24.01.2006 · Um den Entführungsfall Osthoff und eine mögliche Lösegeldzahlung ranken sich weiter Fragen und Spekulationen. FAZ.NET-Spezial.
Die Spekulation über eine Lösegeldzahlung für die Freilassung der im Irak entführten Deutschen Susanne Osthoff dauert an.
Die Regierung lehnt weiter jegliche Stellungnahme dazu ab. So äußerte sie sich nicht zu Berichten, wonach die Archäologin unmittelbar nach ihrer Freilassung Dollarscheine des Lösegeldes - angeblich etwa 3000 Dollar - bei sich gehabt haben soll. Mitarbeiter der Botschaft fanden das Geld laut „Focus“ in Osthoffs Kleidung, als sie nach ihrer Freilassung die Dusche der diplomatischen Vertretung benutzte.
Verfahren gegen „Unbekannt“
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte dazu am Montag „ganz allgemein und abstrakt“: Es gehöre grundsätzlich nicht zu den Aufgaben der Mitarbeiter von deutschen Botschaften, Beweismittel für polizeiliche oder staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren sicherzustellen. „Die Aufgaben von Botschaftsmitarbeitern liegen vielmehr in konsularischen oder der humanitären Hilfe.“
Er gab jedoch indirekt zu verstehen, daß es seitens der Behörden keinen konkreten Verdacht gebe, Frau Osthoff sei an ihrer Entführung womöglich selbst beteiligt gewesen. Der Sprecher sagte, er wolle darauf hinweisen, daß das Ermittlungsverfahren, das der Generalbundesanwalt in der Entführungssache führe, sich nicht gegen Frau Osthoff richte, sondern gegen „Unbekannt“ geführt werde.
Regierung „grundsätzlich nicht erpreßbar“
Aus Kreisen der Ermittlungsbehörden hieß es unterdessen, zwar werde weiterhin Frau Osthoffs Einschätzung bezweifelt, ihre Entführung sei politisch motiviert gewesen und habe keine kriminelle Erpressung als Ursache gehabt, doch sei die Erklärung glaubwürdig, wonach die Dollarnoten, die bei ihr gefunden wurden, als Ersatz für jenen Betrag von den Entführern abgegeben worden seien, der ihr bei ihrer Geiselnahme entwendet worden sei.
Es wurde als weiteres Indiz vermerkt, Frau Osthoff habe nicht versucht, nach ihrer Freilassung das Geld zu verbergen, sie sei vielmehr offen damit umgegangen. Die Bundesregierung werde „dort vertraulich den Bundestag unterrichten, wo dies gewünscht wird“. Zu möglichen Lösegeldzahlungen verwies er darauf, daß die Bundesregierung dazu grundsätzlich keine Stellung nehme. Gleichzeitig verwies er auf die „allgemeine Haltung“ der Bundesregierung, wonach Lösegeldzahlungen abgelehnt würden.„Grundsätzlich nicht erpreßbar“
Der Generalsekretär der FDP, Niebel, verlange am Montag, Außenminister Steinmeier müsse „zunächst das Parlamentarische Kontrollgremium unterrichten“, was in diesem Fall „wirklich geschehen“ sei. Jede weitere Geheimniskrämerei schade möglichen künftigen Entführungsopfern.
Unsäglich
Uwe Karper (Bastler)
- 26.01.2006, 11:44 Uhr