Der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich tritt nach Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Flugzeugunglück vom April 2010 mit 96 Toten zurück. Klich habe am Vortag seinen Rücktritt erklärt, sagte Regierungschef Donald Tusk am Freitag in Warschau. Er nehme den Rücktritt an. Eine Regierungskommission hatte „zahlreiche Verfehlungen“ in der Luftwaffeneinheit Geschwader 36 festgestellt, die für die Flugreisen der Politiker zuständig ist.
Aus dem am Vormittag vorgestellten Untersuchungsbericht geht hervor, dass die Ruhezeiten für Piloten nicht eingehalten und die Trainingsflüge nicht ausgeführt worden seien. Auch die Dienstaufsicht für die Eliteeinheit habe nicht funktioniert, hieß es im Bericht. Darin gibt Polen aber auch Russland eine Mitschuld am Tod von Präsident Lech Kaczynski, der im April vergangenen Jahres bei dem Flugzeugabsturz zusammen mit vielen weiteren Mitgliedern der polnischen Elite aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Armee ums Leben gekommen ist.
So sei die Beleuchtungsanlage des Flughafens im russischen Smolensk „fehlerhaft und unvollständig“ gewesen, teilte die polnische Regierungskommission unter Leitung von Innenminister Jerzy Miller am Freitag bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts mit. Das russische Bodenpersonal habe dem polnischen Piloten zudem beim Landeanflug im dichten Nebel „falsche“ Anweisungen erteilt.
Pilot nicht für Landung bei widriger Sicht ausgebildet
Die Kommission nahm auch die polnische Seite nicht von Kritik aus. So sei der Pilot nicht für eine Landung unter widrigen Sichtbedingungen ausgebildet worden. Einzig der Flugzeugführer sei des Russischen mächtig gewesen, so dass er während des Fluges zusätzlich mit dem Bodenpersonal habe kommunizieren müssen; er sei er mit der Situation überfordert gewesen. Zudem sei das Flugzeug beim Landeanflug auf Smolensk zu schnell und zu tief geflogen. Den Piloten sei wegen des dichten Nebels kein „Sichtkontakt“ mit dem Boden möglich gewesen. Einen technischen Defekt an der Maschine gab es demnach nicht; doch sei das Gerät an Bord der Tupolew TU-154 schlecht gewartet gewesen.
Nach den Ermittlungen der Regierungskommission konnte der von einigen Politikern und Medien erhobene Vorwurf nicht belegt werden, Kaczynski und andere Fluggäste hätten den Piloten gegen seinen Willen zur Landung in Smolensk gezwungen. Zur Verärgerung der Führung in Warschau hatte Russland in seinem im Januar vorgelegten Bericht der polnischen Seite die alleinige Schuld an dem Unglück gegeben, bei dem neben Kaczynski und seiner Frau Maria 94 weitere Menschen ums Leben kamen. Die russischen Fluglotsen wurden in dem russischen Bericht von aller Verantwortung freigesprochen.
Kurzzeitige Annäherung zwischen Russland und Polen
Die Delegation aus Warschau war auf dem Weg nach Katyn, wo sie der Ermordung mehrerer Tausend polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst im April 1940 gedenken wollte. Die Erschütterung über das Unglück führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen Russland und Polen, die aber nach der Veröffentlichung des russischen Abschlussberichts abrupt endete. Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw, der die oppositionelle Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) anführt, warf dem liberal-konservativen Ministerpräsidenten Donald Tusk vor, gemeinsame Sache mit Russland gemacht zu haben, um die wahren Ursachen des Absturzes zu verschleiern. Tusk wies die Vorwürfe zurück. Auf polnischer Seite werden die Umstände noch von einer parlamentarischen Kommission untersucht, die von der PiS geleitet wird.
Naja
Max Mahlheim (Akkin)
- 29.07.2011, 19:50 Uhr
Eine lange Liste von fehlern und Versäumnissen
Andreas Koerner (follow22)
- 29.07.2011, 19:41 Uhr
Bei uns...
Torlin Monger (TMonger)
- 29.07.2011, 18:41 Uhr