http://www.faz.net/-gpf-74dpo

Besuch in Berlin : Ayrault beschwichtigt deutsche Sorge um Frankreich

Bundeskanzlerin Angela Merkelu und Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault am Donnerstag in Berli Bild: dpa

Bei seinem Zusammentreffen mit Bundeskanzlerin Merkel versucht der französische Premierminister, Bedenken hinsichtlich Frankreichs Reformfähigkeit zu zerstreuen.

          Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault hat am Donnerstag versucht, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von dem Willen der französischen Regierung zu überzeugen, innerstaatliche Reformen durchzusetzen. Skeptische Bewertungen in der Bundesregierung, ob dies der neuen Führung Frankreichs unter der Präsidentschaft François Hollandes gelingen werde, bedachte der Premierminister mit Hinweisen auf eine „solide parlamentarische Mehrheit“ der Sozialisten. „Das erlaubt es uns, Reformen anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, den Haushalt wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ziel ist es, das Defizitkriterium einzuhalten“, sagte Ayralt am Vorabend seines Besuches der „Süddeutschen Zeitung“.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Am Donnerstag besuchte er - vor seinem Gespräch mit Frau Merkel - eine Veranstaltung der Zeitung in Berlin. Er sagte, im kommenden Jahr werde sein Land seine Neuverschuldung von 4,5 Prozent auf 3,0 Prozent verringern. Die Sparmaßnahmen würden aber nur akzeptiert, wenn sie gerecht verteilt würden, äußerte Ayrault.

          Militärische Ehren: Merkel und Ayrault beim Abschreiten der Ehrenformation Bilderstrecke
          Militärische Ehren: Merkel und Ayrault beim Abschreiten der Ehrenformation :

          Der französische Premierminister wurde am Nachmittag von Frau Merkel im Bundeskanzleramt begrüßt - mit „militärischen Ehren“, was beim Empfang französischer Ministerpräsidenten in Berlin eine Ausnahme ist. Gewöhnlich kommt im Verhältnis zu Frankreich diese Form der Begrüßung dem französischen Staatspräsidenten zu. Am Abend diskutierte Ayrault mit deutschen Intellektuellen. Derweil sprach Frau Merkel mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

          Frau Merkel stimmte sich mit ihren Gesprächspartnern über gemeinsame Haltungen im Streit über den EU-Haushalt ab. Am Mittwoch hatte es in einem Gespräch Frau Merkels mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk Differenzen über Sparmaßnahmen gegeben. Ayrault machte deutlich, er lehne den Haushaltsvorschlag des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy ab. Frankreich sei nicht bereit, die gemeinsame Agrarpolitik aufzugeben. Europas Zukunft kann nicht weniger, sie muss mehr Solidarität bedeuten.“ Mit Blick auf deutsche Sorgen über inflationäre Tendenzen sagte er: „Deutschland muss nicht nur eine Inflation fürchten, sondern auch eine Deflation.“ Er sagte auch: „Leichtfertigkeit in der Haushaltsführung würde in die Katastrophe führen. Aber Europas Wirtschaft muss auch wachsen.“

          Ayrault-Besuch : Deutschland und Frankreich wollen enger kooperieren

          Der Sozialist Ayrault suchte es zu vermeiden, in parteipolitische Auseinandersetzung in Deutschland gezogen zu werden. Er verwies auf die freundschaftlichen Beziehungen früherer französischer Präsidenten und deutscher Kanzler, die von parteipolitischen Zugehörigkeit unabhängig waren. Er könne „auch hervorragend mit der aktuellen Regierung zusammenarbeiten“, sagte er.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Da weiß man, was man hat: Der russischen Präsident Putin wird von Kanzlerin Merkel beim G20-Gipfel in Hamburg begrüßt.

          Bundestagswahl : Russland setzt auf Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.

          Streit ums Atomprogramm : Kim: Trump ist ein geistesgestörter Greis

          Kaum droht Donald Trump Nordkorea mit Zerstörung, zeigt Machthaber Kim Jong-un, dass er auch kräftig austeilen kann. Amerika werde „teuer bezahlen“. Sein Außenminister spricht vom Test einer Wasserstoffbombe auf dem Ozean.

          TV-Kritik: Schlussrunde : „Bleiben wir uns selbst treu“

          In der „Schlussrunde“ von ARD und ZDF fehlten die Kanzlerin und ihr Herausforderer. Sie verpassten damit eine gute Gelegenheit zum harten Schlagabtausch mit Alexander Gauland von der AfD.
          Wer ist der bessere Redner und wer hat mehr Führungsqualitäten? In fast allen Kategorien der Umfragen liegt die Kanzlerin vor ihrem Herausforderer.

          F.A.Z. Woche exklusiv : Die Wähler haben sich festgelegt

          Drei Viertel aller Wahlberechtigten haben sich laut einer Forsa-Studie entschieden, welche Partei sie am Sonntag wählen werden. Mit großen Überraschungen rechnen die Demoskopen nicht mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.