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Atomkraftwerk Fessenheim : Weschpenescht

Fessenheim liegt rund 30 Kilometer südwestlich von Freiburg im Breisgau direkt am Rhein Bild: Helmut Fricke

Der französische Präsident François Hollande will das Atomkraftwerk Fessenheim vom Netz nehmen. Die deutschen Nachbarn in Südbaden freut das. Viele Franzosen aber nicht.

          Ein großer Frachter schippert durch den „Grand Canal d’Alsace“. Unspektakulär sehen die zwei Fessenheimer Reaktorblöcke am Kanalufer aus. Die runden Gehäuse von Reaktorblock I und II erinnern eher an veraltete Silage-Silos. Fessenheim kommt an die Dimension anderer Kernkraftwerke nicht heran - es ist ein Druckwasserreaktor, die Kühltürme fehlen. Als Fessenheim gebaut wurde, fürchteten die Winzer zwischen Kaiserstuhl und Markgräflerland, dass die Luft aus den Kühltürmen das Mikroklima für den Wein zerstören könnte. Die Politiker schwärmten von einem „Ruhrgebiet am Oberrhein“. Jean-Paul Lacote war 1975 das erste Mal hier am Kanal. Zum Demonstrieren.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Lacote hat in seinem Leben viele unterschiedliche Dinge getan. Er war Förster, Achtundsechziger-Student, Schauspieler, Fliesenleger, Mitarbeiter einer Naturschutzorganisation. Ein Thema hat ihn immer wieder beschäftigt: die Gefahren der zivilen Nutzung der Atomenergie. Der 67 Jahre alte Franzose trägt ein knallgelbes T-Shirt. „Atom - Non Merci“ steht drauf. Fast vierzig Jahre kämpfte Lacote gegen Fessenheim. Er ist zwar Franzose, lebt aber in Deutschland. Erst versuchte er, den Bau zu verhindern, dann kämpfte er unermüdlich für die Stilllegung. 1975, da war Lacote dreißig. Das nächste deutsche Dorf heißt Hartheim und ist acht Kilometer entfernt. Das französische Dorf Fessenheim, das dem Kraftwerk den Namen gab, ist vier Kilometer weit weg vom Rhein.

          „Allee der Kernkraftwerke“

          Frankreich realisierte damals ein gewaltiges Programm zum Ausbau der Atomenergie. Atomgegner aus Südbaden und aus dem Elsass demonstrierten am Kanal. Es waren bewegte Zeiten. Sie besetzten Strommasten, traten in Hungerstreik. Selbst einen Bombenanschlag gab es damals. Aus dem Landratsamt Lörrach entwendeten die Demonstranten die Katastrophenschutzpläne. „Sogar die Mitbegründerin der französischen Grünen, Solange Fernex, war dabei“, erinnert sich Lacote, der Franzose, der für die deutschen Gegner eine Schlüsselfigur war.

          Ursprünglich waren - zur Hochzeit der Atomenergie - eine ganze Reihe von Atomkraftwerken am Oberrhein geplant. Pläne gab es für Gambsheim, Breisach und natürlich für das Bauerndorf Wyhl am Kaiserstuhl, einige Kilometer weiter nördlich. Die Atomkraftgegner sprachen von einer „Allee der Kernkraftwerke“. Die baden-württembergische Regierung ließ Standorte in Schwörstadt, Meißenheim, Laufen und Sersheim prüfen. Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Lothar Späth versuchte zwischen Ministerpräsident Hans Filbinger und den aufständischen Winzern, Apothekern, Bauern und Lehrern im Wyhler Wald zu vermitteln. Ohne das Wyhler Kraftwerk würden „bald die Lichter ausgehen“, drohte Filbinger in jenen Tagen. Das Land hat sich dennoch ganz anständig entwickelt - Filbingers Nachfolger, Lothar Späth, stoppte das Projekt 1983 ziemlich schnell.

          Symbol für die Freundschaft

          Die Franzosen blieben standhaft. Sie bauten Fessenheim. Es ging 1977 ans Netz. Viele der einstigen Protagonisten sind längst gestorben. In seinem Wahlkampf hat Frankreichs neuer Präsident François Hollande angekündigt, als einziges Werk bis 2017 Fessenheim vom Netz zu nehmen, Frankreichs ältesten Reaktor. Die Fessenheimer selbst freut das nun gar nicht, die deutschen Nachbarn dafür sehr.

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