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Entführte Jugendliche : Leichen gefunden - Israel droht mit Vergeltung

Demonstranten in Tel Aviv am Sonntag mit einem Foto der drei vermissten Jugendlichen Bild: dpa

Seit Mitte Juni waren sie verschwunden, nun die traurige Gewissheit: Die drei im Westjordanland vermissten jungen Israelis sind tot. Nach den Worten von Ministerpräsident Netanjahu wird die Hamas „dafür bezahlen“.

          Bis zuletzt lautete die offizielle Sprachregelung: Gilad, Naftali und Ejal sind am Leben. Doch mit jedem Tag, der nach der Entführung der drei jüdischen Studenten verstrich, wuchs die Sorge. Am Sonntagabend kamen noch Zehntausende zu einer Solidaritätsdemonstration auf den Rabin-Platz in Tel Aviv. „Bringt unsere Jungs zurück“, hieß es schon seit Tagen auf Aufklebern und im Internet. Daneben lächelten auf Fotos die drei jungen Männer.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Doch am Montagabend wurden dann die schlimmsten Befürchtungen wahr: In der Nähe von Hebron fanden Soldaten drei Leichen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Der Ort war nur wenige Kilometer von der Kreuzung im Westjordanland entfernt, wo die drei jungen Männer im Alter von 16 bis 19 Jahren am Abend des 12. Juni in ein Auto stiegen und seitdem verschwunden waren; sie waren per Anhalter zu ihren Familien unterwegs. Wenige Minuten später konnte einer von ihnen noch telefonisch einen Notruf bei der Polizei absetzen. Der Anruf wurde jedoch erst am nächsten Morgen ernstgenommen, als der Vater seinen Sohn vermisst meldete.

          Zu diesem Zeitpunkt waren sie aber wahrscheinlich schon tot, wie am Montag erste Untersuchungen ergaben. Danach begann eine Großaktion der israelischen Sicherheitskräfte. Mehrere tausend Soldaten suchten in Hebron und der Umgebung der palästinensischen Stadt nach den drei Studenten. Von Anfang an bezichtigte die israelische Regierung die islamistische Hamas-Organisation, hinter der Entführung zu stecken.

          Am vergangenen Donnerstag wurden die Namen zweier tatverdächtiger Hamas-Mitglieder aus Hebron bekannt gegeben, die seit der Entführung unauffindbar waren. Mit einer Großaktion gingen israelische Sicherheitskräfte gleichzeitig gegen die Hamas vor: Mehr als 400 Mitglieder wurden festgenommen; unter ihnen waren auch 56 frühere palästinensische Häftlinge, die im Jahr 2011 im Austausch mit dem israelischen Soldaten Gilad Schalit freigelassen worden waren. Während der israelischen Razzien kamen bei Protesten fünf Palästinenser ums Leben.

          Zugleich eskalierte die Lage im Süden Israels: Aus dem Gazastreifen wurden mehr als 40 Raketen abgefeuert. In der israelischen Presse wird darüber spekuliert, dass die israelische Regierung nach dem Fund der Leichen einen größeren Militärschlag im Gazastreifen anordnen könnte, den die Hamas-Organisation kontrolliert.

          Für Montagabend wurde das israelische Sicherheitskabinett einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. „Die Hamas ist verantwortlich und wird dafür bezahlen“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor Beginn der Kabinettssitzung im israelischen Fernsehen.  Wenn Israel Gaza den Krieg erkläre, werde sich „das Tor zur Hölle öffnen“, drohte ein Hamas-Sprecher.

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