http://www.faz.net/-gpf-83eti

Warum der Ausstieg falsch ist : Atomkraft? Ja bitte!

Widerstand gegen Windparks aus der Bevölkerung

Noch bestürzender an der Energiewende ist aber, dass 25 Prozent Ökostromanteil nur auf den ersten Blick eindrucksvoll sind. Angesichts der bisher schon eingesetzten Summe ist dieses Viertel dann doch nicht so viel. Dazu kommt, dass die Widerstände in der Bevölkerung gegen neue Windkraftwerke und neue Leitungen den Ausbau jeden Tag schwieriger machen. Abgesehen davon: Wer in der Welt könnte sich so ein Programm überhaupt noch leisten, wenn er denn nur wollte?

Die Kritik an der deutschen Energiewende bedeutet nicht, dass erneuerbare Energie schlecht ist. Nur muss sich eben auch der Ökostrom an seinem Beitrag messen lassen, der Menschheit ein gutes Leben zu ermöglichen, das Klima zu stabilisieren und die Natur zu schützen.

Im Herbst 2013 veröffentlichte die britische Behörde für Energie und Klimawandel eine Grafik, in der dargestellt wurde, wie viel Land das neue Kernkraftwerk Hinkley Point C je produzierter Energieeinheit im Vergleich zu Windkraftwerken und Photovoltaikanlagen beanspruchen wird. Das Atomkraftwerk, das nach Berechnung der Behörde im Jahr 2025 sieben Prozent des britischen Stromverbrauchs abdecken kann, braucht 175 Hektar Land. Windkraftanlagen beanspruchen dagegen 100.000 Hektar für die gleiche Strommenge. Das ist etwas mehr als die Fläche von Berlin. Solche Zahlenrelationen müssten Naturschützer im höchsten Maße alarmieren. Davon ist aber wenig zu spüren. Stattdessen treten grüne Politiker auf, die den dramatischen Landschaftsverbrauch durch Windräder als quasi basisdemokratische, weil dezentralisierte Energieversorgung verbrämen.

Flächen-Produktivität statt romantisierte Natur

Mitte April dieses Jahres ging eine Gruppe von Wissenschaftlern, Publizisten und Naturschützern mit dem „Ecomodernist Manifesto“ an die Öffentlichkeit. Es ist ein Aufruf für eine pragmatische technologieorientierte Umweltschutzpolitik. Die Autoren setzen sich ab von der romantischen Vorstellung eines menschlichen Lebens in nachhaltiger Harmonie mit der Natur. Es gelte im Gegenteil, Umwelt und Menschen zu entkoppeln. Die einfache gute Idee lautet, Landwirtschaft, Energieversorgung und Besiedlung zu intensivieren, damit die Menschheit weniger Land verbraucht. Flächen-Produktivität, eigentlich eine Kennziffer für Supermarktplaner, wird zur heiligen Pflicht, um Teile der Natur vor dem menschlichen Zugriff bewahren zu können.

Für eine solche hochintensive, abgasfreie Energieversorgung gibt es eine Lösung. Und die heißt Atomkraft. „Die meisten Formen der erneuerbaren Energien sind leider unfähig, das hinzukriegen“, argumentieren die Autoren des Manifests. Das Ausmaß des Landverbrauchs und andere Umwelteinflüsse, die mit Biomasse und vielen anderen Formen der erneuerbaren Energien verbunden seien, weckten große Zweifel, dass sie die Welt einer Lösung näher bringen.

Als große Ausnahme gilt allerdings eine neue Generation hocheffizienter Solarzellen in Verbindung mit neuer Speichertechnik. Das alles dürfte für große Teile der deutschen Umweltbewegung schwer zu schlucken sein. Sie machen es sich lieber in ihrer ideologischen Anti-AKW-Provinz gemütlich.

Weitere Themen

Eine saubere Sache

Lufthygiene : Eine saubere Sache

Wer etwas über Schadstoffe in der Luft erfahren will, muss sich nur die Flechten an den Bäumen anschauen. Die gute Nachricht lautet: Es werden wieder mehr.

Topmeldungen

Jung und konservativ und eine Kritiker von Kanzlerin Merkel: Jens Spahn

Merkels neue Minister : Reform statt Revolution in der CDU

Angela Merkel gibt dem Druck aus der eigenen Partei nach und kündigt vor dem Parteitag eine Verjüngung der CDU-Minister in der nächsten Bundesregierung an.

Olympia-Kommentar : Schluss damit!

Genug gebüßt! Das IOC will einen Schlussstrich unter die Causa Russland ziehen: Die baldige Rückkehr des russischen olympischen Komitees auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt.

Zur Frankfurt-Wahl : Große und kleine Überraschungen

Peter Feldmann ging von der Pole Position des Amtsinhabers ins Rennen, diesen Vorsprung hat er beherzt genutzt. Seine Motorleistung war jedoch nicht so stark, dass er die Konkurrenten um den Posten des Rathauschefs vom Start weg hätte überrunden können.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.