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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

EU-Frauenquote Moralischer Dirigismus

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Ja, sie ist immer noch da: die berühmte gläserne Decke, die Frauen den Zugang zu wichtigen Posten verwehrt. Aber Decken sind kein Schicksal. Es sind Menschen, die über Beförderungen entscheiden; es sind Menschen, welche die Bedingungen und das Umfeld festlegen, nach denen sich Veränderungen im Beruf vollziehen. Menschen? Meist sind es Männer. Die müssen sich zunehmend für ihr Dasein rechtfertigen - schon deshalb kann niemand behaupten, es ändere sich nichts.

Eher Blendwerk sind allerdings die Beförderung von Frauen zu stellvertretenden Stellvertreterinnen (eines Mannes, natürlich) oder kostenlose Bekenntnisse betagter Chefs, sie seien jetzt plötzlich für eine strikte Frauenquote. Wer die fordert, sollte aus Gründen der Glaubwürdigkeit sofort zurücktreten - jeder ist schließlich ersetzbar, und wer wollte bestreiten, dass genügend qualifizierte Frauen zur Verfügung stehen.

Auch in der EU, da hat Kommissarin Reding recht. Die einzelnen europäischen Staaten versuchen seit einiger Zeit, ihren eigenen Verfassungsordnungen und menschenrechtlichen Verpflichtungen gerecht zu werden und die Gleichberechtigung der Geschlechter im Alltag durchzusetzen. Das ist bei weitem nicht nur ein rechtliches Gebot: Jede freiheitliche Gesellschaft hat ein ureigenes Interesse daran, dass jeder nach seiner Façon glücklich werden kann. Wie sie das schafft, wie sie die zahlreichen Interessen gerade in dem Kraftfeld Familie und Beruf ausgleicht, das ist eine wahrlich nationale Aufgabe - und keine, die sich Brüssel anmaßen darf.

Eine Frauenquote für Aufsichtsräte löst einstweilen auch kein Problem der zahlreichen Mütter, die im Beruf hängengelassen werden - von Arbeitgebern und den eigenen Ehemännern gleichermaßen.

Nicht zuletzt sägt die EU weiter an ihrem eigenen Ast. Dem Wunsch von Frau Reding, die Kommission müsse noch politischer werden (geht’s noch?), stehen ganz andere Wünsche aus den Staaten gegenüber, welche die Gemeinschaft tragen. Das Mantra „Mehr Europa“, das man im Schuldennotstand gerade noch akzeptiert, wird ansonsten keinesfalls mehr nachgebetet.

Im Gegenteil - die Allzuständigkeit der EU in der Praxis, von den Mitgliedstaaten oft gestützt, gilt als eine Ursache der europäischen Vertrauenskrise. Kommt dann noch moralischer Dirigismus hinzu, ist klar: Die Gemeinschaft muss sich besinnen.

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Jahrgang 1968, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“ und für „Staat und Recht“.

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