Home
http://www.faz.net/-gq4-15uyl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerika-Besuch Papandreou warnt vor neuer Finanzkrise

09.03.2010 ·  In Washington hat der griechische Ministerpräsident zum Kampf gegen Finanzspekulationen aufgerufen und vor Dominoeffekten der Krise seines Landes gewarnt. Kritik äußerte er an der Unterstützung der EU. Und in der Zypern-Frage kündigte Papandreou einen diplomatischen Vorstoß an.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (21)

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou hat vor der Gefahr einer neuen weltweiten Finanzkrise gewarnt, die durch die dramatische Schuldenkrise seines Landes ausgelöst werden könnte. Vor einem geplanten Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama an diesem Dienstag im Weißen Haus rief er seine europäischen Partner in einer Rede in Washington zur Unterstützung und die Vereinigten Staaten zu Schritten gegen Finanzspekulationen auf.

Griechenlands massive Verschuldung - knapp 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - habe bereits Auswirkungen auf Europa, sagte Papandreou, und sie könne sehr wohl einen Dominoeffekt in Form steigender Kreditkosten für eine Reihe anderer verschuldeter Staaten nach sich ziehen. „Wenn sich die europäische Krise ausbreitet, dann könnte das zu einer neuen globalen Finanzkrise führen, die so schwere Folgen hat wie die Krise, die vor zwei Jahren in den Vereinigten Staaten ausgelöst wurde.“

Papandreou ließ zugleich Kritik an der bisherigen Unterstützung seines Landes durch die EU anklingen. „Hier geht nicht darum, Europa zu bitten, einem leichtsinnigen Land zu Hilfe zu eilen“, sagte Papandreou vor der Brookings Institution, einer Forschungseinrichtung in Washington. Er warnte, dass allen in Europa eine langsamere Erholung drohe, wenn nicht ausreichend gemeinsam gehandelt werde.

Video: Papandreou fordert Maßnahmen gegen Spekulanten

Schwaches Griechenland auch Gefahr für Vereinigte Staaten

Griechenland wolle vor allem sehen, dass Amerika Hedgefonds und Währungshändler stärker kontrollierten, sagte der griechische Ministerpräsident. Papandreou kam im vergangenen Oktober an die Macht und musste dann einräumen, dass das Haushaltsdefizit seines Landes viel größer ist als bislang bekannt.

Finanzminister Giorgos Papaconstantinou sagte am Montag der Nachrichtenagentur AP, der Ministerpräsident habe versucht deutlich zu machen, wie die Hedgefonds die Krise seines Landes verschlimmert hätten. Die Fonds wetteten darauf, dass Griechenland seine Kredite nicht begleichen könne, und erschwerten dem Land damit die Refinanzierung.

Papandreou verglich die Spekulanten mit Brandstiftern. Der gesunde Menschenverstand gebiete es, dass eine Person nicht eine Feuerversicherung auf das Haus des Nachbarn abschließen, dieses dann in Brand stecken und dann die Versicherungssumme kassieren könne. Gemeinsam könnten Amerika und Europa derartige Aktivitäten eindämmen.

Papandreou mahnte, finanzielle Instabilität in Griechenland und Europa sei auch eine Gefahr für die Vereinigten Staaten. Ein schwacher Euro bedeute, dass der Dollar steige. Das wieder führe zu einem Anstieg des amerikanischen Haushaltsdefizits. Wenn die EU schwanke, dann habe das spürbare Folgen. Papaconstantinou warnte, noch seien nach der letzten Finanzkrise nicht die Änderungen im Finanzsystem umgesetzt worden, um eine Wiederholung zu verhindern. Papaconstantinou betonte, er habe sich bei einem informellen Treffen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Rat für die Steuer- und Haushaltsreform geholt. Es sei nicht um Finanzhilfen für sein Land gegangen.

Weiteres Thema seines Besuchs war die Zypern-Frage. Der griechische Ministerpräsident kündigte dazu einen diplomatischen Vorstoß an. Er werde den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan innerhalb der kommenden Monate treffen, so Papandreou. Ein Datum sei noch nicht festgelegt, aber es werde sehr bald sein. Er hoffe auf eine Einigung für die geteilte Insel, die der Welt zeige, dass ehemalige Feinde gute Partner werden könnten. - Die Türkei ist 1974 in den Norden Zyperns einmarschiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die halbe Wahrheit

Von Stefan Tomik

Als das Internet auf die Welt kam, wurde es mit Heilserwartungen überfrachtet: die neue Technologie werde die Gesellschaft bessern. Das war naiv. Die Menschen nutzen das Netz für ihre Interessen - und bleiben dabei, wie sie sind - zuweilen heuchlerisch und intrigant. Mehr