„Le Point“ vermerkte, dass Hollande bereits andere Verbündete gefunden und die Kanzlerin elegant ignoriert habe: „Der französische Präsident ist an der Seite Mario Montis in den Ratssaal getreten und hat auf ein bilaterales Gespräch mit Angela Merkel am Rande des Treffens verzichtet.“
Es sei geschickt gewesen, gemeinsam mit dem spanischen Ministerpräsidenten Rajoy im Zug von Paris nach Brüssel zu reisen, schrieb „Le Parisien“. Rajoy wird in Paris zu den heimlichen Verbündeten Hollandes in der Eurobonds-Debatte gezählt. „Mariano Rajoy steht der Vergemeinschaftung der europäischen Schulden wohlwollend gegenüber, aber er will derzeit keinen Ärger mit der Bundesregierung“, so „Le Parisien“.
Nachbeben des franzoesischen Nationalismus
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 27.05.2012, 09:04 Uhr
Leider nicht nur Wahlkampf
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 26.05.2012, 17:36 Uhr
Es wird für Merkel schwierig, den Deutschen zu verkaufen, sie
würden "profitieren"
Gerhard Rohlfs (gerhardrohlfs)
- 25.05.2012, 22:00 Uhr
Alles auf reset ?
Carsten Berg (Carberg)
- 24.05.2012, 22:37 Uhr
Er hat die Spanier gewonnen (die waren schon immer dafür) aber die
SPD verloren
Rainer Brombach (GhostOfDorian)
- 24.05.2012, 20:43 Uhr