In den Entführungsfall Susanne Osthoff im Irak ist Bewegung geraten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier will heute abend eine Erklärung dazu abgeben, sagte eine Sprecherin in Berlin. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Ramadi und Falludscha erfahren konnte, gibt es intensive Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und den Entführern der deutschen Archäologin. Diese Kontakte würden über Mittelsmänner geführt.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes in Berlin wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Man wolle den Fortgang des Prozesses nicht gefährden, hieß es auf die Frage, ob eine baldige Freilassung von Osthoff bevorstehe.
Wahrscheinlich keine politische Entführung
Die Vertreter der Bundesregierung in der Region hatten in den vergangenen Wochen versucht, Kontakt zu den Entführern aufzunehmen. Der deutsche Botschafter in Bagdad traf sich mit Vertretern des Sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, der höchsten sunnitischen Instanz im Land. Dem Rat wird großer Einfluß auf die Aufständischen attestiert. Eines seiner Mitglieder hat in Deutschland studiert.
Bei der Suche nach dem Verbleib von Susanne Osthoff hatten auch der irakische Übergangspräsident Talabani und Vizepräsident al Jawar ihre Hilfe angeboten. Jawar, ein einflußreicher sunnitischer Scheich, gehört demselben Stamm an wie Susanne Osthoffs früherer Ehemann. Hinweise verdichteten sich, daß es sich bei den Entführern nicht um eine Gruppe des Terroristenführers al Zarqawi handelt und mit der Entführung nicht politischen Ziele verfolgt werden sollten.
Tote bei Anschlägen im Irak
Anders verhält es sich für die gleichzeitig mit Osthoff entführten vier Männer, zwei Kanadier, einen Briten und einen Amerikaner. Auch nach drei Wochen gibt es offenbar noch keine Kontakte zu ihren Entführern. Wie die Sprecherin des „Christian Peacemaker Teams“, dem die vier Entführten angehören, der F.A.Z. sagte, stehen hinter deren Verschleppung eindeutig politische Motive.
Extremisten haben am Sonntag in Bagdad drei Polizisten getötet. Die Polizei meldete, ein Sprengsatz sei in der Nähe der Universität explodiert, als die Beamten dort auf Streife unterwegs waren. Südlich von Bagdad wurde ein ehemaliger Offizier der Luftwaffe, der unter Saddam Hussein gedient hatte, von Unbekannten getötet.
Derweil ist der amerikanische Vizepräsident Cheney am Sonntag zu einem aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Besuch im Irak eingetroffen. Präsident Bush wollte am Sonntag abend eine Rede zur Lage im Irak halten. Er werde über die Bedeutung der Mission sprechen, kündigte der Sprecher des Weißen Hauses an. Ein Regierungsvertreter sagte, „aus Gründen der Symmetrie“ werde Bush, wie im März 2003, als er den Beginn des Irak-Krieges angekündigt hatte, vom Oval Office aus sprechen. Nach drei Wahlen im Irak sei man wieder an einem Schlüsselpunkt angelangt.