Home
http://www.faz.net/-gq4-74bdw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Euro-Finanzminister-Treffen Aufschub für Athen kostet etwa 32 Milliarden Euro

Die Euro-Finanzminister verhandeln über die Schließung der Finanzierungslücke von 32 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm für Griechenland. Athen soll nach dem Willen der Kreditgeber für die Erreichung seiner Haushaltsziele zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt werden.

© dapd Vergrößern Die Griechen bekommen einen Aufschub von zwei Jahren - das kostet 32 Milliarden Euro

Die internationalen Gläubiger Griechenlands bewegen sich nach der parlamentarischen Billigung des griechischen Haushalts für 2013 langsam aufeinander zu. Die Finanzminister des Euroraums verhandeln derzeit über die Bedingungen, zu denen das Land die nächste Tranche von 31,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Kreditprogramm ausgezahlt bekommen kann. Nach Angaben von Teilnehmern sollte zumindest im Grundsatz festgelegt werden, wie sich die neue Finanzierungslücke von etwa 32 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm für Griechenland schließen lässt.

Mehr zum Thema

Werner Mussler Folgen:  

Die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) nannte die Zahl in einem Bericht an die Eurogruppe. Die Finanzierungslücke entsteht, weil Athen nach dem Willen der Kreditgeber für die Erreichung seiner Haushaltsziele zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt werden soll. Vor dem Treffen der Eurogruppe wurde der Entwurf einer Vereinbarung („Memorandum of Understanding“) zwischen den Euro-Staaten und IWF einerseits und der griechischen Regierung andererseits bekannt.

Demnach soll das Land erst 2016 einen Primärüberschuss (Haushaltssaldo vor Zinsen) von 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen müssen; zudem soll auch das Staatsdefizit zwei Jahre später – also auch erst 2016 – unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. In der Eurogruppe hieß es, die Verlängerung sei im Prinzip unstrittig. Beschließen lasse sie sich aber erst, wenn die Schließung der Finanzierungslücke geklärt sei.

Treffen in Brüssel: Olli Rehn, Yannis Stournaras, Jean-Claude Juncker und Mario Draghi (von links na © AFP Vergrößern Treffen in Brüssel: Olli Rehn, Yannis Stournaras, Jean-Claude Juncker und Mario Draghi (von links nach rechts)

In Brüssel hieß es, hinter den Kulissen werde an einem Gesamtpaket gearbeitet. Es sei vorgesehen, die Finanzierung aus „mehreren Quellen“ zusammenzustellen. Unter anderem wird an ein Schuldenrückkaufprogramm unter Beteiligung der Krisenfonds EFSF oder ESM gedacht.

Fast sicher würden auch die Zinsen nochmals gesenkt, die der griechische Staat zahlen muss. Auch eine Streckung der Zahlungsziele sei im Gespräch. Die Forderung nach einem Schuldenschnitt unter Einbeziehung öffentlicher Gläubiger wird von der Bundesregierung vorerst weiter abgelehnt.

Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde © dapd Vergrößern Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde

Zugleich müssen IWF und Eurogruppe ihre Differenzen darüber beilegen, unter welchen Bedingungen die griechische Staatsschuld wieder als tragfähig zu gelten hat. Der Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, sagte, es sei zu klären, ob das bisher vereinbarte Ziel einer Gesamtverschuldung von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2020 „das letzte Wort ist, oder ob wir auch die Periode ein bisschen verlängern“. Nach Schätzungen steigt die Schuldenquote Athens im laufenden Jahr schon auf etwa 175 Prozent.

Die Minister wollten ferner sicherstellen, dass sich der griechische Staat kurzfristig weiter finanzieren kann, auch wenn die nächste Kredittranche noch nicht am Ende dieser Woche ausgezahlt wird. Voraussichtlich wird die Zwischenfinanzierung abermals unter Beteiligung der EZB zu Stande kommen. Das Treffen bis tief in die Nacht dauern.

© dpa, reuters Vergrößern Juncker: Troika-Bericht zur Griechenland liegt vor

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktionen nach der Wahl Euro-Minister gegen Schuldenschnitt für Athen

Griechenlands Gläubiger sehen jetzt die neue Regierung in Athen am Zug. Sie müsse die bisherigen Absprachen einhalten. Dann könnte es aber neue Hilfen geben. Mehr Von Werner Mussler und Manfred Schäfers

26.01.2015, 21:40 Uhr | Wirtschaft
Athen Schäden nach Unwetter in Griechenland

Ein heftiger Sturm hat in Athen schwere Schäden hinterlassen. Wassermassen rissen Menschen mit und schoben Autos ineinander. Nach Angaben des griechischen Wetterdienstes soll das Unwetter den ganzen Samstag über noch andauern. Mehr

25.10.2014, 13:42 Uhr | Gesellschaft
Syriza-Sieg Tsipras ist neuer griechischer Ministerpräsident

Unter Verzicht auf die religiöse Eidesformel ist der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras vereidigt worden. Er schwor, den Interessen Griechenlands zu dienen. Mehr

26.01.2015, 12:30 Uhr | Politik
Selbst schuld? Griechen drohen Privat-Pleiten

In Griechenland ächzt nicht nur der Staat unter einer kolossalen Schuldenlast: Verbraucher und Firmen können 77 Milliarden Euro an Bankkrediten nicht zurückzahlen. Vielen Haushalten droht die Insolvenz, und das könnte auch das erhoffte leichte Wirtschaftswachstum gleich wieder abwürgen. Mehr

03.11.2014, 16:40 Uhr | Wirtschaft
Fragen und Antworten Was wird jetzt aus Griechenland?

Stellt der Linkspopulist Alexis Tsipras nach der griechischen Parlamentswahl die Eurozone auf den Kopf? Drohen Grexit, Schuldenschnitt und politisches Chaos? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Griechenland-Wahl. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

23.01.2015, 12:17 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.11.2012, 21:08 Uhr

Woher kommen wir?

Von Reinhard Müller

Der Bundesgerichtshof hat das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Eine wichtige Entscheidung. Denn auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur. Mehr 16 26