Home
http://www.faz.net/-gpf-7846z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Studie zu Gesundheitsgefahren Greenpeace macht Kohlekraftwerke für Todesfälle verantwortlich

Die deutschen Kohlekraftwerke sind pro Jahr statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle verantwortlich. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag von Greenpeace. Betreiber bezeichnen die Schlussfolgerungen als grob irreführend.

© dapd Der Braunkohlekraftwerk Jänschwalde des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall Europe in Brandenburg

Deutsche Kohlekraftwerke sind einer Studie im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Schuld seien Feinstaubpartikel und giftige Abgase aus deren Schornsteinen, teilte Greenpeace am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf eine Untersuchung von Experten der Universität Stuttgart mit.

Diese verursachten unter anderem Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die rechnerisch zum Verlust von 33.000 Lebensjahren führten. Das seien statistisch etwa 3100 Tote pro Jahr. Kraftwerksbetreiber wie der Energiekonzern Vattenfall bezeichneten die Studie und deren Schlussfolgerungen als grob irreführend. Die Luftqualität im Umfeld der eigenen Kraftwerke werde in der Gesamtschau „praktisch nicht oder nur unwesentlich“ durch deren Emissionen beeinflusst, teilte Vattenfall mit. Das zeigten die Überwachungsmessungen der Behörden.

Mehr zum Thema

Für die Studie zogen die Stuttgarter Forscher Emissionsdaten der 67 leistungsfähigsten deutschen Kohlekraftwerke aus dem Europäischen Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister für das Jahr 2010 heran. Tausende Betriebe müssen diesem jährlich ihren Schadstoffausstoß melden. Dann berechneten die Wissenschaftler nach komplizierten Verfahren sowie gestützt auf Gesundheitsstudien, welche Gesundheitsrisiken durch die Ausbreitung von Feinstaub und Vorläufersubstanzen in bestimmten Regionen abhängig von der Konzentration zu erwarten sind. Daraus ergaben sich die genannten rechnerischen Verluste an menschlicher Lebenszeit.

Besonders gravierend waren der Studie zufolge die gesundheitlichen Folgen der größten deutschen Braunkohlekraftwerke. Das von Vattenfall betriebene 3000-Megawatt-Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg mit seinen sechs Blöcken, das Strom für 4,4 Millionen Menschen liefert, war demnach für 373 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Dem RWE-Kraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 2800 Megawatt elektrischer Leistung und neun Blöcken wurden rechnerisch vorzeitige 269 Todesfälle zugeschrieben.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Katastrophe in Tianjin Verantwortliche sollen hart bestraft werden

Lange ließ die chinesische Führung das Volk im Ungewissen, jetzt zeigt sie sich entschlossen und leitet Ermittlungen ein. Ministerpräsident Li Keqiang fordert harte Strafen. Mehr

17.08.2015, 09:49 Uhr | Gesellschaft
Energiewende Was kostet der Atomausstieg?

Der Atomausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache. Doch der Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des radioaktiven Mülls sind aufwändig und teuer. Als Betreiber der Kraftwerke sind die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall verantwortlich. Mehr

20.05.2015, 13:00 Uhr | Wirtschaft
Reales Nettovermögen gesunken Haushalte verlieren 20.000 Euro in zehn Jahren

Die Deutschen haben weitaus weniger Vermögen als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine DIW-Studie und macht dafür vor allem zwei Gründe verantwortlich. Mehr

19.08.2015, 13:28 Uhr | Finanzen
Energiewende Hochmodernem Kraftwerk droht das Aus

Das erst vor wenigen Jahren für über eine Milliarde Euro gebaute Gaskraftwerk im bayerischen Irsching steht wegen der fehlenden Wirtschaftlichkeit vor dem Aus. Mehr

06.03.2015, 17:29 Uhr | Wirtschaft
Demografische Trendwende? So viele Geburten wie seit zwölf Jahren nicht mehr

In Deutschland entscheiden sich wieder mehr Paare für Kinder. 2014 stieg die Zahl der Babys zum ersten Mal seit 2004 wieder über 700.000. Auch andere Zahlen des Statistischen Bundesamtes überraschen. Mehr

21.08.2015, 11:56 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 03.04.2013, 14:15 Uhr

Hell und Dunkel

Von Jasper von Altenbockum

Das Wort vom „Dunkeldeutschland“ hat weder Hilfsbereitschaft noch Aufnahmekapazitäten wachsen lassen, sondern ideologische Gräben. Die verlaufen mitten unter Demokraten. Mehr 406

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden