http://www.faz.net/-gpf-6mi54

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : C wie Zukunft und Z wie Caffier

Straßenwahlkampf auf dem Dreescher Markt in Schwerin. Bild: ZB

Verlieren, um zu bleiben: Lorenz Caffier führt einen schwierigen Wahlkampf im Nordosten. Will er mit der CDU weiter regieren, darf er die SPD nicht überholen.

          Udo Timm ist gestorben. Viele Jahre lang gehörte er dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an als Kandidat von der Insel Rügen. Er kandidierte auch diesmal für die CDU, mit 70 Jahren. Wegen seines plötzlichen Todes kann auf Rügen nicht wie überall sonst im Land am 4. September gewählt werden, sondern erst zwei Wochen später. Und die Juristen im Schweriner Landtag denken darüber nach, was das für das Wahlergebnis am Abend des 4. September bedeutet und für die Fristen, innerhalb der der neue Landtag zusammentreten muss - mit allen weiteren Folgen auch für die Regierungsbildung. „Da haben wir eine neue Baustelle, als gäbe es nicht schon genug“, sagt CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier mit einem leisen Stöhnen in der Stimme. Er sieht dabei aber nicht ernsthaft beunruhigt aus. Er ist schließlich genau der Mann für Krisen aller Art.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Caffier bringt so schnell nichts aus der Ruhe - abgesehen davon, dass die Zeit bis zur nächsten Zigarette nicht zu lang werden darf. Caffier ist gerade im Straßenwahlkampf auf dem Großen Dreesch in Schwerin unterwegs, dem größten Plattenbaugebiet der Landeshauptstadt. Der CDU-Sonnenschirm steht in der Nähe von Einkaufszentrum und Wochenmarkt, zwischen Straßenbahntrasse und Hauptstraße. Es ist Vormittag. Unterwegs auf dem Dreescher Markt sind vor allem alte Leute, der Rollator ist das meistgebrauchte Fortbewegungsmittel. Zwei Trinker sitzen in der Bushaltestelle, einer kommt dann auch zur CDU herübergeschlendert, um sich Feuerzeug und Kugelschreiber zu holen. Als dann doch einmal eine Kindergruppe zur Straßenbahn muss, wird sie mit CDU-Luftballons ausgerüstet.

          Der Wahlkampf läuft nicht schlecht für die Partei

          Caffier ist mit CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gekommen. Mit dabei ist für ein paar Minuten auch Alfred Gomolka, von 1990 bis 1992 der erste Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Die Passanten aber scheinen sich für die Drei nicht sonderlich zu interessieren. Kaum einer bleibt stehen, an ein Gespräch ist gar nicht zu denken. Die Chancen der CDU-Kandidatin, der Schweriner CDU-Kreisvorsitzenden Dorin Müthel-Brenncke, sind hier nicht groß. Im Wahlkreis siegt traditionell die SPD, stark ist auch die Linkspartei. Dennoch ist die Stimmung am CDU-Stand gut. Es wird viel gelacht und herum fotografiert. Der Wahlkampf läuft nicht schlecht für die Partei, muss sie doch eines vor allem vermeiden: den Sieg.

          Er wolle Ministerpräsident werden, sagt der 56 Jahre alte Caffier, um sogleich hinzuzusetzen, er sei auch gern Minister und würde auch das gern bleiben. Mit solchen Äußerungen drückt sich Caffier nicht vor der Verantwortung. Er sieht vielmehr die Lage, wie sie wirklich ist. Sollte die CDU bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden, würde Caffier nicht etwa in die Staatskanzlei einziehen, sondern in die Opposition geschickt, denn es fehlte der Koalitionspartner. Es käme dann wohl zu einer Koalition aus SPD und Linkspartei, so, wie es sie von 1998 bis 2006 schon einmal im Land gegeben hat. Alle Umfragen zeigen aber, dass die SPD wohl wieder stärkste Kraft wird, deren Vorsitzender Erwin Sellering Ministerpräsident bleibt und sich dann aussuchen kann, mit wem er die Regierung bildet - der CDU wie bisher oder der Linkspartei wie früher unter seinem Vorgänger Harald Ringstorff.

          Überall hat Caffier sich bewährt

          Weitere Themen

          Petry kehrt AfD den Rücken Video-Seite öffnen

          Rücktritt : Petry kehrt AfD den Rücken

          AfD-Parteisprecherin Frauke Petry kündigte nach ihrem Austritt aus der Bundestagsfraktion an, auch die Partei zu verlassen. Einen Zeitpunkt für den Schritt nannte sie allerdings nicht. Auch die Frage, ob sie eine neue Partei gründen wolle, ließ Petry unbeantwortet.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Mit Spannung erwarten sie die Ansprache von Regionalpräsident Puigdemont, den Madrid in Kürze entmachten will.
          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

          Mayers Weltwirtschaft : Griechenlands Bankrott

          Es ist nicht zu erwarten, dass Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen wird. Europa muss aufhören, sich etwas vorzumachen.

          Parlamentswahl in Tschechien : Populist Babis klarer Sieger

          Nichts scheint Andrej Babis aufzuhalten. Trotz zahlreicher Affären gewinnt der umstrittene Milliardär die Wahl in Tschechien klar. Wohin steuert der „tschechische Donald Trump“ das Land in der Mitte Europas nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.