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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Neues Förderprogramm Harte Kritik an neuer Subvention für Solarspeicher

 ·  Die Energiewirtschaft übt große Kritik an einem neuen Förderprogramm für Solarstromerzeuger. Betreiber von Photovoltaik-Anlagen erhielten eine Doppelförderung, sagte die Chefin des Branchenverbands BDEW, Müller der F.A.Z.

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Die Energiewirtschaft übt große Kritik an einem neuen Förderprogramm für Solarstromerzeuger, für das Anfang März der Startschuss fallen soll. Das 50-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung für Solarstromspeicher Programm sei „nicht durchdacht“, sagte Hildergard Müller, Chefin des Branchenverbands BDEW, der F.A.Z. „Damit erhalten Betreiber von Photovoltaik-Anlagen eine Doppelförderung, die alle Stromkunden zahlen müssen.“

Felix Matthes vom Ökoinstitut nannte das Programm „einfach nur Unsinn“. Die Technologie sei zu teuer und die Einbindung der Speicher in das Stromnetz nicht gewährleistet. Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler, hält die neue Subvention für kontraproduktiv. „Im ungünstigsten Fall wird das schon angeschlagene Stromnetz durch diese Speicher sogar noch weiter destabilisiert“, sagte er der F.A.Z.

In einem Kompromiss mit den Ländern über die Solarförderung hatte der Bund im Juni ein Programm zur dezentralen Speicherung von Strom aus Photovoltaikanlagen zugesichert. Dazu sollte die KfW-Förderbank „spätestens ab 1. Januar 2013“ zinsverbilligte Kredite geben, die der Bund mit 50 Millionen Euro bezuschusst. Das Programm soll am 1. März starten. Je Einfamilienhaus kann die Förderung 2000 bis 3000 Euro betragen. Damit könnten bis zu 25000 Speicher gefördert werden. Die bietet unter anderem die Firma Solarworld an, die in Sachsen Werke betreibt. Sachsen, das gerade den Vorschlag für eine radikale Wende in der Ökostromförderung vorgelegt hat, hatte sich für die Regelung stark gemacht.

Die Solarwirtschaft heißt die Förderung gut: Damit würden Stromnetze entlastet, die Versorgungssicherheit erhöht und die Kosten für die Ökostromförderung reduziert, weil der selbst verbrauchte Strom nicht ins Netz eingespeist werde, sagt Verbandsgeschäftsführer Jörg Mayer.

Müller, die den Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft führt, hält dem nicht nur die Doppelförderung auf Kosten der Stromkunden entgegen. Sie blieben auch auf Kosten für den wegen wachsender Ökostromeinspeisung notwendigen Netzausbau sitzen. Die bemessen sich nach dem Stromverbrauch. Speicherbesitzer würden nicht von der Versorgung unabhängig, „da sie weiterhin ans Stromnetz angeschlossen bleiben für den Fall, dass die Sonne nicht scheint und Speicher nicht ausreichen.“

Müller warnte vor der Gefahr, „in eine immer größere Schieflage zu geraten und die Entsolidarisierungseffekte im Energiesystem weiter voranzutreiben.“ Speicher müssten mit dem Gesamtsystem verknüpft und von außen steuerbar werden. Nur so könnten sie einen Beitrag zur Netzstabilität liefern. Kürzlich hatte sie beklagt, dass Solaranlagenbesitzer sich nur unzureichend an der für die Netzsicherheit notwendigen Nachrüstung ihrer Anlagen beteiligten - dabei werden auch hier die Kosten auf den Strompreis umgelegt.

Das Wirtschaftsministerium bestätigt, ein höherer Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen führe „nicht zwangsläufig zu einer Entlastung des Verteilnetzes“. Auch seien Batteriespeicher „bislang noch nicht wirtschaftlich“. Deshalb setze man auf Forschungsförderung. Kohler sieht in dem neuen Speicherförderprogramm einen Beleg dafür, dass „oftmals zu sehr individuelle Einzelinteressen bedient werden, und nicht das Gesamtsystem optimiert wird.“ Er verlangt eine besser Abstimmung des Ökostromausbaus mit dem Netzausbau. Dafür sollten verbindlich regionale Ausbaupläne erstellt werden. Es sei absehbar, dass die Erzeugungskapazitäten 2022 mit 220 Gigawatt die Spitzennachfrage von gut 80 Gigawatt und erst recht die in schwachen Zeiten weit übertreffen werde. „In zehn Jahren werden wir ein Drittel des geförderten Ökostroms preiswert ans Ausland verkaufen oder verschenken müssen, weil wir ihn selbst nicht gebrauchen können.“ Das sei eine „Verschwendung von Ressourcen- und Geld“.

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