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Europawahl : Alle fühlen sich als Sieger - bis auf die FDP und Seehofer

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Das war wohl nix: Die FDP stürzt bei der Europawahl auf ein historisches Tief ab - wieder einmal Bild: dpa

Jeder zeigt sich am Wahlabend zufrieden. Verbittert sind nur die CSU, bei der es für Seehofer nun schwerer wird, sowie die FDP, deren Weg zurück äußerst steinig ist. Die Liberalen und die Union müssen über ihr Verhältnis zur AfD nachdenken.

          „Ich denke“, hat Angela Merkel gesagt, „dass wir sowieso ein höheres geschichtliches Interesse haben sollten, und die Erinnerung an den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges gehört dazu“. Historisches und Gegenwärtiges, Parteipolitisches und Europäisches werden die Termine der Bundeskanzlerin und ihrer Koalitionspartner in den kommenden Tagen prägen. Montagvormittag: Es tagen die Gremien von CDU, CSU und SPD und auch der anderen Parteien – zur Analyse der Ergebnisse der Europawahl, jener in Deutschland, derer im übrigen EU-Europa, und nicht zuletzt der zehn Kommunalwahlen in Deutschland, darunter in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Gremienleute wissen: Wie dort in Städten und Gemeinden gewählt worden ist, hat Auswirkungen auf Land und Bund.

          Alle Daten zur Europawahl finden Sie hier in der interaktiven FAZ.NET-Übersicht

          Montagabend: Merkel trifft sich mit den Vorsitzenden von CSU und SPD, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel. Im Kanzleramt beraten sie über Finanzfragen im Bund-Länder-Verhältnis. Und sie bereiten die Entscheidung der Bundesregierung vor, wen diese in die nächste EU-Kommission schicken möchte. Am Dienstag fliegt Merkel nach Brüssel. Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs zum Ausgang der Europawahl. Mittwoch dann: Eröffnung der Ausstellung „1914-1918. Der Erste Weltkrieg“ durch Merkel im Deutsches Historischen Museum in Berlin. Ob es durch den Ukraine-Konflikt zu einer kaum mehr vorstellbaren Eskalation in Europa kommen könne, hatte eine der Fragestellungen des nun beendeten Wahlkampfes geheißen. Merkel sagt: „Ich arbeite dafür, dass genau das nicht passiert. Und das tun die ganze Bundesregierung und auch die ganze Europäische Union.“ Nicht nebenbei hat die Ukraine-Krise den Europa-Wahlkampf geprägt: Der europäische Einigungsprozess als Garant des Friedens.

          Die parteiinternen Bewertungen sind schwankend

          Die CDU als die eigentliche deutsche Europa-Partei zu präsentieren, haben sich Peter Tauber, der Generalsekretär, und David McAllister, der deutsche Spitzenkandidat, vorgenommen. Konrad Adenauer, der Mitbegründer der EWG. Helmut Kohl, der Ehrenbürger Europas. Angela Merkel, die die Europäische Union durch die Tiefen der Euro-Krise geführt habe. Bloß die Stellungnahmen aus der CSU haben sie zu bewältigen gehabt, das Wort „Außer Spesen nichts gewesen“ des CSU-Spitzenkandidaten Markus Ferber etwa, mit dem dieser Reisen Frank-Walter Steinmeiers, des deutschen Außenministers, in die Ukraine bedacht hatte.

          Zwischen deutlichem Widerspruch und professionellem Verständnis, die CSU habe nun einmal ihren eigenen Wahlkampfstil, schwanken die internen Bewertungen der CDU. Das schwache Abschneiden der CSU mag manchem in der größeren Schwesterpartei als politische Quittung vorgekommen sein.

          Wie umgehen mit dem Ergebnis für die AfD?

          Oben im Konrad-Adenauer-Haus sind sie mit den ersten Prognosen halbwegs zufrieden – einerseits. CDU und CSU zusammen bei leichten Verlusten etwa so stark wie bei der Europawahl vor fünf Jahren. Doch auch das andererseits haben sie zu registrieren. Unten im Atrium der Parteizentrale nehmen die CDU-Gäste die Ergebnisse nahezu sprachlos wahr. Kein Jubel über die Zahlen der CDU. „Wir können mit dem Ergebnis leben“, wird Volker Kauder, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende via Bildschirm wahrgenommen. Die jungen Leute halten ihre „Juncker for President“-Transparente noch unten, und auch Kauders „Natürlich haben wir die Wahl in Deutschland gewonnen“, animiert sie nicht. Auch die knapp sieben Prozent für die „Alternative für Deutschland“, der AfD, werden reaktionslos zur Kenntnis genommen.

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