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Ökostrom Wie der Windstrom in das Gasnetz kommt

In Prignitz gibt es Ökostrom im Überfluss. Jetzt wird erprobt, wie er in Wasserstoff umgewandelt und im Gasnetz gespeichert werden kann. Rechnet sich das, ist ein Energiewende-Problem gelöst.

© Lüdecke, Matthias Vergrößern Sieht so die Zukunft aus? Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen

In der Prignitz wächst der Strom auf dem Acker gleich neben der Autobahn. Mannshoch recken sich tiefgrüne Maispflanzen längs der A 9 gen Himmel, kaum ist das Autobahnkreuz Dosse Richtung Hamburg überwunden. Bald sind sie reif genug für die Fermentierung in einer der Biogasanlagen, die in der hügeligen Landschaft stehen, welche die Eiszeit zurückgelassen hat.

Andreas Mihm Folgen:  

Inmitten abgeernteter Getreidefelder stehen etwas weiter Windräder dutzendfach, die Rotoren wie festgeklebt, untätig in windloser Sommerschwüle. Dennoch muss jetzt niemand auf Strom verzichten. Dafür läuft ein nahes Photovoltaikkraftwerk mit seinen in Reihen gelegten Paneelen, das sich, wie es scheint, kilometerlang rechts und links der Autobahn ausbreitet, in der Mittagssonne auf Hochtouren.

In diesem Grenzstreifen Brandenburgs zu Mecklenburg-Vorpommern ist die Zukunft der deutschen Energieversorgung schon Wirklichkeit. Hier wird mehr Ökostrom produziert als Elektrizität verbraucht.

Noch kleiner, feiner, effizienter

Das von der Bundesregierung für 2050 ausgegebene Ziel, 80 Prozent des Stromverbrauchs aus regenerativer Erzeugung zu decken, ist hier, fern der Großstädte, schon erreicht.

Das sagen zumindest die Leute von Eon. Die müssen es wissen. Nicht nur, weil der regionale Stromversorger und Netzbetreiber Edis eine Tochtergesellschaft des Energiekonzerns ist und ständig wegen des Überflusses an Strom das Netz verstärken muss. Eon will am Rande des Gewerbegebietes in Falkenhagen, einem Flecken in der Prignitz, den Beweis antreten, dass das Speichern von Grünstrom nicht nur machbar ist, sondern auch zu wirtschaftlich akzeptablen Konditionen.

Hier liegt der Hase im Pfeffer. Technisch sei das alles kein Hexenwerk, sagt Peter Röttgen, der für Energiespeicher-Forschung bei Eon zuständige Leiter, bei einem Rundgang über die vielleicht fußballplatzgroße Anlage. Das Verfahren der Aufspaltung von Wasser in Wasser und Sauerstoff durch Strom ist lange bekannt, die Elektrolyse-Technik weitgehend ausgereift. Auch wenn es neue technische Entwicklungen gibt, die der Konzern selbst gerade in einem anderen Modellprojekt in Hamburg erprobt: noch kleiner, feiner, effizienter.

Das kleine Kraftwerk kommt gleichsam von der Stange und könnte überall stehen

In Falkenhagen hat ein großer Kranwagen im Frühjahr sechs Stahlkammern von der Größe kleiner Schiffscontainer auf den Beton gestellt. Darin wird der Strom in Wasserstoff gewandelt. Der wird anschließend in einem größeren Container verdichtet. Das kleine Kraftwerk ist aus handelsüblichen Komponenten zusammengestellt, es kommt gleichsam von der Stange und könnte überall stehen. Ende des Monats soll es feierlich von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eröffnet werden. Es arbeitet vollautomatisch und beinahe geräuschlos. Allenfalls das Surren der Ventilatoren übertönt das Zwitschern der Vögel im nahen Gehölz.

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