http://www.faz.net/-gpf-81axs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.03.2015, 16:04 Uhr

Nach Ostern droht Pleite Athen hat noch Geld bis zum 8. April

Dem griechischen Ministerpräsidenten Tsipras bleiben noch zwei Wochen, um mit seinen Gläubigern eine Reformliste abzustimmen. Dann geht Athen nach internen Berechnungen der EU-Kommission das Geld aus, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

© Reuters EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte während des Gipfeltreffens in Brüssel Kooperation von Alexis Tsipras ein

Die griechische Regierung verfügt noch bis zum 8. April über genügend Liquidität. Das geht aus internen Berechnungen der EU-Kommission hervor, die auf neuen Zahlen ihrer Fachleute in Athen beruhen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) unter Berufung auf Diplomaten. Die Kommission geht davon aus, dass Athen Ende des Monats Löhne und Gehälter voll auszahlen kann. Sie unterstellt dabei, dass die Regierung von Alexis Tsipras auch auf Barmittel der Sozialkassen und staatlicher Unternehmen zurückgreift; die gesetzlichen Voraussetzungen dafür wurden in der vergangenen Woche geschaffen.

Tsipras bleiben damit gut zwei Wochen Zeit, um mit den Geldgebern eine vollständige Reformliste abzustimmen. Erst danach kann Geld aus der letzten noch ausstehenden Kredittranche von 7,2 Milliarden Euro fließen.

Mehr zum Thema

F.A.S. Mehr dazu in der Sonntagszeitung vom 22.03.2015. Am Vorabend schon in der F.A.S. -App und als E-Paper.

Am Freitag hatte Tsipras mit den Spitzen der europäischen Institutionen vereinbart, eine solche Liste „in den nächsten Tagen“ zu präsentieren. Die Vorbereitungen dafür haben in Brüssel begonnen; auch die technischen Fachleute der Geldgeber haben am Freitag in Athen wieder die Arbeit aufgenommen.

Juncker verliert Geduld mit Tsipras

In der EU-Kommission wird erwartet, wie die F.A.S. weiter berichtet, dass die Fachleute in der kommenden Woche auch wieder in den griechischen Ministerien arbeiten und Bücher prüfen dürfen. Darauf drang EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker während der Verhandlungen mit Tsipras in der Nacht auf Freitag. Juncker verwies auf das Beispiel des Internationalen Währungsfonds. Der schickt jedes Jahr Fachleute in die Ministerien der Mitgliedstaaten, um finanzielle und wirtschaftliche Kennziffern zu ermitteln. Tsipras habe Juncker nicht widersprochen, schreibt die F.A.S.

Vom 9. April an wird die finanzielle Situation der griechischen Regierung in der EU-Kommission als „kritisch“ eingestuft. Das Land muss dann eine Kredittranche in Höhe von 467 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Mitte April müssen außerdem kurzfristige Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro refinanziert werden.

© reuters EU und Griechenland: Das Ende der Geduld

Quelle: T.G./ F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Softdrinks, Benzin, Zigaretten Griechen wollen Steuern kräftig erhöhen

Dass die Griechen ihren Haushalt weiter sanieren müssen - das war klar. Jetzt gibt es mehr Details: Softdrinks, Benzin und Zigaretten sollen höher besteuert werden, aber auch Restaurantbesuche und noch viel mehr. Mehr

16.05.2016, 17:19 Uhr | Wirtschaft
Erlebnis Europa Ausstellung in Berlin soll über Europa informieren

Ein Stück EU-Kommission und EU-Parlament in Berlin. Am Donnerstag eröffneten Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsident des Europaparlaments Martin Schulz und der Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker die Ausstellung Erlebnis Europa im Europäischen Haus in Berlin. Die Ausstellung im Europäischen Haus in der Nähe des Brandenburger Tors ist ab dem 14. Mai täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Mehr

13.05.2016, 13:12 Uhr | Politik
Schuldenstreit Griechenland soll Schulden bis 2080 tilgen

Der deutliche Reformwille der Griechen macht den Gläubigern Mut. So viel Mut sogar, dass sie das Wort Schuldenerleichterung wieder in den Mund nehmen. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

20.05.2016, 20:53 Uhr | Wirtschaft
Sparprogramm Neues Kürzungspaket in Griechenland

Das griechische Parlament hat in der Nacht zum Montag ein neues Sparprogramm beschlossen. Es soll dem schuldengeplagten Griechenland den Weg für weitere internationale Kredite ebnen. Nach einer zweitägigen hitzigen Debatte sicherte sich die Koalition von Ministerpräsident Alexis Tsipras ausreichend Stimmen für eine Annahme der umstrittenen Reformpläne. Diese umfassen Rentenkürzungen und Steuererhöhungen. Mehr

09.05.2016, 16:27 Uhr | Politik
EU-Stabilitätspakt Jetzt wird um letzte Chancen gestritten

Der Ausgang der Diskussion über Spanien und Portugal ist offen. Bekommen die beiden Länder von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Sanktionen auferlegt – oder lässt die EU Milde walten? Mehr Von Werner Mussler, BRÜSSEL

18.05.2016, 06:47 Uhr | Wirtschaft

Keine Angst vor Moschee und Minarett

Von Jasper von Altenbockum

Die Auseinandersetzung mit einem autoritären Islam muss der freiheitliche Staat als Machtkampf begreifen, auch wenn ihm „kulturelle Diktatur“ vorgeworfen wird. Mehr 1 101