Home
http://www.faz.net/-hep-73ibr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kraftwerke Rösler gegen „Stromreserve“

Die Stromwirtschaft würde gerne stillgelegte Kraftwerke in Reserve halten, um sie bei Nachfragespitzen zuschalten zu können. Das Entgelt würde durch Auktionierung festgelegt. Die Bundesregierung lehnt dieses Verfahren nach Informationen der F.A.Z. ab.

© dapd Vergrößern Im vergangenen Jahr wurde unter anderem das Grosskraftwerk Mannheim als sogenannte Kaltreserve genutzt

Die Bundesregierung lehnt den von der Stromwirtschaft verlangten Aufbau einer „strategischen Reserve“ als Rückversicherung gegen Unterbrechungen der Stromversorgung ab. Das geht aus einem Argumentationspapier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, das der F.A.Z. vorliegt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte den Aufbau einer solchen Reserve nach skandinavischem Muster vorgeschlagen. Dabei werden Kraftwerke, die ansonsten stillgelegt würden, gegen Entgelt in Reserve gehalten, um sie bei Nachfragespitzen zuschalten zu können. Das Entgelt würde durch Auktionierung festgelegt.

Andreas Mihm Folgen:  

Das Rösler-Ministerium hält das Verfahren für „absehbar teuer“. Zudem berge es die Gefahr, Fehlanreize für die Stilllegung von Kapazitäten zu geben. Auch würden damit derzeit debattierte umfassende Lösungen für das drängende Problem des Neubaus von Kraftwerken präjudiziert.

Derzeit lohnt der Neubau von Kraftwerken nicht, weshalb in der Wissenschaft und der Branche darüber diskutiert wird, wie - staatlich befördert, aber dennoch möglichst wettbewerblich ausgerichtet - Anreize zum Neubau von Kraftwerken geschaffen werden können. In dem Papier wird davor gewarnt, „ohne Notwendigkeit“ kurzfristig einen Mechanismus einzuführen. Vielmehr sollten Zeit und Energie in die Entwicklung eines Mechanismus gesteckt werden, der alle Erzeugungsarten - konventionelle, erneuerbare Erzeugung und Speicher - umfasse.

Auch sei diese „Reserve“ kein „milderer“ Eingriff in das Marktgeschehen, als die Pläne des Ministeriums, Kraftwerksbetreiber zu zwingen, unwirtschaftliche Anlagen aus Gründen der Versorgungssicherheit am Netz zu lassen.

Nach dem am Mittwoch versandten Entwurf der Verordnung bleibt es bei den Plänen, dass Kraftwerksbetreiber Stilllegungen ein Jahr im Voraus ankündigen müssen und die Netzagentur ihnen dies unter Umständen versagen kann. Auch bleibt es bei der neuen Vorschrift, wonach Gaskraftwerke, die als strategisch wichtig gelten, keine unterbrechbaren Gaslieferverträge mehr abschließen dürfen. Die Pläne für eine „Kaltreserve“ zielen vor allem auf Süddeutschland ab, wo es seit dem Abschalten der Kernkraftwerke in Spitzenlastzeiten Versorgungsengpässe geben kann.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Snowden-Vernehmung in Deutschland Verfassungsrechtler geben Klage der Opposition wenig Chancen

Bringt eine Klage der Opposition Edward Snowden doch noch nach Deutschland? Verfassungsexperten bewerten die Erfolgsaussichten als gering. Mehr

27.09.2014, 08:35 Uhr | Politik
Wind lässt Zug entgleisen

45 Waggons springen im US-Bundesstaat Illinois wegen starker Böen aus den Schienen. Die Oberleitungen waren durch den Unfall beschädigt wurden und ließen die rund 1.000 Enwohner von Laura vorübergehend ohne Stromversorgung. Mehr

29.04.2014, 14:04 Uhr | Gesellschaft
Kernkraftwerk BUND: Strahlen-Grenzwerte für Biblis-Abbau zu hoch

Strengere Grenzwerte für den Abbau des hessischen Atomkraftwerks Biblis fordert der BUND und begründet dies mit Gesundheitsschutz. Die gesetzlichen Grundlagen sind überholt. Mehr

22.09.2014, 12:48 Uhr | Rhein-Main
Bundesregierung verabschiedet die Digitale Agenda

Gestern noch Neuland, heute ganz oben auf der To-do-Liste. Am Mittwoch hat die Bundesregierung eine Digitale Agenda verabschiedet, die Deutschland in Sachen Internet an die Spitze führen soll. Um dieses Ziel zu erreichen haben sich gleich drei Ministerien zusammengetan. Mehr

20.08.2014, 16:53 Uhr | Wirtschaft
380 Millionen Euro Auch Eon will Schadenersatz wegen Atom-Moratorium

Wie schon RWE will nun auch der Energieversorger Eon Schadenersatz dafür, dass er seine beiden Atomkraftwerke Unterweser und Isar 1 für drei Monate stilllegen musste. Es geht um 380 Millionen Euro. Mehr

01.10.2014, 13:06 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.10.2012, 17:21 Uhr

Mahnmal

Von Reinhard Müller

Der Nürburgring ist ein Mahnmal. Für das Geldversenken sind Landesregierungen immer noch gut. Mehr 2 3

Wen die Portoerhöhung am meisten kostet

Von Helmut Bünder

Die Deutschen schreiben immer weniger Briefe, daher regt sie die verbraucherunfreundliche Portoerhöhung kaum auf. Aber für manche kostet sie auch Millionen. Mehr 11 7