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Erdogan-Sprecher : Türkei bereitet „Aktionsplan“ gegen Deutschland vor

  • Aktualisiert am

Da war die Resolution noch nicht verabschiedet: Merkel und Erdogan im Mai in Istanbul Bild: dpa

Ein Sprecher des türkischen Präsidenten Erdogan hat Protestmaßnahmen wegen der Völkermord-Resolution des Bundestags angekündigt. Eine türkische Zeitung macht Deutschland für den Anschlag in Istanbul verantwortlich.

          Nach der Völkermordresolution des Bundestags zu den Massakern an den Armeniern will die Türkei nach offiziellen Angaben Protestmaßnahmen gegen Deutschland ergreifen. „Die zuständigen Behörden, allen voran das Außenministerium, bereiten einen Aktionsplan vor“, sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ankara.

          Die vorgeschlagenen „Maßnahmen“ würden dann dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten vorgelegt. Details würden erst danach mitgeteilt. Die Türkei hatte vehement gegen die Bundestagsresolution protestiert.

          Attentat von Istanbul ein „deutsches Werk“

          Indessen hat die regierungsnahe türkische Zeitung „Günes“ Deutschland für den Autobombenanschlag in Istanbul mit mindestens elf Toten verantwortlich gemacht. „Deutsches Werk“, lautet die Schlagzeile auf der Titelseite vom Mittwoch. Deutschland habe die harte Reaktion der Türkei auf die „beschämende“ Völkermordresolution des Bundestages nicht ertragen. „In Panik geratend, ist es in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Es hat die Terrororganisationen, die es als Marionette benutzt, einen blutigen Anschlag in Istanbul verüben lassen.“ Das Blatt beruft sich dabei auf Volkes Stimme: „So denkt die Türkei“, schreibt „Günes“.

          Mit einer Auflage von gut 100.000 Exemplaren gehört „Günes“ zu den zehn größten Zeitungen des Landes, wenn man die Sportpublikationen nicht berücksichtigt. Bei dem Anschlag in Istanbul waren am Dienstag elf Menschen getötet worden. Die Regierung hat bislang noch keine Terrorgruppe dafür verantwortlich gemacht.

          „In Deutschland ist auch die Presse nicht frei“

          Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Dienstag unterstellt, deutsche Medien würden in ihrer türkeifeindlichen Berichterstattung gesteuert. „In Deutschland wird nichts dem Zufall überlassen“, sagte er dem Staatssender TRT. „Keine von den türkeifeindlichen und Recep-Tayyip-Erdogan-feindlichen Schlagzeilen ist Zufall. In Deutschland ist auch die Presse nicht frei.“

          Cavusoglu sagte weiter: „Es kann kein Zufall sein, dass die Zeitungen im Spektrum von ganz rechts bis ganz links am selben Tag mit denselben Schlagzeilen gegen die Türkei und gegen Recep Tayyip Erdogan schreiben. Also in Deutschland ist alles systematisch. Und diese Resolution ist in den Bundestag in dieser Systematik im Rahmen eines Planes eingebracht worden.“

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