Home
http://www.faz.net/-h00-75vty
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neues Förderprogramm Harte Kritik an neuer Subvention für Solarspeicher

Die Energiewirtschaft übt große Kritik an einem neuen Förderprogramm für Solarstromerzeuger. Betreiber von Photovoltaik-Anlagen erhielten eine Doppelförderung, sagte die Chefin des Branchenverbands BDEW, Müller der F.A.Z.

© dpa Vergrößern Mit 50 Millionen Euro bezuschusst der Bund das neue Programm

Die Energiewirtschaft übt große Kritik an einem neuen Förderprogramm für Solarstromerzeuger, für das Anfang März der Startschuss fallen soll. Das 50-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung für Solarstromspeicher Programm sei „nicht durchdacht“, sagte Hildergard Müller, Chefin des Branchenverbands BDEW, der F.A.Z. „Damit erhalten Betreiber von Photovoltaik-Anlagen eine Doppelförderung, die alle Stromkunden zahlen müssen.“

Andreas Mihm Folgen:  

Felix Matthes vom Ökoinstitut nannte das Programm „einfach nur Unsinn“. Die Technologie sei zu teuer und die Einbindung der Speicher in das Stromnetz nicht gewährleistet. Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler, hält die neue Subvention für kontraproduktiv. „Im ungünstigsten Fall wird das schon angeschlagene Stromnetz durch diese Speicher sogar noch weiter destabilisiert“, sagte er der F.A.Z.

Mehr zum Thema

In einem Kompromiss mit den Ländern über die Solarförderung hatte der Bund im Juni ein Programm zur dezentralen Speicherung von Strom aus Photovoltaikanlagen zugesichert. Dazu sollte die KfW-Förderbank „spätestens ab 1. Januar 2013“ zinsverbilligte Kredite geben, die der Bund mit 50 Millionen Euro bezuschusst. Das Programm soll am 1. März starten. Je Einfamilienhaus kann die Förderung 2000 bis 3000 Euro betragen. Damit könnten bis zu 25000 Speicher gefördert werden. Die bietet unter anderem die Firma Solarworld an, die in Sachsen Werke betreibt. Sachsen, das gerade den Vorschlag für eine radikale Wende in der Ökostromförderung vorgelegt hat, hatte sich für die Regelung stark gemacht.

Die Solarwirtschaft heißt die Förderung gut: Damit würden Stromnetze entlastet, die Versorgungssicherheit erhöht und die Kosten für die Ökostromförderung reduziert, weil der selbst verbrauchte Strom nicht ins Netz eingespeist werde, sagt Verbandsgeschäftsführer Jörg Mayer.

Müller, die den Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft führt, hält dem nicht nur die Doppelförderung auf Kosten der Stromkunden entgegen. Sie blieben auch auf Kosten für den wegen wachsender Ökostromeinspeisung notwendigen Netzausbau sitzen. Die bemessen sich nach dem Stromverbrauch. Speicherbesitzer würden nicht von der Versorgung unabhängig, „da sie weiterhin ans Stromnetz angeschlossen bleiben für den Fall, dass die Sonne nicht scheint und Speicher nicht ausreichen.“

Müller warnte vor der Gefahr, „in eine immer größere Schieflage zu geraten und die Entsolidarisierungseffekte im Energiesystem weiter voranzutreiben.“ Speicher müssten mit dem Gesamtsystem verknüpft und von außen steuerbar werden. Nur so könnten sie einen Beitrag zur Netzstabilität liefern. Kürzlich hatte sie beklagt, dass Solaranlagenbesitzer sich nur unzureichend an der für die Netzsicherheit notwendigen Nachrüstung ihrer Anlagen beteiligten - dabei werden auch hier die Kosten auf den Strompreis umgelegt.

