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Enzyklika Benedikt XVI: „Wer die Liebe abschafft, schafft den Menschen ab“

25.01.2006 ·  Von der Liebe, dem Eros, der Ehe, dem politischen Kampf und dem Versorgungsstaat: Papst Benedikt XVI. veröffentlicht seine erste Enzyklika, ein päpstliches Lehrschreiben an die gesamte katholische Kirche.

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Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Enzyklika die zentrale Bedeutung der Liebe im Christentum betont. Die Liebe verbinde Gott mit den Menschen sowie die Menschen untereinander.

Dies sei besonders aktuell in einer Welt, in der mitunter im Namen Gottes zu Haß und Gewalt aufgerufen wird, heißt es mit Blick auf den Terrorismus. Die Liebe zwischen Mann und Frau dürfe aber nicht zum bloßen Sex degradiert werden, warnt der Papst in dem am Mittwoch veröffentlichen Dokument. Dadurch werde die Liebe und der Mensch zur Ware.

Dem christlichen Gottesbild „entspricht die monogame Ehe“, schreibt der Papst in dem stark theologisch ausgerichteten Text mit dem Titel „Deus Caritas est“ (Gott ist Liebe). Eindringlich betont der Papst die Verpflichtung der Gläubigen und der Kirche zur tätigen Nächstenliebe. Zugleich warnt er aber: „Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen.“

Enzykliken sind verbindliche päpstliche Lehrschreiben, die sich an die gesamte katholische Kirche richten. Sie gelten aber nicht als „unfehlbar“. Benedikt, der im vergangenen April gewählt wurde, unterzeichnete das von ihm selbst verfaßte Schreiben offiziell am Weihnachtstag, dem 25. Dezember.

Auszüge des Dokuments von Benedikt XVI

„„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1. Joh. 4, 16). In diesen Worten aus dem ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. (...)

In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Haß und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung. Deswegen möchte ich in meiner ersten Enzyklika von der Liebe sprechen, mit der Gott uns beschenkt und die von uns weitergegeben werden soll. (...)

Heute wird dem Christentum der Vergangenheit häufig Leibfeindlichkeit vorgeworfen, und Tendenzen in dieser Richtung hat es auch immer gegeben. Aber die Art von Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist trügerisch. Der zum „Sex“ degradierte Eros wird zur Ware, zur bloßen „Sache“; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. In Wirklichkeit ist dies gerade nicht das große Ja des Menschen zu seinem Leib. (...)

Der Eros verweist von der Schöpfung her den Menschen auf die Ehe, auf eine Bindung zu der Einzigkeit und Endgültigkeit gehören. So, nur so erfüllt sich seine innere Weisung. Dem monotheistischen Gottesbild entspricht die monogame Ehe. Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt: die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe. (...)

Die in der Gottesliebe verankerte Nächstenliebe ist zunächst ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, aber sie ist ebenfalls ein Auftrag an die gesamte kirchliche Gemeinschaft, und dies auf all ihren Ebenen: von der Ortsgemeinde über die Teilkirche bis zur Universalkirche als ganzer. (...)

Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen. Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben. Sie muß auf dem Weg der Argumentation in das Ringen der Vernunft eintreten, und sie muß die seelischen Kräfte wecken, ohne die Gerechtigkeit, die immer auch Verzichte verlangt, sich nicht durchsetzen und nicht gedeihen kann.(...)

Liebe - Caritas - wird immer nötig sein, auch in der gerechtesten Gesellschaft. Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe überflüssig machen könnte. Wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen als Menschen abzuschaffen. Immer wird es Leid geben, das Tröstung und Hilfe braucht. Immer wird es Einsamkeit geben. Immer wird es auch Situationen materieller Not geben, in denen Hilfe im Sinn gelebter Nächstenliebe nötig ist. Der totale Versorgungsstaat, der alles an sich zieht, wird letztlich zu einer bürokratischen Instanz, die das Wesentliche nicht geben kann, das der leidende Mensch - jeder Mensch - braucht: die liebevolle persönliche Zuwendung. (...)

Die unmittelbare Aufgabe, für eine gerechte Ordnung in der Gesellschaft zu wirken, kommt dagegen eigens den gläubigen Laien zu. Als Staatsbürger sind sie berufen, persönlich am öffentlichen Leben teilzunehmen. (...)“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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