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EuGH-Urteil zu embryonalen Stammzellen : Leben mit Würde

  • -Aktualisiert am

Der EuGH hat mit dem Verbot von Patenten auf menschliche Stammzellen in der europäischen Rechtsgeschichte einen Markstein gesetzt. Das Urteil ist aus allen ideologischen Richtungen unangreifbar.

          Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag in der europäischen Rechtsgeschichte einen Markstein gesetzt. Die Ehre, dies erreicht zu haben, gebührt der Umweltorganisation Greenpeace. Es ging also nicht um die Durchsetzung religiös fundierter moralischer Überzeugungen, sondern um ausschließlich weltliche, man könnte auch sagen: gottlose Überlegungen, wie das menschliche Leben zu bewerten sei.

          Das macht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus allen ideologischen Richtungen so unangreifbar. Das Urteil lautet: Jede menschliche Eizelle ist vom Stadium ihrer Befruchtung an ein menschlicher Embryo, da damit die Entwicklung eines Menschen in Gang gesetzt worden ist.

          Tatsächlich haben viele Wissenschaftler und auch Moralapostel in ihren Erwägungen, wann denn menschliches Leben einsetze (von der Nidation bis zur Beseelung) den logischen Punkt übersehen oder nicht wahrhaben wollen: Vom Moment der Befruchtung an kann sich aus dem „Zellklumpen“ weder ein Tier noch eine Pflanze entfalten, sondern nur ein Mensch. Dass die obersten Richter der EU hier die Würde des Menschen einsetzen sehen und daraus ableiten, dass der Embryo nur um seiner selbst willen behandelt werden darf, ist eine Wegweisung für - hoffentlich - lange Zeit.

          Neben dieser grundsätzlichen Klarstellung ist das Verbot der Patentierung sowie kommerzieller und industrieller Verwertung embryonaler Stammzellen, bei deren Herstellung der Embryo zerstört wird, geradezu zweitrangig. Es geht zwar vordergründig um den Schutz eines wissenschaftlich-industriellen Verfahrens, aber dieses Verfahren ginge zu Lasten eines hilflosen Wesens, das offenbar nur durch den Staat sowie die Europäische Union und deren Recht geschützt werden kann - und muss, weil diejenigen, die mit diesem menschlichen Embryo befasst sind, nicht auf dessen Schutz, sondern auf dessen Verzweckung erpicht sind. Zwar stellt das Gericht die Regelung wichtiger Einzelheiten in die Befugnis der Mitgliedsländer der EU; aber die können auch nicht viel anderes tun als die Leitgedanken des Urteils zu beachten.

          Für das weitere politische Verfahren wird es von Bedeutung sein, ob Greenpeace auch in dieser supranationalen Streitfrage sich wie ein europäisches Netzwerk verhält, oder ob sich die Organisation von Land zu Land unterschiedlich positioniert. Jedenfalls hat Greenpeace mit diesem Urteil mehr erreicht als mit noch so vielen „Aktionen“.

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