Das Wirtschaftsministerium bestätigt, ein höherer Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen führe „nicht zwangsläufig zu einer Entlastung des Verteilnetzes“. Auch seien Batteriespeicher „bislang noch nicht wirtschaftlich“. Deshalb setze man auf Forschungsförderung. Kohler sieht in dem neuen Speicherförderprogramm einen Beleg dafür, dass „oftmals zu sehr individuelle Einzelinteressen bedient werden, und nicht das Gesamtsystem optimiert wird.“ Er verlangt eine besser Abstimmung des Ökostromausbaus mit dem Netzausbau. Dafür sollten verbindlich regionale Ausbaupläne erstellt werden. Es sei absehbar, dass die Erzeugungskapazitäten 2022 mit 220 Gigawatt die Spitzennachfrage von gut 80 Gigawatt und erst recht die in schwachen Zeiten weit übertreffen werde. „In zehn Jahren werden wir ein Drittel des geförderten Ökostroms preiswert ans Ausland verkaufen oder verschenken müssen, weil wir ihn selbst nicht gebrauchen können.“ Das sei eine „Verschwendung von Ressourcen- und Geld“.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wem gehört das Netz? Entamerikanisiert endlich das Internet

Russland und China streben beide nach mehr Kontrolle im Internet. Doch die aggressivste Strategie fährt mit Abstand Amerika - und schert sich dabei wenig um internationale Regeln. Ein Gastbeitrag Mehr Von Evgeny Morozov

15.01.2015, 23:21 Uhr | Feuilleton
Deutschland lernt sparen 2013 Das individuelle Depot optimal gestalten

Wie soll das Depot aussehen? Soll mehr Geld in sichere Anlagen wie Tagesgeld oder in Aktienfonds gesteckt werden? Das hängt von den Lebensumständen des Anlegers ab. Mehr

21.11.2014, 12:44 Uhr | Finanzen
Günstigere Masten Fachwerk für Windräder

Die Hochschule Mittelhessen und ein Unternehmen entwickeln günstigere Masten für Windkraftanlagen. Im Inneren hält ein Stahlgerüst die Betonhülle zusammen. Zudem könnten die neuen Masten auf mehr Flächen in Hessen stehen. Mehr Von Wolfram Ahlers, Gießen

22.01.2015, 22:10 Uhr | Rhein-Main
Auftragseinbruch bei sächsischen Maschinenbauern

Vor dem Mauerfall und der politischen Wende lieferten sie Autos, Maschinen und Anlagen in die ehemalige Sowjetunion. Später wurden die Geschäftsbeziehungen wieder aufgenommen - der neue russische Markt zum Teil unter schwierigen Bedingungen erkämpft. Doch nun bestellen die russischen Partner zunehmend bei der Konkurrenz in China oder Japan. Mehr

09.10.2014, 12:07 Uhr | Wirtschaft
Salve TV unter Aufsicht Privatfernsehen mit Bodo Ramelow?

In Kürze soll es eine Sendung geben, die komplett von einem Ministerpräsidenten handelt. Ist Bodo Ramelow narzisstisch veranlagt oder sendebewusst? Wie ein Privatkanal zum Prüfstein der Medienaufsicht wird. Mehr Von Claus Peter Müller, Michael Hanfeld

21.01.2015, 20:57 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.01.2013, 18:37 Uhr

Kleine Sprünge

Von Friederike Böge

Obwohl Indien neuerdings ein „guter Freund“ Amerikas ist, hat der indische Ministerpräsident Modi wahrscheinlich Hintergedanken zu diesem Verhältnis. Mehr

Stimmenanteile in %

Syriza
ND
To Potami
XA
Pasok
KKE
Anel
Kinima
i
Quelle: Griechisches Innenministerium
Syriza
ND
To Potami
XA
Pasok
KKE
Anel
Kinima
Bündnis der radikalen Linken
Nea Dimokratia (Konservative)
Der Fluss (pro-europäische Partei)
Goldenen Morgenröte (ultrarechts)
Panhellenische Sozialistische Bewegung
Kommunistische Partei Griechenlands
Anel (rechtspopulistisch)
Kinima (mitte-links)
*2015 erstmals angetreten
Sperrklausel für den Einzug ins Parlament: 3%
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden