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Erkundungsstopp in Gorleben Pause im berühmtesten Dorf des Landes

Der vorläufige Erkundungsstopp im Salzstock Gorleben, den Umweltminister Altmaier beschlossen hat, könnte zu einem endgültigen werden. Dabei gilt Gorleben als der weltweit am besten erkundete Standort für ein mögliches Endlager.

© dpa Vergrößern Erkundung gestoppt: Gorleben soll vorerst nicht weiter erkundet werden

Kaum ein anderes deutsches Dorf ist so bekannt wie Gorleben, ein idyllisches Örtchen im Nordosten Niedersachsens. Immer wieder aber wird diese scheinbare Idylle unterbrochen von den Transporten wiederaufbereiteter Brennstäbe in Castor-Behältern in ein Zwischenlager, die jedes Mal Atomkraftgegner zu Protesten in das Wendland bringen. Nur wenige hundert Meter entfernt vom Zwischenlager ist das „Erkundungsbergwerk“ Gorleben. Dort soll, so beschlossen 1977 die Regierungen in Bonn und Hannover, in einem „jungfräulichen“ Salzstock der stark strahlende Atommüll endgelagert werden. Zwischen 1980 und 1996 wurden dort Schächte und Tunnel in knapp 900 Meter Tiefe gebohrt und die Lagerbedingungen erforscht. Sobald die Brennstäbe in Gorleben und anderen obertägigen Zwischenlagern hinreichend abgekühlt sind, in etwa drei Jahrzehnten, sollen sie unter Tage gebracht werden - ob in Gorleben oder anderswo, diese Frage entzweit seit mehr als drei Jahrzehnten Politik und Bevölkerung. Dabei gilt Gorleben als der weltweit am besten erkundete Standort für ein mögliches Endlager.

Robert von Lucius Folgen:  

Kritiker, vor allem Grüne und in jüngerer Zeit auch die niedersächsische SPD, bestreiten jedoch, dass diese derzeit einzige deutsche Endlageroption zur sicheren Lagerung geeignet sei. Sie bestreiten zum einen grundsätzlich, dass ein Salzbergwerk geologisch geeignet sei; eine Alternative wäre dagegen Tongestein. Zudem gibt es Vorbehalte speziell gegen Gorleben. Dabei geht es um Gasvorkommen und das Fehlen eines durchgängigen Deckengebirges, das nicht ausreichend gegen eindringendes Wasser abschirme. Schließlich erregt die Vorgeschichte die Kritiker - bei der Festlegung seien regional- und strukturpolitische Argumente angeblich wichtiger gewesen als geologische.

Atomkraftgegner verlangen voelligen Gorleben-Stopp © dapd Vergrößern Die Endlagerfrage polarisiert seit Jahren die Bevölkerung - und fachte zahlreiche Proteste wie hier im November 2011 in Danneberg an

Die Entscheidung des Bundesumweltministers Peter Altmaier, die Erkundung Gorlebens bis nach der Bundestagswahl auszusetzen, ist eine weitere Etappe auf dem Weg, den Streit um Gorleben zu beenden und den Salzstock als Endlager auszuschließen. Offiziell aber soll, so streben das die Bundesregierung und von CDU-Ministerpräsidenten regierte Bundesländer an, Gorleben vorerst im Kreis möglicher Endlagerstätten bleiben. Sollte das nicht geschehen, glauben Befürworter, würden sich andere Bundesländer wie Baden-Württemberg gegen eine neue Endlagersuche sperren. Die niedersächsische Opposition dagegen fordert, Gorleben sofort und endgültig auszuschließen und eine neue Standortsuche ohne Gorleben.

Neue Perspektiven in der Debatte

Die über viele Jahre festgefahrene Diskussion brachte im letzten Jahr Zeichen der Verständigung. Dabei öffneten sich neue Perspektiven durch die Bereitschaft des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann (Grüne), eine neue Standortsuche auch in seinem Bundesland zuzulassen, und die „stille Diplomatie“ des niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) und seines Umweltministers Stefan Birkner (FDP), die den Bund und andere Länder zum Entwurf eines Endlagersuchgesetzes bewegten. Der Gesetzentwurf sei, so McAllister, „zu 90 Prozent“ abgeschlossen.

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Zwei Hürden gibt es noch - welche Behörde für die Koordinierung der neuen Endlagersuche zuständig sein wird, und ob Gorleben als denkbarer (wiewohl wenig wahrscheinlicher) Standort im Gesetz endgültig ausgeschlossen werden soll. Das galt als Streitthema im niedersächsischen Wahlkampf, obwohl alle Parteien das gleiche Ziel haben, aber unterschiedliche Strategien, dies zu erreichen. Die Ankündigung Altmaiers, die ohnehin schon fast eingestellte weitere Erkundung für ein Jahr auszusetzen - weit längere Moratorien gab es schon früher -, soll offenbar zwei Zielen dienen: eine Einigung auf das Endlagersuchgesetz im kommenden Frühjahr zu ermöglichen - und Gorleben aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

Quelle: F.A.Z.

 
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