02.12.2007 · Benedikt XVI. hat die zweite Enzyklika seines Pontifikats unter dem Titel „Spe salvi“ veröffentlicht. Sie legt die theologische Tugend der christlichen Hoffnung dar, ihre Gründe und ihr substantielles Ziel: die Erlösung des Menschen im Reich Gottes.
Von Heinz-Joachim Fischer„Erhellend, ermutigend, bewegend“ will die neue Enzyklika Papst Benedikts XVI. unter dem Titel „Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet) sein. So hat es am Freitag der Kardinals-Theologe Albert Vanhoye bei der Vorstellung des zweiten Rundschreibens des Papstes „an alle Christgläubigen“ erläutert. In dieser Enzyklika wird noch einmal bestätigt, wozu sich Benedikt XVI. vor allem berufen fühlt: Er will als Theologe das Wort Gottes den Menschen dieser Zeit vortragen und auslegen. Als Kirchenlehrer will er das Evangelium Jesu Christi verkünden und erklären, in diesem Fall, die zweite theologische Tugend der christlichen Hoffnung.
In der ersten Enzyklika seines Pontifikats seit April 2005, datiert vom Weihnachtsfest 2005, hatte der frühere Professor „Gott als die Liebe“ beschrieben; „Deus caritas est“, lautete der Titel auf Lateinisch. Benedikt zog daraus den Schluss, dass der Mensch in der dritten theologischen Tugend zur Liebe und zu tätigen Werken der Barmherzigkeit berufen ist.
Benedikt arbeitet an weiteren Enzykliken
Die Quintessenz dieser Enzyklika zielt darauf, dass alle Menschen auf Hoffnung hin leben, dass jedoch das wahre Heil, die Errettung oder Erlösung von Gott in Jesus Christus zugesprochen wird und nur dadurch „Substanz“ hat, sagte jetzt Kardinal Vanhoye; im Gegensatz zu allen Ideologien sei der Himmel nicht leer. Aus dem Vatikan verlautete, Benedikt arbeite – neben der Fortsetzung des ersten Buches über Jesus von Nazareth – an zwei weiteren Enzykliken, einer über die katholische Soziallehre, einer anderen über den Glauben als der ersten christlichen Tugend. Ein zweiter Kardinals-Theologe, Georges Cottier aus dem Dominikaner-Orden, fügte den Erläuterungen des ersten über die mehr als 25.000 Worte der Enzyklika weitere Deutungen des päpstlichen Rundschreibens hinzu.
Der Papst muss über dem Schreiben jedoch das Kirchenregiment, das ihm ohnehin keine so große Freude bereitet, nur wenig vernachlässigen. Es ist der Theologe Joseph Ratzinger, der nun die Früchte eines langen wissenschaftlichen Lebens vorlegt. Schon bei seiner Berufung durch Johannes Paul II. an die Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation hatte er sich ausbedungen, auch als Präfekt der obersten katholischen Glaubensbehörde weiter publizieren zu dürfen. Nun fließt eins ins andere. Es ist auch für vatikanische Prälaten nicht mehr so genau zu unterscheiden, ob da ein Theologe mit der Autorität des Papstes sich äußert oder Benedikt XVI. mit der Aura des herangewachsenen Kirchenlehrers.
Doch es geht dem Theologen-Papst nach eigenem Bekunden in erster Linie gar nicht darum, mit päpstlicher Autorität die Ergebnisse seiner theologischen Gelehrsamkeit zu verkünden oder seine wissenschaftlich-theologischen Erkenntnisse zu kanonisieren. Benedikt will vielmehr, wie er beständig durch die vielen Fragen und Aufforderungen zum eigenen Nachdenken vermittelt, die Bischöfe, Priester und Diakone, die Ordensleute und alle Gläubigen hineinziehen in seinen Hoffnungsdiskurs.
Nicht einen Tag Aufschub
Vom „Prinzip Hoffnung“ ist die Rede, wie es der deutsche, vom Marxismus beeinflusste Philosoph Ernst Bloch in einem umfangreichen Werk und in einem langen Gang durch die Geistesgeschichte der Menschheit zur, wie Ratzinger einmal bemerkte, Bewunderung des jungen katholischen Theologieprofessors in den sechziger Jahren dargelegt hatte. Seit damals gab es die Frage, wie Nichtchristen von der Utopie, von einem „Reich der Zukunft“ besser, eindringlicher und überzeugender sprechen könnten als Christen vom Reich Gottes, wenn denn das Ziel der Hoffnung für Menschen gar nicht so unterschiedlich sein kann. Jetzt legt er die Antwort darauf vor.
Es ist kein Zufall, dass die Enzyklika am selben Tag veröffentlicht wird, an dem Benedikt sie auch unterschrieben hat, nicht mit einem Monat Aufschub wie bei der ersten. Der 30. November liegt am Vorabend der Adventszeit, an deren Ende sich nach christlichem Glauben die Hoffnung auf die Ankunft des Erlösers erfüllt. Der Tag ist als Fest des heiligen Andreas, des Leit-Apostels der orthodoxen Christenheit, ein ökumenisches Datum; die Enzyklika über die Hoffnung soll alle Christen und Kirchen daran erinnern, wie viel ihnen gemeinsam ist. Deshalb richtete Benedikt XVI. am selben Tag eine Glückwunsch-Botschaft an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., den er vor einem Jahr in Istanbul im Bemühen um die Einheit aller Christen besuchte.
Eine vatikanische Delegation unter Leitung des für Ökumene zuständigen deutschen Kurienkardinals Kasper feierte, wie es schon lange Tradition ist, am Freitag das Andreasfest mit dem Patriarchen in Istanbul. Weiter hat der Papst erst am Tag zuvor eine Antwort an den Offenen Brief von 138 muslimischen Autoritäten veröffentlichen lassen. In dem Antwortbrief wie in dem Schreiben der muslimischen Führer ist von der Hoffnung auf eine friedliche Begegnung der Religionen und ihrer Anhänger die Rede; es werden Hoffnungen auf einen respektvollen, aufrichtigen Dialog zwischen den Kulturen geweckt, die alle Menschen guten Willens erfüllt sehen wollen.
säkulare Konkurrenz im Hoffnungsdiskurs
Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)
- 02.12.2007, 15:03 Uhr
Die größte Gefahr ist die Religion
Stefan Werner (Kameramann)
- 02.12.2007, 21:39 Uhr
@Kameramann
Andreas Häring (Andrauos)
- 06.12.2007, 20:43 Uhr
Zur Unterscheidung von gut und böse bedarf es keiner Religion
Stefan Werner (Kameramann)
- 07.12.2007, 11:54 Uhr