16.08.2010 · Erdgas läuft dem Heizöl immer mehr den Rang ab. In der Liste der Primärenergieträger lag es in Deutschland zuletzt bei 21,8 Prozent. Ein wachsender Anteil von zuletzt 13 Prozent des Gasverbrauchs wurde zur Stromerzeugung verwandt. Der Anteil dürfte steigen.
Erdgas hat in den zurückliegenden Jahrzehnten eine steile Karriere zurückgelegt. Vor allem als Wärmespender in Haushalten hat es dem Heizöl immer mehr den Rang abgelaufen. In der Liste der Primärenergieträger lag es in Deutschland zuletzt mit 21,8 Prozent knapp hinter den Kohlen, dürfte die aber bald überholen. Denn bei einer insgesamt schwächer werdenden Energienachfrage wächst der Anteil von Gas.
Ein Drittel des Aufkommens von 885 Milliarden Kilowattstunden ging 2009 nach Angaben des Branchenverbands BDEW an Haushalte, die Gas zum Heizen und Kochen verwenden. Weitere fünf Prozent wurden zur Fernwärmeerzeugung verwandt - knapp die Hälfte aller Wohnungen verfügte 2009 über eine Gasheizung. Fast zwei Drittel des Aufkommens verbrauchte die Wirtschaft, davon die Hälfte die Industrie. Einen wachsenden Anteil von zuletzt 13 Prozent des Gasverbrauchs wurde zur Stromerzeugung verwandt.
An erster Stelle der Lieferanten steht Russland
Der Anteil dürfte weiter steigen, denn die flexiblen Gaskraftwerke gelten als gute Ergänzung für erneuerbare Energien mit ihrer schwankenden Stromerzeugung. Andererseits enthält Gas weniger CO2 als Kohle und benötigt damit zur Stromumwandlung weniger CO2-Zertifikate, was ein Preisvorteil ist. Doch sind die Gasvorkommen in Deutschland erschöpft. Weit mehr als 80 Prozent müssen aus dem Ausland eingeführt werden. An erster Stelle der Lieferanten steht Russland, auch wenn dessen Anteil 2009 krisen- und witterungsbedingt auf 32 nach 37 Prozent fiel.
Norwegen kam für 20 Prozent, die Niederlande für 19 Prozent der deutschen Versorgung auf. Weil die europäischen Vorkommen in absehbarer Zeit weniger werden, die Nachfrage nach Gas aber steigen dürfte, wird die Importabhängigkeit wachsen. Kurzfristig sollen weitere Speicher Deutschland gegen - politisch oder wirtschaftlich begründete - Lieferausfälle wappnen, langfristig eine weitere Diversifikation der Lieferanten und Lieferwege.
Dabei spielen neue Pipelines wie die Ostseeleitung eine Rolle, aber auch die geplanten Leitungen South-Stream und Nabucco. Einen wachsenden Einfluss hat verflüssigtes Gas (LNG), das von Produzenten wie Qatar, Nigeria oder Norwegen per Schiff transportiert wird. Neue Fördertechniken - wie zuletzt in Amerika erprobt - helfen, Gasvorkommen besser auszubeuten, was den Gaspreis weltweit unter Druck gesetzt hat.