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„Die Linke“ und Syriza : Wie verknallte Teenager

Unter Freunden: Alexis Tsipras mit Katja Kipping und Gregor Gysi im März in Berlin Bild: dpa

Die Linkspartei verehrt die griechische Syriza und ihren Vorsitzenden Alexis Tsipras. Denn sie tun, wovon „Die Linke“ nur träumen kann. Gemeinsam geht es dann gegen Schäuble und Merkel.

          „Griechenland ist nicht Russland, Tspiras ist nicht Lenin, das politische Beben in Griechenland ist nicht die Oktoberrevolution“, dennoch habe er bei der Lektüre der aktuellen Nachrichten daran denken müssen, „wie Lenin darauf bestand, den Raub-Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918 abzuschließen“. Das schrieb in dieser Woche ein Leser an „Neues Deutschland“. Syriza brauche, wie Lenin, Zeit und Solidarität. Der Leser verteidigt Tsipras gegen Kritik aus den eigenen Reihen, gegen Linke, die einen Wahlsieg als archimedischen Punkt ansehen, mit dem man die kapitalistische Welt aus den Angeln heben kann.

          Mechthild Küpper

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Die meisten Funktionäre der Linkspartei wählen eine andere Perspektive. Sie dreschen auf deutsche Politiker ein. Am 5. Juli, als das Referendum ein Nein zu den Vereinbarungen zwischen den europäischen Staaten und Griechenland erbracht hatte, freute sich der Parteivorsitzende Bernd Riexinger: „Die Demokratie hat heute einen Sieg in Europa errungen“, nun müssten die Verhandlungsführer „den demokratischen Willen der griechischen Bevölkerung respektieren“. Riexinger, der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi und sein Stellvertreter Klaus Ernst waren wie Schlachtenbummler nach Athen gereist, um den Freunden von Syriza beizustehen.

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          Die designierten Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht erklärten gemeinsam, das „Erbe Helmut Kohls wird leichtfertig verspielt“, denn „Schäuble und Gabriel wollen ein deutsches Europa und kein europäisches Deutschland“. Und während deutsche Umfragen ergaben, dass Merkel und Schäuble für ihre Europapolitik große Zustimmung finden, illustrierten Wagenknecht und Bartsch eine Gesetzmäßigkeit in der Linkspartei: Egal, was auf der Welt passiert, die schlimmsten Bösewichte sind für sie immer SPD-Politiker: Dass Gabriel inzwischen „Merkel beim Schüren nationalistischer Ressentiments regelmäßig rechts überholt, ist eine Schande“, mit seiner Partei sei „wohl auf absehbare Zeit keine sozial verantwortbare Politik zu machen“. Und wie immer, wenn die Linkspartei argwöhnt, sich ins politische Abseits manövriert zu haben, veranstaltet sie einen antifaschistischen Kongress. Ende Juni ging es um „Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland 1941-1944. Ungesühnt, aber unvergessen“.

          Verhandlungen mit Schäuble „Zeitverschwendung“

          Der griechische Privatisierungsfonds ruft bei Wagenknecht und der Parteivorsitzenden Katja Kipping schlimmste Erinnerungen an die Treuhandanstalt wach, die als „Geldverbrennungsmaschine“ das DDR-Volksvermögen vernichtete und als „Einfallstor für Glücksritter“ diente. Ihre Expertise bei der – ihrer Ansicht nach „verheerenden“ – Rettung einer maroden Volkswirtschaft tragen Funktionäre der Linkspartei gern nach Athen.

          So war der stellvertretende Vorsitzende der Brandenburger Linkspartei, Sebastian Walter, zur Wahl in Griechenland und kennt daher das „Gebot der Stunde“, die „erpresserische Politik von EU, EZB und IWF zu beenden“. Auch die hessische Landesvorsitzende Heidemarie Scheuch-Paschkewitz hat starke Meinungen zur Europapolitik: Merkel und Schäuble hätten die EU „in ein Zwangsinstrument umgewandelt“. Wagenknecht, für die jeder Kompromiss ein fauler ist, teilt mit, was „jeder in Griechenland weiß“: Verhandlungen mit „Kürzungsdiktator Schäuble“ und „Madam No“ Merkel seien „Zeitverschwendung“.

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