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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der neue kranke Mann in Europa Das deutsch-französische Dilemma

 ·  Frankreichs Präsident Hollande drückt sich vor Reformen, weil er dafür keine Mehrheit hat. Dadurch wird der wirtschaftliche Abstand zu Deutschland immer größer.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (24)
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Carsten Berg
Carsten Berg (Carberg) - 04.07.2013 15:13 Uhr

So geht Staatsplanung schief

Ein kleines Schlaglicht auf die franz. General-Misere: Während 80% der Jugendlichen über das Gemeinschafts-Abi zum Studium gehen, verfällt das Fleischerhandwerk als eine Basis des franz. Lebensstils. Kein, auch noch so beknackter, Jugendlicher will dort mehr handwerklich arbeiten. Allen wurde in der Schule erzählt, verwirkliche dich richtig, studiere! Genau diese Fehlleistung vernichtete über 2-3 Generationen die Grundlage des Staats, die Schaffenskraft
in der realen Produktion. Es dürfte auch in anderen Branchen genauso blödsinnig zugegan- gen sein. Die im TV befragten Jungendlichen haben gerade "Mikro-und Makro-Ökonomie" studiert. Was mit Ihnen mal werden soll, hat keiner von ihnen gewusst! So geht Staatspla- nung schief und schneidet in den Lebensnerv ein.

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Alex Barnewitz
Alex Barnewitz (duol) - 04.07.2013 14:37 Uhr

Welcher Dax?

DAX performance oder Kursindex.

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Hans Edelmann

Savoir vivre

Die Franzosen machen bald ihren langen Urlaub. Dann ist auch der politische Laden zu,
so dass weitere Experimente Hollandes wohl erst einmal am Strand in der Sonne liegen.
Wie es später in Frankreich wirtschaftliche weitergehen soll, weiß sowieso fast keiner.

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Peter Hinz
Peter Hinz (redouble) - 04.07.2013 13:59 Uhr

Abwarten

Die deutschen Maschinenbauer haben heute die Prognose für 2013 kassiert. Da ist jetzt Schrumpfung angesagt. Die Abhängigkeit der deutschen Industrie insbesondere vom chinesischen Markt kann sich bereits kurzfristig ebenfalls als ziemlich heikel erweisen. Dann kommt noch die Energiewende hinzu. Da geht man mittlerweile sogar von Arbeitsplatzverlagerungen z. B. in die USA aus. Kein Wunder, hier werden die Kosten gnadenlos nach oben getrieben.

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Klaus Schmid
Klaus Schmid (Pinin) - 04.07.2013 13:55 Uhr

Frankreich will nicht von Deutschland gerettet werden, sondern ...

... es geht darum einen gemeinsamen Euro-crash hinzulegen um dann unter Forderung und Führung Frankreichs gleich mit der totalen Transferunion neu zu starten.

CDU-CSU-FDP und vor allem SPD-Grüne sind dann auch am Ziel ihrer Wünsche.
Wo die Interessen der deutschen Bürger bleiben? Interessiert doch niemanden von unseren Elite-Politikern.

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FloriWan Aksew

Dilemma

Eine Lösung des Dilemmas kann mit den Betrachtungen aus dem Artikel auch nicht gelingen. Warum?

Zitat: "Dem allseits beklagten wirtschaftlichen Niedergang des Landes steht der Aufstieg Deutschlands als erste Adresse in Europa gegenüber."
Frankreich ist laut BIP auf Platz 5 der Welt (Deutschland Platz 4) mit +0,03 % zum Vorjahr.
DAS als allseits beklagten wirtschaftlichen Niedergang eines Landes zu betiteln ist mehr als dreist.

Zitat: "Frankreich werde abgehängt, heißt es, während die Deutschen, in der weltwirtschaftlichen Champions League spielten."
Aha...ich dachte wir haben den allseits gewollten Wettbewerb? Da ist halt mal einer vorne und einer hinten, es können auch nicht alle Fußballvereine der Welt in der Champions League spielen und gleichzeitig gewinnen...was soll also diese Aussage?

Und zu den schmerzhaften Reformen...sind das diese tollen Reformen, welche die Besitztümer einer kleine Elite auf kosten der großen Masse weiter vorantreiben? Nein Danke!

