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Entschädigung für Heimkinder Das moralisch Nötige

14.12.2010 ·  Das Ergebnis des „Runden Tisches“ zur Entschädigung von Heimkindern kann sich sehen lassen. Die Summe von 120 Millionen Euro, mit denen der Fonds ausgestattet werden soll, scheint angemessen. Sie vereint das politisch Mögliche mit dem moralisch Nötigen.

Von Reinhard Bingener
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Werden jetzt alle entschädigt – das Bauernmädchen für die Rübenernte, der Arbeitersohn für den prügelnden Vater und das Bürgerkind, weil es an Weihnachten in die Kirche musste?

Den Weg in eine Opfergesellschaft, die für jedes Übel einen Verantwortlichen sucht, hat der „Runde Tisch Heimerziehung in den fünfziger und sechziger Jahren“ ausdrücklich nicht beschritten. Ihm ging es um Kinder und Jugendliche, deren Rechte auf ungeheuere Weise verletzt wurden, obwohl sie sich in der Obhut des Rechtsstaates befanden.

Vor zwei Jahren hat sich der Bundestag deshalb auf den Versuch der politischen Entschädigung eingelassen. Am Runden Tisch sollten allen Beteiligten aus freien Stücken einen Konflikt lösen, der auf rechtlichem Weg nicht mehr befriedet werden kann, weil Unrecht gerade in einem Rechtsstaat verjährt.

Das Ergebnis der zähen Verhandlungen kann sich sehen lassen: Bund, Länder und Kirchen, die als Gesetzgeber, Heimaufsicht und Träger Verantwortung trugen, gestehen ihre Versäumnisse und Verfehlungen ein. Und sie bekennen nicht nur ihre Schuld, sondern versuchen auch deren Folgen zu lindern. Die Summe von 120 Millionen Euro, mit denen der Fonds ausgestattet werden soll, scheint angemessen. Sie vereint das politisch Mögliche mit dem moralisch Nötigen.

Auch dass die Hilfe nicht pauschal, sondern nur nach einer Prüfung des Einzelfalls und mit Bezug auf die bis heute andauernden Folgeschäden ausgezahlt wird, ist richtig. Nicht jedes Heimkind ist Opfer von Misshandlung, Missbrauch und Arbeitszwang geworden.

Wie viele von den etwa 800.000 Betroffenen sich zu Recht als Opfer von Staat und Kirchen sehen, wird sich erst noch erweisen – bislang haben sich erst einige Hundert von ihnen gemeldet.

Am Runden Tisch ist viel geleistet worden: Moderatorin Antje Vollmer ist gelungen, was sie von Beginn an für die Heimkinder durchsetzen wollte. Die politisch unerfahrenen Heimkinder haben, obschon sie unter großem Druck aus den eigenen Reihen standen, besonnen gehandelt. Die Kirchen sind als erste für ihre Verantwortung eingestanden.

Bei den Ländern hingegen muss man nach wie vor Zweifel haben, ob sie den Empfehlungen nachkommen und zahlen. Erst im kommenden Jahr wird man deshalb sagen können, ob das Experiment Runder Tisch ein Erfolg war oder nachträglich doch noch zu einer Farce wird.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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