http://www.faz.net/-gpf-7846z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.04.2013, 14:15 Uhr

Studie zu Gesundheitsgefahren Greenpeace macht Kohlekraftwerke für Todesfälle verantwortlich

Die deutschen Kohlekraftwerke sind pro Jahr statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle verantwortlich. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag von Greenpeace. Betreiber bezeichnen die Schlussfolgerungen als grob irreführend.

© dapd Der Braunkohlekraftwerk Jänschwalde des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall Europe in Brandenburg

Deutsche Kohlekraftwerke sind einer Studie im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Schuld seien Feinstaubpartikel und giftige Abgase aus deren Schornsteinen, teilte Greenpeace am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf eine Untersuchung von Experten der Universität Stuttgart mit.

Diese verursachten unter anderem Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die rechnerisch zum Verlust von 33.000 Lebensjahren führten. Das seien statistisch etwa 3100 Tote pro Jahr. Kraftwerksbetreiber wie der Energiekonzern Vattenfall bezeichneten die Studie und deren Schlussfolgerungen als grob irreführend. Die Luftqualität im Umfeld der eigenen Kraftwerke werde in der Gesamtschau „praktisch nicht oder nur unwesentlich“ durch deren Emissionen beeinflusst, teilte Vattenfall mit. Das zeigten die Überwachungsmessungen der Behörden.

Mehr zum Thema

Für die Studie zogen die Stuttgarter Forscher Emissionsdaten der 67 leistungsfähigsten deutschen Kohlekraftwerke aus dem Europäischen Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister für das Jahr 2010 heran. Tausende Betriebe müssen diesem jährlich ihren Schadstoffausstoß melden. Dann berechneten die Wissenschaftler nach komplizierten Verfahren sowie gestützt auf Gesundheitsstudien, welche Gesundheitsrisiken durch die Ausbreitung von Feinstaub und Vorläufersubstanzen in bestimmten Regionen abhängig von der Konzentration zu erwarten sind. Daraus ergaben sich die genannten rechnerischen Verluste an menschlicher Lebenszeit.

Besonders gravierend waren der Studie zufolge die gesundheitlichen Folgen der größten deutschen Braunkohlekraftwerke. Das von Vattenfall betriebene 3000-Megawatt-Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg mit seinen sechs Blöcken, das Strom für 4,4 Millionen Menschen liefert, war demnach für 373 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Dem RWE-Kraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 2800 Megawatt elektrischer Leistung und neun Blöcken wurden rechnerisch vorzeitige 269 Todesfälle zugeschrieben.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Verbrauchertäuschung Umwelthilfe will Opel verklagen

Im Streit um schmutzige Dieselabgase verzichtet nun der Autobauer Opel auf zwei Werbeaussagen. Der Deutschen Umwelthilfe ist das nicht genug. Mehr

19.05.2016, 16:46 Uhr | Rhein-Main
Republica Greenpeace veröffentlicht geheime TTIP-Dokumente

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Montag zur Veröffentlichung geheimer Unterlagen aus den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP Stellung genommen. Der Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace in Berlin, Stefan Krug, und Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch äußerten sich auf der Internetkonferenz Republica in Berlin. Mehr

02.05.2016, 13:06 Uhr | Politik
Vattenfall-Kohlekraftwerk Aktivisten in der Lausitz beenden Protestaktion

Die bis zu 2000 Aktivisten haben ihre Protestaktion in der Lausitz beendet. Während sie ihren Erfolg feiern, hat Vattenfalls als Betreiber des blockierten Kohlekraftwerks Anzeige erstattet. Mehr

15.05.2016, 17:50 Uhr | Politik
Freihandel Die geleakten TTIP-Dokumente im Volltext

Am Montag hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace 240 Seiten geheimer Dokumente aus den TTIP-Dokumenten veröffentlicht. Hier können die 12 Kapitel im Wortlaut nachgelesen werden. Mehr

02.05.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
Abgas-Diskussion Mercedes baut Partikelfilter in Benziner ein

Kommt nach dem Dieselmotor auch der Benziner in den Fokus der Kritik? Mercedes-Benz will sich wappnen und filtert künftig mehr Abgase. Mehr Von Holger Appel

26.05.2016, 17:21 Uhr | Wirtschaft

Kleine Linke-Welt

Von Matthias Wyssuwa

Das mit der AfD hat für die Linke auch eine gute Seite. Der Aufstieg der Rechtspopulisten passt nämlich exzellent in ihre große Erzählung. Damit macht sie es sich einfach. Mehr 7

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden