Home
http://www.faz.net/-gpf-12d4v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Erdbeben in den Abruzzen Zielstrebig gehandelt

08.04.2009 ·  Das italienische Krisenmanagement zeigt, dass die Verantwortlichen aus den Erdbeben in der Irpinia 1980 oder in Umbrien 1997 gelernt haben. Ministerpräsident Berlusconi redete zwar viel - und zuweilen befremdlich -, aber er handelte zielstrebig.

Von Heinz-Joachim Fischer
Artikel Video (1) Lesermeinungen (0)

Es hat auf der Apennin-Halbinsel schon zu viele Erdbeben gegeben - und schlimmere als jenes vom Montag in dem Abruzzen-Hauptort L'Aquila mit weiteren furchteinflößenden Stößen, insgesamt 350 danach -, als dass die Italiener in nationale Panik verfielen. Gewiss, die Bilanz ist furchtbar: mindestens 260 Tote, Hunderte von Verletzten und etwa 18.000 Obdachlose, Sachschäden in Milliardenhöhe und schwere Schäden an Kulturgütern.

Doch L'Aquila ist eine Stadt von 70.000 Einwohnern mit einem alten historischen Kern, und auch die Orte der Provinz ringsum sind nicht nach zeitgenössischen Kriterien des Bebenschutzes gebaut. Vorsorge ist ohnehin nicht die größte der italienischen Stärken. Also spielt es noch keine große Rolle, was durch bessere Prävention hätte verhindert werden können. Da ist vieles nachzuholen. Schon fragte man bohrend im Parlament, wie es mit der Sicherheit öffentlicher Gebäude, Schulen und Krankenhäuser bestellt sei; die geborstene Säulen-Fassade des „Palazzo del Governo“ ist den Regierenden offenbar unter die Haut gefahren.

Auf den Notstand vorbereitet und für Hilfsmaßnahmen gerüstet

Aber am dritten Tag nach der Katastrophe soll noch nicht über Schuldzuweisungen und politische Gewinnmitnahmen gestritten, da muss vor allem an Ort und Stelle geholfen werden. Da zeigt das italienische Krisenmanagement, dass die Verantwortlichen aus den Erdbeben in der Irpinia 1980 oder in Umbrien 1997 gelernt haben. Feuerwehrleute, Polizei, Carabinieri und Militär waren schnell im Einsatz - auch weil das betroffene Gebiet nur 120 Kilometer von der Hauptstadt mit den zentralen Leitstellen entfernt liegt. Der „Zivilschutz“, unter Führung von Staatssekretär Bertolaso, gerade noch gegen den Müllnotstand in Neapel kämpfend, konnte auf Pläne und Reserven zurückgreifen.

Ministerpräsident Berlusconi redete zwar viel - und zuweilen befremdlich -, aber er handelte zielstrebig, ein Unternehmer, der Probleme lösen, nicht verhandeln wollte. Er und die Minister vermittelten den Eindruck, dass sie auf den Notstand vorbereitet und für Hilfsmaßnahmen gerüstet seien, dass sie die notwendigen Entscheidungen zu treffen wüssten und die vom Unglück geschlagenen Menschen nicht allein lassen würden. Damit sind Regierung und Einsatzkräfte von Perfektion weit entfernt. Aber sie bestärken die Betroffenen darin, sich nicht unterkriegen zu lassen in der Not, und den Rest der Nation, sinnvoll zu helfen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3