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Axel WERNER
Axel WERNER (AWParis) - 04.07.2013 13:29 Uhr

Jeder bleibt blind in seiner Ecke.

Die franz. Regierung sieht sich mit Recht in einer unmöglichen Lage. Aus kulturellen und historischen Gründen sind praktisch alle Reformen nahezu ausgeschlossen, die eigentlich sein müßten, um das Land aus seinem abgrundtiefen Pessimismus herauszuführen. Das uneinsichtige Beharren auf vermeintlich ewigen Vorrechten ist eine sehr (nicht nur) franz. Eigenschaft.
Hollande scheint immer noch eine kleine Hoffnung zu hegen, daß ihm die Wahlen in Deutschland einen angenehmeren Partner bescheren könnten; und die Kommunalwahlen 2014 kündigen sich schon jetzt als eine solche Katastrophe für die Sozialisten an, daß auch noch der kleinste "falsche" Schritt in die richtige Richtung vermieden oder zumindest auf nachher verschoben wird. Daraus ergibt sich die Bewegungslosigkeit, die allseits beklagt wird.
Aber ist denn die deutsche Politik besser? A. Merkel ist eben keine Europäerin, fähig, die Schwierigkeiten Frankreichs richtig einzuordnen und daraus eine gemeinsame Politik zu formen.

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otto kaldrack

Die Franzosen

wollten einen Sozialisten als Regierungschef, und jetzt haben sie ihn. Deutschland
wird es mit rot-grün nicht besser gehen, weil dann noch mehr Geld verschenkt wird,
weil die sich für alles in Europa zuständig fühlen, und es mit unserer Wirtschaft auch
bergab geht. Jeder sollte wissen, was er wählt, und dann passiert.

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Christian Duus

Die Erfahrungen mit der Regierung Schröder/Fischer

bieten doch ausreichend Anschauungsmaterial wie sich die die Dinge in Frankreich in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln dürften.

Bei der Regierung Schröder hat es mehr als vier Jahre gedauert bis die negativen Folgen von sozialistischer Realitätsverweigerung so richtig sichtbar wurden. Der Dax als zuverlässiges Barometer dieser ökonomischen Katastrophenpolitik lag damals bei knapp über 2000 Pkten. Hollande ist erst etwas mehr als 12 Monate im Amt. Das richtige Desaster dort steht uns erst noch bevor. Die einzig verbleibende Frage ist, ob eine Pleite Frankreichs zur Beendigung des Eurowahns führt.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2013 16:06 Uhr
Ingelore Boegl
Ingelore Boegl (IBoegl) - 04.07.2013 16:06 Uhr

Bei Ihrer Einschätzung...

...vergessen Sie die Einführung des AGENDA 2010 Arbeitsmarkt-Reformprojektes von dessen
Auswirkungen die Schwarz-Gelbe-Bundesregierung/Wirtschaft bis heute profitieren - zum Nachteil der Arbeitnehmer - und letztendlich Herrn Schröder die Kanzlerschaft kostete - Kritik an der Agenda 2010 von der CDU/CSU/FDP-Regierung bisher Fehlanzeige!!!

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franz  feldmann

Frankreich scheint gut in Schuldzuweisungen an Deutschl.

Schlecht aber im Anhang an eigene Probleme... . Und dies gilt nicht erst seit Hollande.

Der Euro wird spätestens an dieser Unfähigkeit Frankreichs Scheitern, wenn nicht schon Italien vorher den Ball aus dem Feld boxt!

Die eigentliche Frage ist aber nicht, ob D F helfen will, sondern wie D so etwas überhaupt schaffen könnte- kann es natürlich nicht, selbst die US hätten mit einer Rettung Frankreichs u.Italiens massive Probleme.
Bleibt also die Frage, weshalb man darauf vertraut, dass Deutschl. Frankr. Retten würde.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2013 14:41 Uhr
Alex Barnewitz
Alex Barnewitz (duol) - 04.07.2013 14:41 Uhr

Politische und wirtschaftliche Fähigkeiten

So wie die Franzosen sich sehr schwer tun wirtschaftlich profitable zu handeln, haben die Deutschen Schwierigkeiten richtige Entscheidungen in der internationalen Politik zu treffen. Schon allein deshalb müssen wir uns es in Europa gemeinsam einrichten!

