http://www.faz.net/-gpf-742bc

Vattenfall : Kernkraftwerk Brunsbüttel wird abgerissen

  • Aktualisiert am

Bald mehr Weidefläche: Vor dem Kernkraftwerk Brunsbüttel Bild: dpa

Der Energiekonzern Vattenfall will sein vorzeitig abgeschaltetes Kernkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel abreißen. Vattenfall stellte einen entsprechenden Antrag beim Energiewende- und Umweltministerium in Kiel.

          Der schwedische Energiekonzern Vattenfall will sein Atomkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel abreißen lassen. Der Antrag auf Stilllegung und Abbau des Akw sei beim Kieler Energiewende- und Umweltministerium eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Berlin mit. Der zuständige Landesminister, Robert Habeck (Grüne), bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Schritt, „auf den wir lange gewartet haben“.

          Brunsbüttel gehört zu den Reaktoren, die nach dem Atomausstieg von 2011 sofort abgeschaltet wurden. Die Anlage aus den siebziger Jahren steht nach schweren technischen Pannen seit Jahren still. Die schleswig-holsteinische Regierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) erhöhte zuletzt den Druck auf Vattenfall, um die Einleitung eines Stilllegungs- und Demontageverfahrens zu forcieren. Habeck forderte den Konzern auf, auch für das ebenfalls abgeschaltete Kernkraftwerk  im schleswig-holsteinischen Krümmel einen Abrissantrag zu stellen. Sonst sei es nur „ein halber Schritt“.

          Abriss und Rückbau dauern zehn bis 15 Jahre

          Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) begrüßte den Schritt des Energiekonzerns: „Für Schleswig-Holstein ist dieser Antrag ein sehr wichtiges Signal, dass eines der ältesten Atomkraftwerke Deutschlands nicht nur abgeschaltet bleibt, sondern stillgelegt und abgebaut werden wird.“ Das Verfahren für Brunsbüttel könnte bis zu vier Jahre dauern; für einen dann folgenden Abriss veranschlagt der Betreiber 10 bis 15 Jahre. Die Gesellschaft habe sich klar gegen die Atomkraft und für die Energiewende entschieden, sagte Albig und richtete eine weitere Forderung an Vattenfall: „Der nächste wichtige Schritt auf dem Weg raus aus der konventionellen Energieerzeugung und hin zu den erneuerbaren Energien ist jetzt die endgültige Stilllegung und der Rückbau von Krümmel.“

          Der Kieler Energieminister Robert Habeck (Grüne) nannte den Zeitplan für einen Rückbau des 1976 in Betrieb genommenen Kraftwerks Brunsbüttel „ehrgeizig“. „Durch behördliche Verfahren wird es hier jedenfalls keine Verzögerungen geben“, sagte er. Der Rückbau „zur grünen Wiese“ sei der richtige Weg. Schleswig-Holstein will an diesem Freitag einen Entwurf zu einer Reform des Atomgesetzes in den Bundesrat einbringen, um den Druck auf die Energieunternehmen zu erhöhen. Die Betreiber sollen unter anderem gezwungen werden, zügig Stilllegungsverfahren in Gang zu bringen. Entsprechende Antragsfristen sollen gesetzlich verankert werden.

          In dem Rückbau-Antrag für Brunsbüttel nennt Vattenfall eine Voraussetzung: „Eine der maßgeblichen Randbedingungen für die Entscheidung zum direkten Rückbau ist die Verfügbarkeit des Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Eine deutlich spätere Verfügbarkeit würde eine grundlegende Prämisse infrage stellen.“ Als künftiges Endlager für schwach- und mittelradioaktive Atomabfälle ist von 2019 an Schacht Konrad bei Salzgitter vorgesehen.

          Beim Bundesamt für Strahlenschutz sieht man die Verfügbarkeit von Schacht Konrad als Bedingung kritisch. „Das eine hat mit dem anderen erst einmal nichts zu tun. Die endgültige Stilllegung von Brunsbüttel hängt nicht vom Betriebsbeginn des Endlagers Konrad ab“, sagte ein Sprecher.

          Quelle: AFP/dpa

          Weitere Themen

          Sag mir, wo die Blumen sind

          Wahlkampf der Grünen : Sag mir, wo die Blumen sind

          Die Grünen wollen unbedingt regieren. Besonders im Südwesten sind die Erwartungen hoch. Doch Winfried Kretschmann, einer ihrer prominentesten Wahlkämpfer, ist kaum zu sehen. Weshalb?

          Kiel oben

          Zweite Liga : Kiel oben

          In Kiel können sie nicht nur Handball: Die Aufsteiger von Holstein gewinnen auch in Aue und führen die Tabelle der zweiten Fußball-Bundesliga an. Auch der beste Torjäger der Liga ist ein Kieler.

          Wahlkampfendspurt in Deutschland Video-Seite öffnen

          Tag vor der Wahl : Wahlkampfendspurt in Deutschland

          Viele Parteien haben am Samstag noch einmal im ganzen Land um Stimmen der Wähler geworben. Währenddessen laufen in den Parteizentralen die Vorbereitungen auf den Wahlabend.

          Topmeldungen

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.
          Selfie mit dem Popstar der Politik: Lindner mit junger Anhängerin

          Nähe und Ferne zur CDU : Das Dilemma der FDP

          Bei seinem Wahlkampfabschluss zeigt sich die Zwickmühle für Christian Lindner und seine FDP: Vielleicht können die Liberalen bald mitregieren. Doch, ob das auch gut für sie wäre, weiß nicht einmal der Vorsitzende.
          Alois Karl (in blauer Steppjacke) auf Wahlkampftour in Ebermannsdorf

          Die CSU im Wahlkampf : Der schwarze Alois und die AfD

          Die Oberpfalz ist der CSU seit Jahrzehnten treu. Doch die AfD könnte auch hier die politischen Verhältnisse durcheinanderbringen. Wie gehen die Christsozialen mit der Konkurrenz von rechts um? Ein Ortsbesuch.

          40 Jahre nach dem Terrorherbst : Die „Landshut“ ist zurück in Deutschland

          Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ ist zurück nach Deutschland gebracht worden. Vor 40 Jahren hatten Terroristen das Flugzeug entführt und den Piloten erschossen. Jetzt soll die „Landshut“ in ein Museum – aber ein Konzept gibt es noch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.