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Veröffentlicht: 29.01.2015, 15:50 Uhr

Griechenland Vergiftetes Lob für den neuen Außenminister

Der neue griechische Außenminister Nikos Kotzias ist ein Mann des alten Systems. Bei seiner Amtseinführung kam es fast zum Affront, als Vorgänger Venizelos ihm das öffentlich unter die Nase rieb.

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© dpa Ein Lob wie ein Säurebad: Der alte und der neue griechische Außenminister: Nikos Kotzias (links) und Amtsvorgänger Evangelos Venizelos am Mittwoch in Athen

Der scheidende griechische Außenminister Evangelos Venizelos war scheinbar voll des Lobes, als er sein Amt am Mittwoch übergab. „Mit besonderer Freude und warmen Wünschen“, sagte Venizelos, übergebe er die Bürde des Amtes an einen sehr erfahrenen Mann. Nikos Kotzias kenne sich bestens aus, „aufgrund seiner langen und erfolgreichen Zeiten“ im Dienste der Kommunistischen Partei und der (von Venizelos geführten) sozialistischen Pasok. Auch habe Kotzias „lange Erfahrung im Außenministerium. Er war für viele Jahre Weggefährte des früheren Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou.“

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Das klang wie ein Lob, war aber von ausgesuchter Bosheit – als habe Venizelos seinem Nachfolger zur Begrüßung ein Glas Säure ins Gesicht geschüttet. Denn Politiker der neuen Regierungspartei Syriza legen Wert darauf, nichts zu tun zu haben mit den etablierten Parteien, die das Land ruinierten. Kotzias aber, der selbst zwar nicht Syriza-Mitglied ist, war Teil „des Systems“ – erst in der Kommunistischen Partei, dann für die Pasok. Daran erinnerte Venizelos nun (genüsslich, wie unterstellt werden darf). Krönung des vergifteten Lobes war der Hinweis auf Kotzias´ Tätigkeit als Berater Papandreous. Die fiel zwar in die neunziger Jahre, als Papandreou Außenminister war und gute Arbeit machte. Doch heute ist Papandreou einer der unbeliebtesten Politiker Griechenlands. Mit ihm in Verbindung gebracht zu werden, ist – gelinde formuliert – ein Malus.

Salonkommunist und Frauenschwarm

Kotzias insinuierte in seiner Antwort, Venizelos habe Athens Interessen nicht verteidigt. Es folgten Andeutungen, die so verstanden werden konnten (und wohl auch werden sollten), dass Athen EU-Sanktionen gegen Russland verhindern könne. Die neue Athener Außenpolitik müsse „dem Kampf der Regierung zur Überwindung der Memorandums (mit Griechenlands Geldgebern) dienen“, so Athens neuer Chefdiplomat.

Geboren 1950 in Athen, studierte Kotzias dort und in Gießen Wirtschaftswissenschaft und politische Philosophie. Wolfgang Seibel, heute Professor an der Universität Konstanz, erinnert sich: „Er ist mir und vermutlich anderen, die Anfang der siebziger Jahre in Gießen studierten, in Erinnerung als griechischer Kommunist – rank, schlank, schwarzhaarig, Schwarm etlicher Frauen –, der mit seiner deutschen Frau ´Kapital´-Lesekurse in seiner Wohnung anbot. Er gehörte zum Umkreis der DKP.“

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Vor seiner Ernennung zum Minister war er Professor an der Universität Piräus, hatte aber auch Lehraufträge in Marburg, Harvard und Oxford, wo er Mitgründer des Südosteuropa-Programms ist. Dort hielt er bereits 2012 Vorträge über die griechische Krise, angekündigt als „Berater von Syriza“. Aus seiner kommunistischen Zeit gibt es haarsträubende, stalinistische, zutiefst antidemokratische Äußerungen und Texte von ihm. Dass spätere Außenminister in ihren Sturm- und Steinewerferjahren Unsinn verzapften, kennt man freilich schon. Für Kopfschütteln sorgen auch nicht Kotzias´ gestrige Eskapaden, sondern seine heutigen Kontakte zu russischen Rechtsradikalen.

© AP, afp Die neue griechische Regierung und ihre Folgen

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