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Martin Rossmann
Martin Rossmann (MR79) - 04.07.2013 12:55 Uhr

Frankreich sollte aus dem Euro austreten

Frankreich sollte - wie das bereits der Front Nationale fordert - aus dem Euro austreten, das wäre für alle Euro-Länder ein Segen!

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Ronald Gruenebaum

Nun ja

Der französische Vorwurf des deutschen Egoismus geht ins Leere. Deutschland verhält sich unter Merkel nun genau so schäbig wie alle anderen. Gerade Frankreich war immer das Muster eines EU-Staates, der nur sich selbst kennt. Die deutsche Grosszügigkeit war eine Ausnahme, die auf historischer Schuld basierte.

Das Argument "too big to fail" zieht nicht. Deutschland kann Frankreich gar nicht retten, weil diese Daueralimentierung jenseits der deutschen Möglichkeiten ist. Bliebe nur die EZB, die nach Hollandes Vorstellungen im politischen Auftrag Geld drucken soll. Das wäre aber so offensichtlich illegal, dass daran die Eurozone zerbrechen würde.

Hollande wird also Reformen machen müssen, denn in Frankreich heisst die Alternative mittlerweile Le Pen, die ziemlich offen das propagiert, was man Nationalsozialismus nennen könnte.

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Michael Scheffler

Warum sollte man in Frankreich etwas ändern?

Die Deutschen zahlen doch, Herr Nonnenmacher.

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Wolfgang Weinmann

Die wichtige Homoehe hat er gegen bürgerlichen Widerstand durchgedrückt

bei den Wirtschaftsreformen knickt er vor den Gewerkschaften ein. Nun - jede Regierung hat ihre eigene Gewichtung von Notwendigkeiten. Und Deutschland kennt ja keine Hemmungen, anderen unter die Arme zu greifen. Auch wenn man verhöhnt, verunglimpft und betrogen wird. Da wir Großväter haben, handeln wir vollkommen selbstlos.

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Dieter Spethmann
Dieter Spethmann (dspeth) - 04.07.2013 12:42 Uhr

Das Selbstverständnis der französischen politischen Klasse ist Kollektiv, also Risiken abgeneigt

Die französische politische Klasse verdankt ihre Existenz dem Begriff des unteilbaren Staates. Solche gedankliche Haltung führt unweigerlich zu einer Minimierung der Risikobereitschaft. Diese wiederum engt die Handlungsspielräume ein, wo größeres Risiko eingegangen werden muss. Solange Frankreich seine eigene Währung hatte, waren seine Entscheidungsspielräume größer. Man hat in Paris nicht bedacht, dass man seine Handlungsspielräume mit dem Euro zwangsläufig einengen würde. Also gehen die Realwirtschaften ihre eigenen Wege, und die deutsche Realwirtschaft ist die stärkere.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2013 15:53 Uhr
Gerhard Rohlfs

Die deutsche Wirtschaft ist vielleicht die stärkere - aber sie gehört uns nicht mehr

Die deutschen Grossunternehmen sind inzwischen mehrheitlich in ausländischem Besitz, nach Preisgabe der Deutschland AG vor 20 Jahren.
Was nützt die stärkste Wirtschaft, wenn sie einem nicht gehört und man nur noch seine Arbeitskraft anbieten kann? Und die meisten können selbst das auch nur billigst. Da ist ja Venezuela besser dran, das den umgekehrten Weg gegangen ist.
Die Politik hat die Bundesrepublik an einen Punkt geführt an dem ihr Bestand gefährdet ist - noch ein wenig weiter so, und viele werden sich einen kompletten Neubeginn wünschen.

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Hartmut Rosshoff

Was will Frankreich von Europa?

