Home
http://www.faz.net/-gpf-74dpo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.11.2012, 17:07 Uhr

Besuch in Berlin Ayrault beschwichtigt deutsche Sorge um Frankreich

Bei seinem Zusammentreffen mit Bundeskanzlerin Merkel versucht der französische Premierminister, Bedenken hinsichtlich Frankreichs Reformfähigkeit zu zerstreuen.

© dpa Bundeskanzlerin Angela Merkelu und Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault am Donnerstag in Berli

Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault hat am Donnerstag versucht, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von dem Willen der französischen Regierung zu überzeugen, innerstaatliche Reformen durchzusetzen. Skeptische Bewertungen in der Bundesregierung, ob dies der neuen Führung Frankreichs unter der Präsidentschaft François Hollandes gelingen werde, bedachte der Premierminister mit Hinweisen auf eine „solide parlamentarische Mehrheit“ der Sozialisten. „Das erlaubt es uns, Reformen anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, den Haushalt wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ziel ist es, das Defizitkriterium einzuhalten“, sagte Ayralt am Vorabend seines Besuches der „Süddeutschen Zeitung“.

Günter Bannas Folgen:

Am Donnerstag besuchte er - vor seinem Gespräch mit Frau Merkel - eine Veranstaltung der Zeitung in Berlin. Er sagte, im kommenden Jahr werde sein Land seine Neuverschuldung von 4,5 Prozent auf 3,0 Prozent verringern. Die Sparmaßnahmen würden aber nur akzeptiert, wenn sie gerecht verteilt würden, äußerte Ayrault.

Merkel Ayrault Militärische Ehren: Merkel und Ayrault beim Abschreiten der Ehrenformation © dapd Bilderstrecke 

Der französische Premierminister wurde am Nachmittag von Frau Merkel im Bundeskanzleramt begrüßt - mit „militärischen Ehren“, was beim Empfang französischer Ministerpräsidenten in Berlin eine Ausnahme ist. Gewöhnlich kommt im Verhältnis zu Frankreich diese Form der Begrüßung dem französischen Staatspräsidenten zu. Am Abend diskutierte Ayrault mit deutschen Intellektuellen. Derweil sprach Frau Merkel mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

Frau Merkel stimmte sich mit ihren Gesprächspartnern über gemeinsame Haltungen im Streit über den EU-Haushalt ab. Am Mittwoch hatte es in einem Gespräch Frau Merkels mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk Differenzen über Sparmaßnahmen gegeben. Ayrault machte deutlich, er lehne den Haushaltsvorschlag des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy ab. Frankreich sei nicht bereit, die gemeinsame Agrarpolitik aufzugeben. Europas Zukunft kann nicht weniger, sie muss mehr Solidarität bedeuten.“ Mit Blick auf deutsche Sorgen über inflationäre Tendenzen sagte er: „Deutschland muss nicht nur eine Inflation fürchten, sondern auch eine Deflation.“ Er sagte auch: „Leichtfertigkeit in der Haushaltsführung würde in die Katastrophe führen. Aber Europas Wirtschaft muss auch wachsen.“

© reuters Video: Deutschland und Frankreich wollen enger kooperieren

Der Sozialist Ayrault suchte es zu vermeiden, in parteipolitische Auseinandersetzung in Deutschland gezogen zu werden. Er verwies auf die freundschaftlichen Beziehungen früherer französischer Präsidenten und deutscher Kanzler, die von parteipolitischen Zugehörigkeit unabhängig waren. Er könne „auch hervorragend mit der aktuellen Regierung zusammenarbeiten“, sagte er.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Französische Regierung Demontage einer Ikone

Frankreichs Justizministerin Taubira tritt im Streit von ihrem Amt zurück. Vor allem rechte Politiker halten das für eine gute Neuigkeit. Doch womöglich kommt es schon bald zum nächsten Duell zwischen Taubiras und Präsident Hollande. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

27.01.2016, 18:34 Uhr | Politik
Flüchtlingskrise Hollande und Merkel beraten sich

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande haben den am 18. und 19. Februar geplanten EU-Gipfel vorbereitet. Mehr

08.02.2016, 16:39 Uhr | Politik
Hollandes Kampf gegen Terror Allein auf weiter Flur

Präsident Hollande steht mit der Idee, Terroristen die französische Staatsbürgerschaft zu entziehen, plötzlich ziemlich einsam da. Selbst Parteifreunde wenden sich ab. Die geplante Verfassungsänderung entwickelt sich zum Fiasko. Mehr Von Michaela Wiegel

04.02.2016, 07:54 Uhr | Politik
Berlin Proteste begleiten Davutoglu-Besuch

Im Zeichen der Flüchtlingskrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag ihren türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu zu den ersten deutsch-türkischen Regierungskonsultationen in Berlin empfangen. Hunderte prokurdische Demonstranten begrüßten Davutoglu vor dem Kanzleramt mit einem gellenden Pfeifkonzert. Mehr

22.01.2016, 18:11 Uhr | Aktuell
Flüchtlingskrise Nun ist Europa am Zug

Die Große Koalition legt ihren schrillen Streit um das Asylpaket II bei. Seehofer sieht sich als Sieger, zufrieden sind auch die anderen. Die Schicksalstage des Schicksalsjahres aber haben erst begonnen.   Mehr Von Johannes Leithäuser und Eckart Lohse

29.01.2016, 17:10 Uhr | Politik

Merkel arrabbiata

Von Daniel Deckers

Was Merkels Anruf beim Papst (wenn es ihn gab) gefruchtet hat, könnte Franziskus uns auch noch wissen lassen. Und gleich dazu, warum Putin von ihm in Sachen Syrien und Ukraine keine wütenden Worte fürchten muss. Mehr 5 7