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Veröffentlicht: 16.08.2013, 16:49 Uhr

Strom nicht bezahlt Wenn das Licht ausgeht

Rund 300.000 Haushalten wird wegen unbezahlter Rechnungen jährlich der Strom abgeklemmt. Ungeklärt ist, welche Personengruppen am stärksten betroffen sind - und ob die Energiewende das Problem verschärft.

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© dpa Den Messwert im Blick: Die Schulden für unbezahlte Stromrechnungen müssen mindestens 100 Euro betragen, bevor das Licht ausgehen darf

Von der einen auf die andere Sekunde saß Mike Müller im Dunkeln. Draußen war es kalt, drinnen ging nichts mehr. Kein Licht, kein Telefon, kein warmes Wasser. „Ich wusste erst gar nicht, was los ist. Dann habe ich kapiert: Die haben mir den Strom abgestellt“, erinnert sich Müller, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Vorwarnungen hatte Müller genug bekommen, doch er hatte sie nicht gehört: „Ich war frisch umgezogen und hatte meine Post länger nicht geöffnet.“ Hätte er es getan, hätte er das aufziehende Unheil kommen sehen.

Christoph Schäfer Folgen:

Im ersten Brief klang der Energieversorger, die Mainova, freundlich: „Sicher haben Sie nur übersehen, die unten genannte Forderung rechtzeitig auszugleichen.“ Ein paar Tage später folgte eine Mahnung und die Ankündigung, den Kunden „ab dem 14.03.2013 nicht mehr mit Energie zu versorgen“. Es wurde pünktlich dunkel. Im Briefkasten lag ein Zettel, in dem die Mainova informierte: „Da Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen trotz mehrfacher Aufforderung nicht nachgekommen sind, haben wir heute die Versorgung eingestellt.“ Müller zahlte seine Abschläge, 10 Euro Mahngebühren sowie die „Aus- und Einschaltkosten“ von 196,64 Euro.

„Vor allem ein Problem der Arbeitslosengeld-II-Bezieher“

Was Müller erlebt hat, ist kein Einzelfall. Der Bundesnetzagentur zufolge stellten die Energieversorger im vorvergangenen Jahr 312.000 Haushalten wegen unbezahlter Rechnungen den Strom ab. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, qualitativ vergleichbare Erhebungen auch nicht. Weil es zudem die erste Erfassung dieser Art war, lässt sich nicht sicher sagen, ob das Problem durch die kostspielige Energiewende größer wird. In jedem Fall aber ist Strom mittlerweile so teuer, dass er seit Monaten im Wahlkampf Thema ist. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) versuchte sich Anfang des Jahres an einer Strompreisbremse.

Nun will SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit einem „Zehn-Punkte-Programm“ dafür sorgen, dass Strom bezahlbar bleibt. Ungeklärt ist derweil noch, welche Personengruppen ihre Stromrechnung schon jetzt nicht mehr zahlen können. Sozialverbände behaupten, dass in jedem dritten Haushalt, der vom Stromnetz genommen wird, Hartz-IV-Empfänger leben. Der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale in Hamburg, Günter Hörmann, sagt ebenfalls, dass „Stromschulden vor allem ein Problem der Arbeitslosengeld-II-Bezieher“ seien.

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Die Bundesanstalt für Arbeit weist allerdings darauf hin, dass die Kosten für den Strom im Regelsatz der Hartz-IV-Empfänger enthalten und im Notfall kurzfristige Darlehen möglich seien. Dem Papier nach ist also alles geregelt. Ob es in der Praxis trotzdem Probleme gibt, wissen weder die Arbeitsagentur noch das Bundesarbeitsministerium.

Schuldnerberater verweisen darauf, dass unter den Menschen mit Stromschulden zahlreiche Geringverdiener und Bezieher von kleinen Renten seien. Vattenfall dagegen berichtet, dass es weniger daran liege, ob jemand nur geringe Einkünfte habe. „Entscheidender ist die Fähigkeit, mit Geld umzugehen“, sagt ein Sprecher. „Leute mit Stromschulden haben häufig zu viele Ratenkredite aufgenommen, die sie irgendwann nicht mehr bedienen können. Sie konsumieren zu viel.“

Zwei Mahnungen bevor es dunkel wird

Unstrittig ist lediglich das Verfahren, wie der Strom ordnungsgemäß gesperrt werden darf. Es ist in Paragraph 19 der Grundversorgungsverordnung für Strom festgelegt. Demnach muss der Stromanbieter seinen Kunden zweimal mahnen und die Stromsperre ankündigen: einmal mindestens vier Wochen vor der Abschaltung, noch mal drei Tage vorher. Außerdem müssen die Stromschulden mindestens 100 Euro betragen, und die Maßnahme muss verhältnismäßig sein.

Unabhängig von Strompreisbremsen und „Zehn-Punkte-Plänen“ sollten Verbraucher eines jetzt schon machen. „Suchen Sie sich einen günstigen Stromversorger“, empfiehlt das Umweltministerium. „Das machen viel zu wenige.“

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Von Christian Heinrich Meier

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Quelle: wahlrecht.de
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