».. während die Deutschen, in der weltwirtschaftlichen Champions League spielten .. sei Berlin nicht bereit, das französische Bemühen zu unterstützen, Europa auch in der Weltpolitik eine herausgehobene Rolle zu sichern .. [aber] Frankreich ist “too big to failˮ ..«
Aber, ist das politische Schwergewicht Frankreich überhaupt europawillig? Ist Frankreich überhaupt europafähig? Würden sich nicht die „Allemands“ gerne überreden lassen, einen gemeinsamen europäischen Finanzminister mit einem tatsächlichen, echten, wirksamen Veto, zusammen mit einem gemeinsamen Wirtschaftsminister zu etablieren, wenn es denn nur ein wirklich unabhängiger wäre? Einer, der gegenüber dem grossen Frankreich und seinen Präsidenten und launischen links-rechts-Wählern auch tatsächlich ab und zu “neinˮ sagen dürfte? Die Stärken Frankreichs liegen immer noch in seiner intakten Justiz, in seiner Infrastruktur, in seinem natürlichen Reichtum und seinen n i c h t ausgeschöpften politischen Möglichkeiten.

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Holger Baade

Was die Franzosen nicht lernen oder begreifen wollen,

wird der Euro sie noch lehren: das Fürchten. Von wegen "to big to fail". Nach dem Schlussakkord des atomaren Euro-Feuers wird der fallout Frankreich in ein wüstes Land verwandeln.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2013 13:46 Uhr
franz  feldmann

Dummerweise haben sie recht, Herr Baade!

Aber, was Sie nicht erwähnen, auch Deutschland wird nach einem unregulierten Zusammenbruch des Euro in Unterhose, nur bekleidet mit den Schulden der Südländer dastehen.

Was man in der offiziösen Politik ja negiert als gäbe es auch bei der Schuldenhaftung der Deutschen für die Südländer keine Vertragstreue.

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Bernd Stroemer

Das Dilemma der Währungsunion

und damit auch die Fehlentwicklung der EU wird am Beispiel Frankreichs besonders deutlich: das Land wird durch die auf Brüsseler Ebene gefaßten Beschlüsse zur Wirtschafts- und Währungsunion in eine Richtung gedrängt, die es nicht will, d.h. die von der Mehrheit der Bürger nicht gebilligt wird. Daß das die Politikerkaste in Brüssel und Berlin nicht versteht, ist das Hauptproblem der jetzigen EU-Krise. Die Demonstrationen überall in Südeuropa zeigen, das sich keine Regierung auf Dauer im Amt halten kann, wenn sie ständig gegen die Mehrheit ihrer Bürger agiert (was aber von Brüssel gefordert wird, um weitere Finanzhilfen zu erhalten!). Die Lösung kann daher nicht in einer noch stärkeren Zentralisierung in Brüssel liegen - und damit einer weiteren Entmachtung der Bürger in den Mitgliedstaaten - , sondern in einer Beschränkung der EU auf das wesentliche: den freien Fluß von Waren, Personen und Dienstleistungen in der Gemeinschaft, anstatt einer zwangsweise Harmonisierung von oben!

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Axel Wittenberg

Der Vorteil Frankreichs ist,

dass Europa angeblich nur mit DE und FR zu machen sein soll. Hollande muss im Prinzip gar nichts reformieren, denn er hat gezwungenermaßen die Deutschen immer im Boot. Nur als Beispiel: Frankreich ein Agrarstaat? Völliger Nonsens, aber die Franzosen kassieren dickste Subventionen aus den EU-Agrartöpfen. Niemand in Berlin wird jemals wagen, dies anzutasten. Nein, Frankreich kann sich beruhigt und entspannt zurücklehnen, denn die Michels bezahlen das schon. Frankreich hat sich vor Jahren faktisch aus der Liste der Netto-Zahler der EU verabschiedet. Was ist denen in Berlin wichtiger? Die vielzitierte deutsch-französische Freundschaft oder die Zig-Milliarden deutscher Steuergelder? Und schon wieder ein Freund, der uns nur ausnutzt. Auf solche Freunde sind wir angewiesen. Wie traurig!

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Roland Müller

Das Problem in Frankreich ist,

das der Vorgänger von Mr. Hollande ebenfalls keine Mehrheit für ernsthafte Reformen hatte. Und nichts spricht dafür, das sein Nachfolger dafür eine Mehrheit haben wird. Ergo kann er nur noch auf erzwungene Solidarität auf der anderen Rheinseite hoffen. Die Goldbarrenkleptomanen in Prag zum Beispiel werden ihm ganz sicher nicht aus der Patsche helfen.

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04.07.2013, 09:37 Uhr

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