23.05.2005 · Die Pressekommentatoren im Ausland sind sich weitgehend einig: Die Tage von Rot-Grün in Berlin sind gezählt. Der Entscheidung von Bundeskanzler Schröder, die Wahl vorzuziehen, wird aber auch Respekt gezollt.
Nach dem CDU-Sieg in Nordrhein-Westfalen und der Ankündigung einer vorgezogenen Bundestagswahl sind sich die Pressekommentatoren im Ausland am Montag weitgehend einig, daß die Tage von Rot-Grün in Berlin gezählt sind. Der Entscheidung von Bundeskanzler Gerhard Schröder wird aber auch Respekt gezollt.
FAZ.NET dokumentiert die Reaktionen ausgewählter Zeitungen:
„Keine Niederlage, sondern ein Zusammenbruch“
„La Repubblica“ (Rom): „Ausgerechnet in seiner vielleicht letzten strategischen Entscheidung hat der deutsche Kanzler sich wie ein wahrer Staatsmann verhalten, ein Wesenszug, den er zuvor nicht immer gezeigt hatte.“
„Corriere Della Sera“ (Mailand): „Das ist keine Niederlage, sondern ein Zusammenbruch. (...) Auch die Grünen, die bisher irgendwie die Mißerfolge der SPD gedeckt hatten, werden vom Düsseldorfer Tsunami mitgerissen.“
„The Times“ (London): „Die Stimmung in Deutschland hat sich definitiv gegen den Kanzler gewendet.“
„Hoffnung verloren“
„The Daily Telegraph“ (London): „Die CDU-Chefin Angela Merkel ist nun auf dem Weg ins Kanzleramt.“
„The Guardian“ (London): „Es ist zwar zu früh, ihn (Schröder) ganz abzuschreiben, aber es sieht danach aus, daß Deutschland eine neue Mitte-Rechts-Regierung erwartet, erstmals geführt von einer Bundeskanzlerin, der CDU-Chefin Angela Merkel.“
„Financial Times“ (London): „Schröder und seine Regierung haben die Hoffnung verloren, daß ihre unternehmerfreundliche Politik der vergangenen drei Jahre die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen kann.“
„Politisches Erdbeben“
„De Volkskrant“ (Rotterdam): „Schröder hat jedenfalls Deutschland (und Europa) einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem er darauf verzichtete, sich noch ein weiteres Jahr lang durchzuwursteln.“
„Mlada Fronta Dnes“ (Prag): „In Deutschland hat ein politisches Erdbeben begonnen.“
„El País“ (Madrid): „Bundeskanzler Gerhard Schröder befindet sich im Untergang.“
„Siegerin heißt Angela Merkel“
„Dernières Nouvelles d'Alsace“ (Straßburg): „Es ist ein riskantes Spiel, doch dieser Paukenschlag zeugt auch von Format. Die Wähler schätzen Mut, auch Wagemut, eher als Drückebergerei.“
„Neue Züricher Zeitung“: „Für Schröder bedeutet die Wahlniederlage der SPD an Rhein und Ruhr einen vernichtenden Schlag.“
„Tages-Anzeiger“ (Zürich): „Die Siegerin des gestrigen Tages heißt Angela Merkel.“
„Schröder hofft auf Trotz- und Verzweiflungseffekt“
„Berner Zeitung“: „Die klare Abwahl von Rot-Grün zeigt auch, was die Deutschen derzeit von ihrer Regierung halten - nämlich fast gar nichts.“
„Basler Zeitung“: „Schröder hofft auf einen bundesweiten Trotz- und Verzweiflungseffekt, der die Wähler im Herbst wieder den Rot-Grünen in die Arme treibt.“
„Kurier“ (Wien): „Warum haben sich Kanzler Schröder und SPD-Chef Müntefering zu diesem nach nackter Panik aussehenden Schritt (...) entschlossen?“
„Im Wahlkampf ist er in seinem Element“
„Salzburger Nachrichten“: „CDU-Chefin Angela Merkel kann sich nach diesem Sonntag entspannt zurücklehnen.“
„Information“ (Kopenhagen): „Durch vorzeitige Wahlen spielt Kanzler Gerhard Schröder den letzten Trumpf aus, der ihm noch geblieben ist. (...) Im Wahlkampf ist er in seinem Element.“
„Jyllands-Posten“ (Århus): „Der Machtwechsel in Deutschland erscheint jetzt nur noch als Frage der Zeit.“