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Europawahlen Ärger für Öger

25.05.2004 ·  Der gebürtige Türke, Hamburger Tourismusunternehmer und SPD-Kandidat bei den Europawahlen fühlt sich von einer türkischen Tageszeitung mutwillig mißverstanden.

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Der Tourismusunternehmer Vural Öger, Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl in Hamburg, hat die ihm unterstellte Behauptung entschieden zurückgewiesen, er würde über die hohe Geburtenrate türkischer Frauen die Überfremdung Deutschlands befürworten. Öger sagte dieser Zeitung, eine Bemerkung, die als Witz und Ironie gemeint war, werde nun aufgebauscht.

Die umstrittene Aussage, die von der türkischen Presse und deutschen Boulevardzeitungen aufgegriffen worden ist, hatte er vor zehn Tagen bei einem privaten Essen gemacht, zu dem der türkische Medienunternehmer Aydin Dogan eingeladen hatte. Dort habe ein Gast erzählt, wie er mit einem deutschen Historiker gestritten habe, schildert Öger das Gespräch während des Essens. Der Historiker habe gesagt: „Wir werden euch Türken nicht in die EU reinlassen. Was ihr 1683 Wien nicht geschafft habt, werden wir auch heute nicht zulassen."

Öger habe eingeworfen, diesen Historiker kenne er. Darauf habe er die Argumentation des bekannten deutschen Historikers ad absurdum führen wollen, indem er lachend sagte: „Was der gute Sultankalif Süleyman nicht geschafft hat, schaffen heute unsere geburtenfreudigen Türkinnen in der Bundesrepublik." Öger wußte aber nicht, daß an dem Tisch auch ein Journalist der türkischen Massenzeitung "Hürriyet" saß, die zum Konzern des Gastgebers Dogan gehört. Die Zeitung zitierte Öger dann mit den Worten: „Was Süleyman mit der Belagerung Wiens 1683 begonnen hatte, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Frauen und Männern, verwirklichen." Das will Öger in dieser Form nicht gesagt haben, und schon gar nicht in dem Ernst, den diese Aussage suggeriert.

Die größte deutsche Boulevardzeitung griff das Thema in der Wahlkampfzeit aber auf und zitierte empörte Politikerinnen aus CDU und SPD, die Öger Frauenfeindlichkeit vorwarfen. Er lache gerne über Witze, auch über Türkenwitze, sagt Öger. Könne man sich in Deutschland keinen Witz und keine Ironie mehr leisten, dann wisse er nicht mehr weiter. Keiner könne bestreiten, daß er sich seit drei Jahrzehnten für die Integration der Türken in Deutschland einsetze. Der erfolgreiche Unternehmer und Neupolitiker macht damit seine ersten bitteren Erfahrungen auf dem politischen Parkett. Aus der SPD-Parteispitze hat der sichtlich getroffene Öger bereits einen Ratschlag erhalten: "Die Ironie ist das Gift für den Politiker."

Quelle: her., Frankfurter Allgemeine Zeitung
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