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Atommüll : Zu wenig Lagerplatz für radioaktive Abfälle

Nicht sicher für die Ewigkeit: Provisorisch zwischengelagerte rostige Atommüllfässer im Kernkraftwerk Brunsbüttel Bild: dpa

Atomfachleute und Umweltpolitiker sind besorgt über fehlende Kapazitäten zur Lagerung schwach strahlender radioaktiver Abfälle. Der Rückbau stilllgelegter Kernkraftwerke verschärft das Problem.

          Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat ein Entsorgungskonzept für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gefordert und sich besorgt über eine Vernachlässigung des Themas geäußert. „An allen Standorten atomarer Anlagen hat sich auch eine große Menge an mittel und schwach radioaktiven Abfällen angesammelt, der eigentlich abtransportiert werden soll, für den es aber keinen Ort gibt, wohin er abtransportiert werden kann. Der Rückbau der Kernkraftwerke im kommenden Jahrzehnt wird das Problem noch erhöhen“, sagte Untersteller FAZ.NET. Über das Thema müsse endlich politisch debattiert werden. „Eine oberirdische Lagerung in Fässern, die nicht für eine jahrzehntelange Aufbewahrung gedacht sind, ist sicher kein Weg, das Risiko zu minimieren“, sagte der Grünen-Politiker.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für die Lagerung radioaktiver Abfälle, die als schwach und mittel radioaktiv eingestuft werden, ist Schacht Konrad in Niedersachsen vorgesehen. Allerdings ist derzeit unsicher, ob die dortige Anlage, wie derzeit angestrebt, von 2022 an tatsächlich mit radioaktivem Abfall beschickt werden kann. Zudem ist äußerst fraglich, ob die dort vorgesehene Lagerkapazität ausreichen wird. Schacht Konrad ist für 303.000 Kubikmeter ausgelegt, bis zum Jahr 2080 erwartet man inklusive der Materialien aus dem Rückbau der acht Atomkraftwerke eine Einlagerungsmenge von 300.000 Kubikmetern.

          Atommüll müsste neu verpackt werden

          Nach Berechnungen von Fachleuten ist aber mit zusätzlichen Atommüllmengen dieser Klassifizierung zu rechnen: Durch die Rückholung von Abfällen aus der Schachtanlage Asse könnten mehr als 50.000 Kubikmeter zusätzlich anfallen. Weil „abgereichertes Uran“ nicht mehr nach Russland transportiert und exportiert wird, ist zudem mit einer Steigerung der Müllmenge zu rechnen. Das „genehmigte Volumen von „Schacht Konrad“, heißt es in einem Papier des baden-württembergischen Umweltministeriums, werde „wenn überhaupt, nur knapp“ ausreichen, um die „insgesamt prognostizierte schwach- und mittelradioaktive Abfallmenge“ im Schacht Konrad zu lagern. Ein Sprecher des „Bundesamtes für Strahlenschutz“ (BfS) sagte:  „Das Thema der Entsorgung  dieser Abfällen hat mehr Aufmerksamkeit verdient.  Leider ist die Darstellung Baden-Württembergs durch eigene Interessen geprägt und zu einseitig.“

          In dem Papier des baden-württembergischen Ministeriums, das FAZ.NET vorliegt, werden zahlreiche Schwierigkeiten bei der Entsorgung mittel radioaktiver Abfälle beschrieben: So sind auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums in Karlsruhe derzeit 13.000 Atommüllbehälter zwischengelagert worden, aber nur 194 sind für eine Einlagerung im Schacht Konrad im niedersächsischen Braunschweig zugelassen. Der Grund: Im größten Zwischenlager Deutschlands sind in den neunziger Jahren schwach und mittel radioaktive Abfälle offenbar vor allem kostengünstig verpackt worden. Den heutigen Vorschriften für eine Einlagerung im Schacht Konrad genügt diese Verpackung nicht mehr.

          Wohin mit defekten Brennstäben?

          Zur Lösung bieten sich zwei Möglichkeiten an: Entweder werden die Abfälle gemäß der Vorschriften neu verpackt, was erhebliche Kosten für das Land Baden-Württemberg nach sich ziehen würde, oder man ändert die Einlagerungsbedingungen für die Anlage in Braunschweig. Die grün-rote Landesregierung möchte natürlich zusätzliche Kosten vermeide.

          Probleme sehen die Fachleute des Ministeriums in Stuttgart auch für die Fortexistenz von Betriebsgenehmigungen für Zwischenlager: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig hatte die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager Brunsbüttel 2013 aufgehoben, weil es nicht hinreichend gegen Terror-Angriffe geschützt sei. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnte das Konsequenzen für andere Zwischenlager haben: Das BfS müsste für alle Zwischenlager auf der Grundlage des Urteils neue Genehmigungen aussprechen, was theoretisch zu erheblichen Verzögerungen auch beim Rückbau der acht Atomkraftwerke führen könnte.

          Unterstellers Ministerium weist auch darauf hin, dass es für defekte Brennstäbe, die beim Rückbau der Kraftwerke demontiert werden, immer noch kein „validiertes Verpackungskonzept“ gibt. Abgebrannte und defekte Brennstäbe zählen zwar nicht zu den schwach und mittel radioaktiven Abfällen, aber zeitliche Verzögerungen könnten sich auch hieraus ergeben. „Jetzt haben wir auf Initiative Baden-Württembergs ein Verfahren in Gang gesetzt, um wenigstens ein Endlager für den radioaktiven Müll zu finden. Ich sehe aber die große Gefahr, dass sich viele damit schon wieder zufrieden geben“, sagte Untersteller. „Das wäre fatal.“

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