Home
http://www.faz.net/-gq4-x2s2
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

EU ebnet Weg Mobil telefonieren im Flugzeug künftig erlaubt

07.04.2008 ·  Eine der letzten Handy-freien Zonen ist gefallen: Künftig dürfen Passagiere auch im Flugzeug telefonieren sowie Textnachrichten (SMS) oder E-Mails versenden und empfangen. Die EU-Kommission erwartet günstige Preise. Lufthansa und Air Berlin bleiben skeptisch.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (5)

Handynutzer sollen auch im Flugzeug telefonieren sowie Textnachrichten (SMS) und E-Mails versenden und empfangen dürfen. Dafür hat die Europäische Kommission am Montag die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Sie gelten sofort in der gesamten EU.

Eine Fluggesellschaft kann nun die Handynutzung ermöglichen, sobald sie die Genehmigung eines EU-Staats hat. Nun müssten die Unternehmen selbst entscheiden, ob sie solche Dienste anbieten wollten, sagte der Sprecher der zuständigen Medienkommissarin Viviane Reding in Brüssel. Die Kommission erwarte, dass die meisten Gesellschaften die Möglichkeit nutzen. Sie könnten sich dem Wunsch der Passagiere und den „Fakten des modernen Lebens“ nicht verschließen.

„Transparente Preisgestaltung nötig“

Preisvorgaben will die EU-Behörde vorerst nicht machen. „Von Seiten der Betreiber erwarten wir aber eine transparente und innovative Preisgestaltung“, sagte Frau Reding. Die Kommission werde die Preisgestaltung genau beobachten und einschreiten, wenn die Betreiber den Nutzern überhöhte Preise für Telefonate oder das Senden von Textnachrichten berechneten.

Dazu könnte etwa die bisher nur für die Nutzung von Mobiltelefonen am Boden geltende Roaming-Verordnung, welche die Preise für Mobilfunktelefonate im EU-Ausland regelt, angepasst werden. Sie solle ohnehin Ende dieses Jahres überprüft werden, sagte der Sprecher Frau Redings.

Flugzeuginternes Netz

Derzeit erlaubt nur die Fluglinie Emirates Airlines die Nutzung von Mobiltelefonen an Bord – allerdings nur in einem Flugzeug. Die Passagiere dürfen je Flug bis zu sechs Telefonate führen sowie SMS senden und empfangen. Lufthansa und Air France haben derartige Angebote getestet, bieten sie aber bisher nicht kommerziell an. Voraussetzung für Telefonate in mehreren tausend Metern Höhe ist, dass die Handys keinen Kontakt zu Antennen am Boden herstellen können. Dadurch könnten sie die Bordelektronik stören.

Verhindert werden kann das, indem sich die Mobiltelefone in ein flugzeuginternes Netz einwählen, das dann über Satellit eine Verbindung zu den herkömmlichen Netzen herstellt. Nach den Vorgaben der Kommission soll auch das von einer Flughöhe von 3000 Metern an möglich sein, um Störungen bei Start und Landung auszuschließen.

Lufthansa und Air Berlin belieben skeptisch

Zudem soll der Pilot das Flugzeugnetz, etwa im Fall von Turbulenzen, abstellen können. In Deutschland sind Mobilfunktelefonate im Flugzeug schon seit März erlaubt. Die beiden größten deutschen Luftfahrtunternehmen, Lufthansa und Air Berlin, haben bisher aber darauf verzichtet, ihren Passagieren die Nutzung von Handys an Bord zu erlauben, und wollen daran auch trotz des Drängens der Kommission festhalten.

Eine Umfrage habe ergeben, dass sich viele Passagiere von telefonierenden Mitreisenden gestört fühlten, sagte ein Sprecher der Lufthansa. Air Berlin verwies darauf, dass es vor allem Geschäftsreisende als störend empfänden, wenn Mobiltelefonate gestattet würden. Die Fluglinie will ihren Passagieren allerdings künftig Internetverbindungen ermöglichen. Einen Zeitpunkt dafür nannte Air Berlin nicht.

Nach Angaben der EU-Kommission haben 90 Prozent der Flugpassagiere in Europa ein Mobiltelefon dabei. Die Vorschläge der Kommission zur Schaffung eines Genehmigungsverfahrens, das die Anerkennung von in anderen EU-Staaten erteilten Genehmigungen vorsieht, sind nur eine Empfehlung an die Staaten. Es steht ihnen somit frei, ob sie dem Vorschlag aus Brüssel folgen. Die Kommission erwartet aber, dass sich auch Nachbarstaaten der EU dem System anschließen werden.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Der Fall Duisburg

Von Reiner Burger

Adolf Sauerland ist auf tragische Weise zum bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands geworden. Und zweifelsfrei ist der Duisburger Wahlgang ein Einschnitt in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Mehr 1 14