Home
http://www.faz.net/-gpf-74nq1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

David McAllister im F.A.Z.-Gespräch „...und damit hat sich Gorleben erledigt“

Niedersachsen tritt dafür ein, dass ein atomares Endlager so eingerichtet wird, dass der Müll auch wieder zurückgeholt werden kann. Dafür sei ein Salzstock aber ungeeignet, sagte Ministerpräsident McAllister der F.A.Z. Schlussfolgerung: „Damit hat sich Gorleben erledigt.“

© dapd Vergrößern Klares Sprenglochbild: Im Erkundungsbergwerk Gorleben

Gorleben scheidet als Standort für ein atomares Endlager offenbar aus. Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das Land Niedersachsen setze sich dafür ein, dass für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls die Rückholbarkeit gewährleistet sei. McAllister fügte hinzu: „Wenn das Kriterium der Rückholbarkeit greift, hat sich Salz als Endlagermedium und damit der Standort Gorleben ohnehin erledigt.“

Jasper von Altenbockum Folgen:

Damit sind sich SPD, CDU, Grüne und FDP in Niedersachsen darin einig, dass Gorleben als Standort nicht in Frage komme. Gegen diesen Widerstand dürften Bund und Länder eine Endlagerung in Niedersachsen nicht durchsetzen können.

McAllister beharrte aber in dem Gespräch darauf, das Gorleben Teil einer neuen Suche nach einer geeigneten Endlagerstätte sein müsse.

Bund und Länder versuchen seit Monaten, sich auf ein Gesetz für die Suche nach einer Endlagerstätte zu einigen. Strittig ist nach wie vor, welche Rolle Gorleben dabei spielen soll. McAllisters SPD-Gegenkandidat bei der Landtagswahl im Januar, der Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil, hatte sich dafür ausgesprochen, Gorleben bei der neuen Suche von vorneherein auszuschließen. Er hatte damit auch die Bundes-SPD festgelegt, die seither ebenfalls wieder strikt für einen Ausschluss Gorlebens plädiert.

David McAllister - Der niedersächsische Ministerpräsident spricht in seinem Hannoveraner Amtssitz mit Jasper von Altenbockum „Da bin ich mal gespannt“: McAllister vor seinem Büro © F.A.Z.-Foto Daniel Pilar Bilderstrecke 

McAllister lobt Grüne

McAllister sagte, eine neue Suche könne nicht damit beginnen, dass ein Standort ausgeschlossen werde. „Man kann ja schlecht bei einem Neuanfang der Endlagersuche von einer weißen Karte in Deutschland sprechen und gleichzeitig sofort einen Ort streichen“, sagte McAllister. Gorleben sei aber weder Vergleichs- noch Referenzstandort. Entscheidendes Kriterium sei die Geologie. Nach den Erfahrungen mit dem Endlager im Asse-Salzstock sei es für Niedersachsen naheliegend, darauf zu dringen, das der Müll auch wieder zurückgeholt werden können müsse.

McAllister lobte in dem Gespräch die Haltung der Grünen. Sie hätten auf ihrem Bundesparteitag in Hannover zu Gorleben endlich beschlossen, was die CDU schon immer gesagt habe: „Die Grünen beharren nicht mehr auf dem Standpunkt, dass Gorleben von vorne herein aus allen Betrachtungen ausgeschlossen wird. Damit haben sie eigentlich eine Selbstverständlichkeit beschlossen.“

Was der Beschluss der Grünen praktisch wert sei, werde sich aber erst zeigen, wenn der Gesetzentwurf für ein Endlagersuchgesetz im Bundestag beraten wird. „Dann gilt es Farbe zu bekennen. Da bin ich mal gespannt“, sagte McAllister. 

Mehr zum Thema

Das Interview lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der F.A.Z.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Warum der Ausstieg falsch ist Atomkraft? Ja bitte!

Wir brauchen die Kernkraft, weil sich Milliarden Menschen eine Waschmaschine wünschen. Sie gehört zum guten Leben. Oder wäscht der radelnde Veganer mit Anti-AKW-Aufkleber etwa von Hand? Mehr Von Winand von Petersdorff

20.05.2015, 13:27 Uhr | Politik
Küste von Gaza Palästinenser bauen Boot aus hunderten Plastikflaschen

Auf der Suche nach einem Zeitvertreib haben sich fünf junge Palästinenser im von Israel abgeriegelten Gazastreifen mit gebrauchten Plastikflaschen etwas mehr Freiheit verschafft: Aus fast tausend grünen Flaschen haben sich die Männer ein vier Meter langes Boot gebaut, das vor der Küste von Gaza nun DIE Attraktion ist. Mehr

21.04.2015, 15:35 Uhr | Gesellschaft
Pädophilie-Vorwürfe Die Grünen müssen den Tätern ein Gesicht geben

Die Berliner Grünen haben bis Mitte der neunziger Jahre pädophile Mitglieder in ihren Reihen geduldet. Frauke Homann, einstige Sozialarbeiterin in Berlin-Kreuzberg, spricht über das Netzwerk der Pädophilen, über Vertuschung und die Fehler der Grünen. Mehr Von Christian Füller

20.05.2015, 18:20 Uhr | Politik
Pegida-Demonstration Deutsche Politiker verurteilen Proteste

Kanzlerin Merkel, Justizminister Maas und die Spitzen von Linken und Grünen äußern sich deutlich gegen die antiislamistische Protest-Bewegung. Mehr

15.12.2014, 17:28 Uhr | Politik
Das Ende von Rot-Grün Schröders Neuwahl-Coup

Am Nachmittag des 22. Mai 2005 war die SPD-Niederlage in ihrem Stammland Nordrhein-Westfalen sicher. Noch am Abend verkündete Kanzler Schröder seine Neuwahlpläne. Es war das Ende von Rot-Grün - eine szenische Rekonstruktion. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

22.05.2015, 10:53 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.11.2012, 14:31 Uhr

Männerjammer

Von Antje Schmelcher

„Mehr, mehr!“ Nun klagen Männer, die alles wollen: Kinder, Sex, erfolgreiche Frauen und Karriere. Da kann ja nur der Staat helfen. Mehr 6 9

Männerjammer

Von Antje Schmelcher

„Mehr, mehr!“ Nun klagen Männer, die alles wollen: Kinder, Sex, erfolgreiche Frauen und Karriere. Da kann ja nur der Staat helfen. Mehr 6 9